Eklat in der zweiten Tarifrunde der privaten Banken: Der DBV bricht die Verhandlungen ab, nachdem die Arbeitgeber 4,2 Prozent über drei Jahre und eine Nullrunde für Nachwuchskräfte geboten haben. Die Hintergründe des Konflikts.

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Dr. Thomas A. Lange (Jahrgang 1963) ist seit November 2022 Vorsitzender im Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes | Bildnachweis: AGV Banken
Die Tarifverhandlungen für die rund 140.000 Beschäftigten der privaten Banken steuern auf eine harte Zerreißprobe zu. Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) hat die zweite Verhandlungsrunde am Montagabend in Frankfurt am Main vorzeitig abgebrochen. Auslöser für den Eklat war das erste konkrete Angebot des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankgewerbes (AGV Banken): Vorgesehen waren Gehaltssteigerungen von insgesamt 4,2 Prozent bei einer überlangen Laufzeit von 36 Monaten bis zum 30. September 2029. Für Nachwuchskräfte und Auszubildende legten die Institute überhaupt kein Angebot vor. Die Gewerkschaftsvertreter wiesen den Vorstoß als unzureichend zurück und sahen keine Basis für weitere Gespräche.
Besonders die zeitliche Staffelung stieß bei der DBV-Tarifkommission auf Unverständnis. Nach den Vorstellungen der Arbeitgeberbanken sollten die Beschäftigten bis Juli 2027 auf eine erste tabellenwirksame Gehaltserhöhung warten – faktisch eine monatelange Nullrunde mitten in einer Phase anhaltend hoher Lebenshaltungskosten.
Der DBV fordert hingegen unverändert ein Gehaltsplus von 9,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten sowie ein monatliches Plus von 160 Euro für Nachwuchskräfte. DBV-Verhandlungsführer Wolfgang Ermann kritisierte den Vorstoß scharf:
„Unsere Tarifkommission ist entsetzt. Die Beschäftigten sollen bis Juli 2027 auf eine tabellenwirksame Erhöhung warten, während die Nachwuchskräfte im ersten Angebot überhaupt nicht vorkommen. Das hat mit Wertschätzung nichts zu tun und wird weder der wirtschaftlichen Lage der Branche noch der täglichen Leistung der Beschäftigten gerecht.“
Mit der angebotenen zweijährigen Laufzeit habe der Verband den Instituten bereits bewusst Planungssicherheit signalisiert – diese dürfe jedoch „kein Rabattmodell“ sein, so Ermann.
Neben den monetären Kernforderungen zeigten sich tiefe Gräben bei den strukturellen Rahmenthemen. Zwar bewegte sich die Arbeitgeberseite bei der Vergütung von Mehrarbeit für Teilzeitbeschäftigte und erkannte die jüngste Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts für das Tarifwerk dem Grunde nach an, konkrete Regelungen blieben jedoch aus. Monika Fachinger aus der DBV-Verhandlungskommission dämpfte entsprechende Hoffnungen:
„Gesprächsbereitschaft ist noch kein Ergebnis. Eine faire und rechtssichere Lösung für Teilzeitbeschäftigte ist überfällig, und auch die Eingruppierung braucht einen verbindlichen Prozess mit einem klaren Ziel.“
Bei weiteren Zukunftsthemen – darunter selbstbestimmte Wahlarbeitszeiten, Altersteilzeit im Gleichverteilungsmodell sowie Schutz- und Qualifizierungsmaßnahmen angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und des Einsatzes generativer KI in den Bankbetrieben – blockten die Arbeitgeber nach DBV-Angaben weitgehend ab. Tarifkommissionsmitglied Alexander Michaut mahnte an, dass Arbeitgeber, die Fachkräfte halten und Nachwuchs gewinnen wollen, über konkrete Entlastungen und Arbeitsbedingungen sprechen müssten, anstatt Forderungen schlicht wegzudiskutieren.
Der frühe Verhandlungsabbruch markiert einen deutlichen Strategiewechsel. Hatte sich der DBV nach der Auftaktrunde noch zurückhaltend gezeigt, um der Arbeitgeberseite einen Vertrauensvorschuss zu gewähren, schaltet die Gewerkschaft nun auf Konfrontation um. Der stellvertretende Verhandlungsführer Matthias Zatcher betonte, für eine Fortsetzung bedürfe es eines Angebots, das die Beschäftigten und das gesamte Forderungspaket ernst nehme.
Die Verhärtung der Fronten gewinnt vor allem vor dem Hintergrund der jüngsten Branchenzahlen an Schärfe: Viele private Institute vermelden dank solider Zinsmargen und starker Quartalsergebnisse robuste Erträge oder gar Rekordgewinne. Dass die Arbeitgeberseite dennoch auf eine dreijährige Niedrigabfederung und späte Erhöhungsschritte pocht, begründen die Institute mit dem zunehmenden Margendruck, unsicheren Konjunkturaussichten und hohen IT-Investitionen. Für die Beschäftigten bedeutet das Arbeitgeberangebot auf Jahresbasis jedoch ein reales Ertragsminus. In den kommenden Tagen beraten die DBV-Gremien über die nächsten Schritte – bleibt ein deutlich nachgebessertes Angebot aus, droht der Tarifkonflikt in den Bankenzentren rasch zu eskalieren.

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