Die Commerzbank erlaubt ab Oktober 2025 unbefristet hybrides Arbeiten. Während andere Banken zurückrudern, setzt das Institut auf Eigenverantwortung und schafft damit einen Standortvorteil im War for Talents.

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Commerzbank AG
Während viele Finanzinstitute ihre Rückkehr zur Büropräsenz planen – teils forciert, teils zögerlich –, geht die Commerzbank einen anderen Weg. Ab dem 1. Oktober 2025 wird die bisher befristete Regelung zum hybriden Arbeiten in eine unbefristete Betriebsvereinbarung überführt. Die Bank macht damit ernst: Flexible Arbeitsmodelle sind nicht nur geduldet, sondern explizit erwünscht.
Personalvorständin Sabine Mlnarsky verweist in einer internen Mitteilung – über die zuerst das Handelsblatt berichtet hatte – auf die „positiven Erfahrungen“ mit dem bisherigen Modell. Die neue Vereinbarung soll den Mitarbeitenden nicht nur Planungssicherheit bieten, sondern auch die Eigenverantwortung der Teams in den Mittelpunkt stellen. Denn künftig entscheiden die Teams selbst, wie sie ihre Präsenz- und Homeoffice-Tage aufteilen – natürlich unter Einhaltung regulatorischer und betrieblicher Rahmenbedingungen.
Trotz aller Freiheiten bleibt eine regelmäßige Präsenz in den Büros gewünscht. „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass es unserer gelben Kultur gut tut, zwei bis drei Tage in der Woche gemeinsam im Büro zu arbeiten“, heißt es wörtlich in der Mitteilung. Die sogenannte „gelbe Kultur“ – ein Ausdruck für die Werte und den Teamgeist der Commerzbank – soll erhalten bleiben, auch wenn physische Nähe nicht mehr täglich stattfindet.
Doch die Flexibilisierung geht weiter als bei vielen Wettbewerbern: Mitarbeitende dürfen künftig auch bis zu 20 Arbeitstage pro Jahr aus dem EU-Ausland arbeiten – ein klarer Zugewinn an persönlicher Freiheit in einer zunehmend mobilen Arbeitswelt.
Für den Gesamtbetriebsrat ist die neue Regelung ein Erfolg. Betriebsratschef Sascha Uebel begrüßt das Bekenntnis der Bank zu langfristiger Flexibilität und betont die damit verbundene Planbarkeit für die Belegschaft. Auch aus Arbeitgebersicht dürfte die neue Regelung strategisch motiviert sein: Im Wettbewerb um qualifizierte Talente ist die Möglichkeit zu orts- und zeitflexiblem Arbeiten längst ein Differenzierungsmerkmal.
In einer Branche, die traditionell eher auf Präsenzkultur setzte, positioniert sich die Commerzbank damit bewusst progressiv. Und das dürfte gerade für jüngere Fachkräfte, die hybride Modelle inzwischen voraussetzen, ein Pluspunkt im Employer Branding sein.
Die Entscheidung der Commerzbank fällt auf, weil sie konträr zu aktuellen Entwicklungen in der Finanzbranche steht. Während Institute wie Goldman Sachs, JP Morgan oder auch deutsche Häuser wie Deutsche Bank zuletzt wieder vermehrt auf Büropräsenz pochten, setzt die Commerzbank auf Vertrauen und Autonomie – mit der Erwartung, dass Eigenverantwortung kein Kontrollverlust sein muss.
Für viele Banken stellt sich derzeit die Frage: Wie viel Büro braucht der Mensch – und wie viel Flexibilität verträgt die Unternehmenskultur? Die Commerzbank scheint ihre Antwort gefunden zu haben – und setzt mit der neuen Vereinbarung ein Zeichen in der Post-Covid-Ära.
Die unbefristete Einführung hybrider Arbeitsmodelle ist mehr als eine Personalmaßnahme – sie ist Ausdruck eines Wandels im Selbstverständnis der Bank. Vertrauen statt Kontrolle, Eigenverantwortung statt Top-down – wer so führt, will nicht nur effizienter arbeiten, sondern auch attraktiver sein für eine neue Generation von Bankangestellten.
Ob andere Häuser diesem Beispiel folgen oder auf klassische Präsenzpflicht setzen, bleibt abzuwarten. Die Commerzbank jedenfalls hat ihre Position klar markiert – und damit ein Signal über den eigenen Konzern hinaus gesendet.

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