Der DBV fordert in der anstehenden Tarifrunde bis zu drei KI-Entlastungstage pro Quartal. Die Gewerkschaft warnt vor einer massiven Arbeitsverdichtung durch Algorithmen.

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Symbolbild: Frankfurt als Finanzmetropole | Pixabay Nr. 4945405
Der Einzug der Künstlichen Intelligenz (KI) in die Frankfurter Bankentürme ruft nun die Tarifpartner auf den Plan. Wenn am 8. Oktober die Tarifverhandlungen für das private Bankgewerbe beginnen, liegt eine Forderung auf dem Tisch, die den fundamentalen Wandel der Branche treffend illustriert: Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) verlangt für die Beschäftigten bis zu drei „KI-Entlastungstage“ pro Quartal. Die Argumentation der Gewerkschaft legt dabei ein Paradoxon der modernen Arbeitswelt offen. Statt die Belegschaft durch Automatisierung schlicht zu entlasten, sorge der Einsatz intelligenter Software für eine nie gekannte Verdichtung und Komplexität der verbleibenden menschlichen Arbeit.
Die Stoßrichtung des DBV ist eindeutig. Zwar verschließe man sich den technologischen Fortschritten ausdrücklich nicht – schließlich biete Künstliche Intelligenz enorme Potenziale bei der massenhaften Datenauswertung, der Betrugsprävention oder der Vorabprüfung von Dokumenten. Doch genau dieser unbestreitbare Produktivitätsgewinn habe einen direkten Preis für die Belegschaft. Weil der Algorithmus standardisierte Prozesse im Bruchteil einer Sekunde abwickelt, steigt die Taktung der Vorgänge, die letztlich beim menschlichen Sachbearbeiter landen, rasant an. Die Angestellten müssen in derselben Zeit deutlich mehr Ergebnisse verifizieren, komplexe Ausnahmefälle bewerten und Systemfehler korrigieren.
Um dieser Entwicklung einer anspruchsvolleren und psychologisch fordernderen Taktung Rechnung zu tragen, fordert DBV-Verhandlungsführer Wolfgang Ermann einen verbindlichen tariflichen Ausgleich:
"Wo Arbeit dichter, komplexer oder verantwortungsvoller wird, braucht der Betrieb einen Ausgleich."
Konkret sieht das Konzept der Gewerkschaft vor, dass diese Ausgleichstage – gestaffelt nach Art und Schwere der jeweiligen Belastung in den Abteilungen – zwingend im aktuellen Entstehungsquartal genommen werden müssen. Eine Übertragung auf Folgezeiträume ist ausgeschlossen, um eine unmittelbare Regeneration sicherzustellen; auch Teilzeitkräfte sollen anteilig in das Modell einbezogen werden.
Auf Seite der Arbeitgebervertreter der privaten Geldhäuser, zu denen Branchengrößen wie die Deutsche Bank und die Commerzbank zählen, stößt dieser Vorstoß auf erwartbare Ablehnung. Die Idee, den dringend benötigten technologischen Fortschritt faktisch mit zusätzlicher Freizeit zu subventionieren, wurde von der Arbeitgeberseite bereits im Vorfeld der Gespräche als abwegig abmoderiert.
Neben dem innovativen Vorstoß zur Arbeitszeitgestaltung geht der DBV überdies mit robusten finanziellen Forderungen in die anstehende Tarifrunde. Für eine Laufzeit von 24 Monaten verlangt die Gewerkschaft ein Gehaltsplus von satten 9,5 Prozent. Ein Blick auf die interne Stimmungslage der Basis verdeutlicht die hohe Erwartungshaltung der Belegschaften: In einer Verbandsumfrage hielten über 40 Prozent der Befragten sogar zweistellige Zuwachsraten für angemessen, während sich kaum jemand mit einem Abschluss unterhalb der Inflationsrate zufriedengeben wollte.
Wenn die Parteien nun an den Verhandlungstisch treten, verhandeln sie folglich über weit mehr als nur über klassische Prozentsätze. Es geht um die grundlegende Verteilung der Produktivitätsgewinne im digitalen Zeitalter. Für die etablierten Altbanken, die im harten Wettbewerb mit hochautomatisierten Neobrokern und schlanken Fintechs ohnehin unter massivem Kostendruck stehen, dürfte die Forderung nach einem KI-Sonderurlaub eine bittere Pille sein, die den ohnehin schmalen Grat zwischen zwingend notwendiger Digitalisierung und sozialer Verträglichkeit weiter verengt.

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