Zum Auftakt der Tarifrunde der privaten Banken weisen die Arbeitgeber die Gehaltsforderungen von Verdi und DBV zurück. Verhandlungsführer Lange pocht auf strikte Kostendisziplin.

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Dr. Thomas A. Lange (Jahrgang 1963) ist seit November 2022 Vorsitzender im Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes | Bildnachweis: AGV Banken
Zum Auftakt der Tarifrunde für die privaten Banken haben die Arbeitgeber die umfassenden Forderungspakete der Gewerkschaften Verdi und des Deutschen Bankangestellten-Verbandes (DBV) deutlich zurückgewiesen. In der ersten Verhandlungsrunde appellierte die Arbeitgeberseite daran, die Gespräche angesichts des schwierigen finanzwirtschaftlichen Umfelds nicht mit einer Vielzahl komplexer Themen zu überfrachten, sondern sich auf die reine Gehaltsfrage zu konzentrieren. Die Gewerkschaften fordern signifikante Gehaltssteigerungen. Während Verdi ein Plus von 6,0 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten anstrebt, verlangt der DBV 9,5 Prozent mehr Geld für eine Laufzeit von 24 Monaten.
Aus Sicht der Banken-Arbeitgeber sind diese Gehaltsvorstellungen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht umsetzbar. Trotz zuletzt guter Geschäftsergebnisse der privaten Institute stünden die deutsche Wirtschaft und die Kreditwirtschaft massiv unter Druck. Die Arbeitgebervertreter verweisen auf den höchsten Stand an Unternehmensinsolvenzen seit über zehn Jahren, was das Kreditgeschäft substanziell belaste und sich seit Ende Juni in einer deutlich erhöhten Risikovorsorge niederschlage. Zudem erforderten wachsende IT-Risiken enorme Investitionen, die einen Großteil der erwirtschafteten Gewinne aufzehrten. Gleichzeitig zwinge die fortschreitende Konsolidierung in Verbindung mit digitaler Automatisierung zu weiteren personellen Anpassungen.
Dr. Thomas A. Lange, Verhandlungsführer der Banken-Arbeitgeber, formulierte die Position seiner Seite deutlich:
"In unsicheren Zeiten brauchen wir im Rahmen unserer Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften eine pragmatische Tarifpolitik, die Sicherheit schafft. Für alle Beteiligten."
Das bestehende tarifpolitische Rahmenwerk zur Bewältigung tiefgreifender Transformationsphasen habe sich bewährt, weitergehende Regelungen müssten den Unternehmen überlassen bleiben. Bezüglich der finanziellen Forderungen ergänzte er:
"Wir sind selbstverständlich zu einem fairen Ausgleich zwischen den Interessen unserer Beschäftigten und unseren Unternehmen bereit. Aber wir dürfen in der Gehaltsfrage, auch mit Blick auf die Sicherung von Arbeitsplätzen, nicht überziehen. Wir müssen Maß und Mitte halten."
Forderungen dürften laut Lange den Realitätsbezug nicht verlieren und zu keiner Überforderung der Unternehmen führen.
Auch die von den Gewerkschaften geforderten weitreichenden Regelungen zur Transformation stoßen bei den Arbeitgebern auf strikte Ablehnung. Diese Forderungen reichen von einer pauschalen Beschäftigungssicherung über Qualifizierungsmaßnahmen bis hin zu Entlastungstagen bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI). Die Arbeitgeber stellten klar, dass sie grundsätzlich nicht bereit seien, auf Verbandsebene verschärfte Kündigungsschutzregelungen zu verhandeln. Passgenaue Qualifizierungen fänden zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Anforderungen ohnehin laufend in den Unternehmen statt, und der Einsatz von KI werde von den Beschäftigten durchweg als unterstützend und arbeitsentlastend empfunden. Lange kommentierte diesen Vorstoß unmissverständlich: „Als verantwortungsvolle Arbeitgeber sind wir immer zum Dialog über Veränderungen bereit. Unsere Tür steht offen. Aber für Transformationsprozesse brauchen unsere Unternehmen keine tarifliche Nachhilfe.“
Mit Unverständnis reagierte die Arbeitgeberseite auf die Forderung nach einem einseitigen Anspruch der Beschäftigten, Gehalt in bis zu 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr umzuwandeln. Ein solcher Schritt entspreche faktisch einer Arbeitszeitverkürzung von fast zehn Prozent und mache jede seriöse Personalplanung unmöglich. Die daraus resultierenden Kapazitätsengpässe würden entweder zu unzumutbaren Mehrbelastungen für die verbleibenden Teams oder zu massiv erhöhten Personalkosten führen, was beides nicht im Interesse der Beteiligten sein könne. Die Verhandlungen über den neuen Tarifvertrag werden am 2. November 2026 in Frankfurt am Main fortgesetzt.

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