UniCredit streicht in Italien den automatischen Anspruch auf bis zu zehn Tage mobiles Arbeiten pro Monat. Die Gewerkschaften nennen die Entscheidung einseitig, verweisen auf 6,3 Milliarden Euro Halbjahresgewinn und drohen mit Mobilisierung.

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UniCredit holt seine Beschäftigten in Italien zurück ins Büro. Nach einem Schreiben von Konzernchef Andrea Orcel, über das diverse Medien am 4. November berichtete, gilt für seine direkt unterstellten Topmanager keine Homeoffice-Regelung mehr, und das mit sofortiger Wirkung. Allerdings wird sich diese Regelung nicht nur auf die Topmanager auswirken: Für die übrige Belegschaft entfällt ab Januar 2027 der bisher übliche Anspruch auf bis zu zehn Tage mobiles Arbeiten im Monat. Die Gewerkschaften lehnen den Schritt wie erwartet ab.
Mobiles Arbeiten ist künftig nicht mehr automatisch möglich. Wer Kinder unter 18 Jahren hat oder unter bestimmte tarifliche Schutzregelungen fällt, behält den Zugang. Alle anderen müssen einen begründeten Antrag stellen, über den Führungskräfte entscheiden. Welche Ausnahmen darüber hinaus gelten, ist nach Darstellung der Gewerkschaften unklar.
Die Bank begründet den Kurswechsel mit dem Wert der Präsenz. Ein Sprecher erklärte nach Angaben italienischer Medien, persönliche Zusammenarbeit fördere Teamarbeit, beschleunige Entscheidungen und helfe vor allem jüngeren Kollegen bei der fachlichen Entwicklung. UniCredit betont zugleich, weiterhin zu flexiblem Arbeiten zu stehen. Inwieweit diese Abänderung den Kampf um Talente für die Unicredit verschärft, bleibt abzuwarten.
Besonders brisant: die Commerzbank verfügt über üppige Regelungen zum Homeoffice bzw. zum mobilen Arbeiten. Abzuwarten bleibt daher, wie sich der geänderte Kurs bei einer potentiellen Komplettübernahme der Commerzbank auch hierzulange auswirkt.
Die italienischen Verbände Fabi, First-Cisl, Fisac-Cgil, Uilca und Unisin nennen die Entscheidung in einer gemeinsamen Erklärung "inakzeptabel" in der Sache wie im Verfahren und fordern die Bank auf, sie zu überdenken. Andernfalls kündigen sie eine Mobilisierung an, einen Streik haben sie bislang nicht angesetzt. Sie argumentieren, die Serie von inzwischen 22 Rekordquartalen in Folge habe die gesamte Belegschaft erarbeitet, "auch montags und freitags". UniCredit hatte im Juli für das erste Halbjahr einen Nettogewinn von 6,3 Milliarden Euro gemeldet, wie wir in unserer Berichterstattung zu den Quartalszahlen dargestellt haben.
Hinter dem Streit stehen weitere Kritikpunkte: Die Arbeitnehmervertreter beklagen Personalmangel und steigende Arbeits- und Verkaufsbelastung. Zudem wenden sie sich gegen längere Öffnungszeiten der Filialen und gegen Einschränkungen beim digitalen Lernangebot. Sie hatten außerdem erwartet, dass UniCredit mobiles Arbeiten wie andere Bankengruppen auf das Filialnetz ausweitet.

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