Bilanzstärke trifft auf personellen Umbruch: Die Fürstlich Castell’sche Bank stellt die Weichen für die Zukunft

Die Fürstlich Castell’sche Bank meldet für 2025 einen Gewinn von 12,3 Mio. Euro und eine starke Kapitalquote von 22,6 %. Zum 1. Juni 2026 rückt Marcel Dick als Nachfolger von Stephan Wycisk in den Vorstand auf.

Harry Dörsam

Ein Beitrag von

Harry Dörsam

Veröffentlicht am

23.4.26

um

15:58

Uhr

Bilanzstärke trifft auf personellen Umbruch: Die Fürstlich Castell’sche Bank stellt die Weichen für die Zukunft

Bildnachweis:

Fürstlich Castell'sche Bank

Die Fürstlich Castell’sche Bank hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem beachtlichen Ergebnis abgeschlossen und nutzt diese Phase der finanziellen Stabilität für eine weitreichende personelle sowie strategische Neuausrichtung. Während das Traditionshaus einen Jahresüberschuss von 12,3 Millionen Euro ausweist, steht das laufende Jahr 2026 ganz im Zeichen eines geplanten Wechsels im Vorstand. Zum 1. Juni 2026 wird Marcel Dick das Zepter von Stephan Wycisk übernehmen. Mit dieser Entscheidung verbindet das Institut operative Kontinuität mit dem klaren Anspruch, die Transformation zur „digitalen Privatbank“ entschlossen voranzutreiben.

Das Zahlenwerk 2025: Strategische Weitsicht in der Bilanz

Trotz eines herausfordernden Marktumfelds und bewusster investiver Entscheidungen präsentiert sich das Zahlenwerk der Bank äußerst stabil. Die operativen Erlöse beliefen sich auf insgesamt 49,4 Millionen Euro. Ein genauer Blick auf die Gewinn- und Verlustrechnung offenbart dabei eine interessante taktische Manövrierung der Geschäftsführung. Das Zinsergebnis lag mit 17,5 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert von 21,8 Millionen Euro, was jedoch auf eine bewusste Entscheidung zurückzuführen ist. Die Bank hielt Liquidität bei der Bundesbank vor, um flexibel auf künftige Zinsentwicklungen reagieren zu können und Wertberichtigungen im Aktivgeschäft zu vermeiden.

Im Gegensatz dazu verzeichnete das Haus beim Provisionsüberschuss einen erfreulichen Anstieg auf 15,1 Millionen Euro. Maßgeblich hierfür war die starke Performance der Castell-Publikumsfonds, die nicht nur Volumen anzogen, sondern auch Performance-Fees generierten. Ein verlässlicher Ertragsanker bleibt zudem die 50-Prozent-Beteiligung an der MLF Mercator-Leasing, die erneut 16,8 Millionen Euro zum Gesamtergebnis beisteuerte. Besonders hervorzuheben ist die Kapitalausstattung: Die harte Kernkapitalquote kletterte nach Anwendung der neuen CRR-III-Regeln auf 22,6%. Dieser Wert liegt weit über den regulatorischen Anforderungen und zementiert die Unabhängigkeit des Hauses.

Der Vorstandswechsel: Marcel Dick übernimmt das operative Ruder

Parallel zur Veröffentlichung der Bilanz gab die Bank eine entscheidende personelle Veränderung bekannt. Ab dem 1. Juni 2026 rückt Marcel Dick (45) in den Vorstand auf. Die Ernennung des gelernten Privatbankers, der zuvor bei internationalen Schwergewichten wie der UBS und Credit Suisse tätig war, ist ein deutliches Signal für die interne Talentförderung. Dick begleitete die Bank bereits seit 2021 als Generalbevollmächtigter für das Private Banking und das Firmenkundengeschäft und kennt die internen Strukturen sowie die Kundenbasis aus erster Hand.

Er tritt die Nachfolge von Stephan Wycisk (54) an, der das Haus nach fünf Jahren auf eigenen Wunsch und im besten gegenseitigen Einvernehmen verlässt. Wycisk hatte seit seinem Wechsel von Oddo BHF im Jahr 2021 als Marktfolgevorstand die Bereiche Risikomanagement, Finanzen und IT verantwortet. Damit legte er die technische und regulatorische Basis für die aktuelle Digitalisierungsoffensive der Bank. Aufsichtsratschef Dr. Christoph Schücking betonte, dass Wycisk einen wesentlichen Beitrag in einer anspruchsvollen Zeit geleistet habe, während Marcel Dick nun den ambitionierten Weg der Bank erfolgreich mitgestalten werde.

Strategischer Ausblick: Von Unterfranken in die digitale Welt

Ein Kernpunkt der Strategie bleibt der Wandel vom regionalen Institut hin zu einem bundesweit agierenden Anbieter. Der erfolgreiche Start der Plattform NeoPrivatbank zeigt bereits erste Erfolge, denn die Kundeneinlagen stiegen im abgelaufenen Jahr um 20% auf rund 1,15 Milliarden Euro. Dieser Zufluss belegt das Vertrauen der Kunden in das Konzept „Digital mit Service“. Trotz Investitionen von über 3 Millionen Euro in die IT und die neue Marke blieben die Verwaltungsaufwendungen mit 36,7 Millionen Euro unter Kontrolle.

Für das laufende Jahr 2026 rechnet die Bank mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau. Die Investitionen sollen künftig vor allem in das Beratungscenter DialogFiliale fließen, um den persönlichen Service auch für digitale Kunden sicherzustellen. Mit dem neuen Vorstand Marcel Dick und einer soliden Eigenkapitalbasis im Rücken sieht sich das Traditionshaus bestens gerüstet, um die nächste Generation von Kunden für eine wertebasierte Vermögensverwaltung zu gewinnen.

Ähnliche Beiträge