Vor der Tarifrunde Private Banken untermauert der DBV seine 9,5-Prozent-Forderung mit einer Beschäftigtenumfrage und Rekordgewinnen der Institute.

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Im Vorfeld der am 08. Oktober beginnenden Tarifrunde für das private Bankgewerbe verschärft der Deutsche Bankangestellten-Verband die verbale Auseinandersetzung mit der Arbeitgeberseite. Nachdem der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) die gewerkschaftliche Gehaltsforderung von 9,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten als deutlich zu hoch und angesichts wirtschaftlicher Risiken sowie steigender Insolvenzzahlen als unpassend abgewiesen hatte, legt der DBV nun empirisch nach. Mit den Ergebnissen einer internen Erhebung unter mehr als 2.000 Bankbeschäftigten will die Gewerkschaft demonstrieren, dass die geforderte Einkommensanhebung von einer breiten Basis im Sektor getragen wird (was natürlich wenig verwunderlich sein dürfte).
An der Befragung beteiligten sich nach Verbandsangaben 59,7 Prozent Tarifbeschäftigte, während 32,1 Prozent dem außertariflichen Bereich und 8,2 Prozent tarifangelehnten Modellen angehören. Eine deutliche Mehrheit von 60,7 Prozent der befragten Tarifangestellten hält ein Gehaltsplus von mindestens acht Prozent für angemessen; fast ein Viertel votierte sogar für einen Zuwachs von mehr als zehn Prozent. Bei den gewünschten monatlichen Mindesterhöhungen plädierten 32,2 Prozent für 300 Euro und 30,1 Prozent für 400 Euro.
Gleichzeitig offenbaren die Zahlen jedoch ein strukturelles Durchsetzungsdilemma: Lediglich 24 Prozent der Teilnehmenden erklärten sich bereit, die Forderungen im Zweifel über eine Mitgliedschaft samt aktiver Arbeitsniederlegung durchzusetzen, während 58,6 Prozent Streikmaßnahmen keine Unterstützung signalisierten. Der Verband räumte zudem ein, dass die Erhebung methodisch nicht repräsentativ für sämtliche Angestellten der Branche ist.
Zur rechnerischen Untermauerung seiner Position stützt sich der DBV auf ein Vier-Säulen-Modell, das Daten des Statistischen Bundesamtes, des Sachverständigenrates sowie der aktuellen EZB-Projektionen heranzieht. Demnach mache ein historischer Nachholbedarf seit dem Jahr 2019 bereits 3,5 Prozentpunkte aus, da die allgemeinen Nominallöhne um 22,3 Prozent gestiegen seien, die Tarifeinkommen im privaten Bankgewerbe im selben Zeitraum jedoch nur um 18,8 Prozent zulegten.
Hinzu kommen eine berechnete Kaufkraftlücke von 1,1 Prozentpunkten für das laufende Jahr sowie antizipierte Teuerungsraten von 2,8 Prozent für 2027 und 2,1 Prozent für 2028. Dass der reale Kaufkraftverlust anhält, verdeutlichte der DBV anhand der August-Inflation von 3,1 Prozent, die die seit Juli wirksame tarifliche Anhebung von 2,0 Prozent erneut übertraf.
Den Warnungen der Institute vor zunehmenden makroökonomischen Unsicherheiten setzt der Verband die Bilanzen der großen Branchenvertreter entgegen. So schloss die Deutsche Bank das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Vorsteuergewinn von 9,1 Milliarden Euro ab, was einem Plus von 71 Prozent entspricht. Die Commerzbank steigerte ihr operatives Betriebsergebnis um 18 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro, während die Unicredit Bank (HypoVereinsbank) ihren Vorsteuergewinn um neun Prozent auf 3,04 Milliarden Euro ausbaute.
Vor dem Hintergrund dieser Ertragslage sowie ambitionierter mittelfristiger Zielmarken – etwa Ertragszielen von rund 37 Milliarden Euro bei der Deutschen Bank und einem avisierten Nettoergebnis von 4,2 Milliarden Euro bei der Commerzbank – hält der DBV den Ruf nach strikter Kostendisziplin für unglaubwürdig. Nach Lesart der Gewerkschaft verfügen die Geldhäuser über mehr als ausreichend Spielraum, um die Mitarbeiter angemessen an der Ertragsentwicklung zu beteiligen.
Neben den monetären Kernpunkten fragte die Erhebung auch Präferenzen für alternative Arbeitszeitmodelle ab. Knapp die Hälfte der Befragten zeigte Interesse am Erwerb zusätzlicher Urlaubstage, während sich jeweils rund 38 Prozent für eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 38 oder weniger als 38 Stunden aussprachen.
Die Verbandsführung stellte jedoch unmissverständlich klar, dass Gehaltssteigerungen in den anstehenden Verhandlungen uneingeschränkte Priorität genießen und Arbeitszeitmodelle lediglich als flankierende Optionen fungieren können. Auch die gewerkschaftliche Forderung nach zusätzlichen Ruhetagen für Beschäftigte in Bereichen, die massiv durch Künstliche Intelligenz umstrukturiert werden, dürfte nach der kategorischen Ablehnung durch die Arbeitgeber vorerst in den Hintergrund rücken, während der Verteilungskampf um das Realeinkommen das Verhandlungsgeschehen dominieren wird.

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