ING Deutschland schaltet Wero für Onlinezahlungen frei

Die ING Deutschland schaltet Wero für Onlinezahlungen frei. Mit Partnern wie Lidl und IKEA etabliert sich das System zunehmend als souveräne, europäische Antwort auf US-Zahlungsdienste im E-Commerce.

Anja Amend

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Anja Amend

Veröffentlicht am

3.6.26

um

14:05

Uhr

ING Deutschland schaltet Wero für Onlinezahlungen frei

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Wero

Die ING Deutschland baut den Funktionsumfang des europäischen Bezahlsystems Wero maßgeblich aus und schaltet den Dienst ab dem 3. Juni 2026 für den E-Commerce frei. Kundinnen und Kunden der Bank können die Anwendung damit nicht mehr nur für Überweisungen zwischen Privatpersonen nutzen, sondern auch für reguläre Online-Einkäufe. Mit diesem Schritt in den digitalen Handel vollzieht Wero einen entscheidenden Entwicklungssprung und positioniert sich zunehmend als ernstzunehmende, europäische Alternative zu etablierten US-Dominatoren.

Die geopolitische Dimension: Europas Streben nach finanzieller Souveränität

Die strategische Tragweite dieser Neuerung für den europäischen Zahlungsverkehr geht weit über rein technische Aspekte hinaus und besitzt eine handfeste geopolitische Dimension. In einer Zeit zunehmend fragmentierter Weltmärkte und globaler Spannungen rückt die wirtschaftliche Resilienz Europas verstärkt in den Fokus. Bislang wird der digitale Zahlungsverkehr auf dem Kontinent massiv von US-amerikanischen Großkonzernen wie PayPal, Mastercard, Visa sowie den Tech-Giganten Apple und Google dominiert.

Diese extreme Abhängigkeit von nicht-europäischer Infrastruktur birgt erhebliche Risiken. Im Falle von handelspolitischen Konflikten, Sanktionen oder geopolitischen Krisen könnten ausländische Zahlungssysteme theoretisch als politisches Druckmittel eingesetzt oder eingeschränkt werden. Wero, als zentrales Projekt der European Payments Initiative (EPI), tritt mit dem klaren strategischen Auftrag an, Europa aus dieser Abhängigkeit zu befreien. Es geht um den Aufbau eines souveränen, krisenfesten Zahlungsnetzwerks. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Datenhoheit: Bei Wero verbleiben die sensiblen Transaktionsdaten der Bürgerinnen und Bürger auf europäischen Servern, unterliegen vollständig den strengen EU-Datenschutzstandards und werden nicht von internationalen Drittanbietern kommerzialisiert.

Direkte Zahlungsabwicklung im Handel ohne Umwege

Während die bisherige Funktion der Echtzeitüberweisungen zwischen Freunden und Familie in erster Linie ein wichtiger Testlauf zur Nutzergewöhnung war, gilt die Freischaltung für den gewerblichen Handel als der eigentliche Lackmustest für das System. Im Gegensatz zu klassischen Wallets können Nutzer ihre Einkäufe fortan direkt aus ihrem Girokonto heraus bezahlen, ohne dass ein Drittanbieter oder ein zwischengeschaltetes Konto benötigt wird. Die Transaktionen erfolgen in der Regel in Echtzeit innerhalb von zehn Sekunden.

Beim Online-Shopping ist die Bezahlung mit Wero bereits bei namhaften Anbietern wie Eventim möglich. Mit IKEA Deutschland und dem Lidl Online Shop sollen zeitnah weitere enorm reichweitenstarke Partner folgen. Dadurch wird künftig sichergestellt, dass auch die Einkäufe des täglichen Bedarfs lückenlos mit dem neuen europäischen System abgewickelt werden können.

Hohe Aktivierungsquoten und vereinfachte Anmeldung

Um das Wachstum weiter zu forcieren und mögliche Hürden abzubauen, hat die ING den Onboarding-Prozess für Neukunden strukturell optimiert. Die Produktbedingungen für Wero wurden fest in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für Girokonten integriert. Dadurch wird die formelle Zustimmung zur Nutzung bei einer Kontoeröffnung künftig automatisch erteilt, was die Aktivierung für neue Nutzer erheblich beschleunigt.

"Wero ist für uns ein zentraler Bestandteil unseres Girokontos, denn es ermöglicht unseren Kundinnen und Kunden Wahlfreiheit bei täglichen Zahlungsvorgängen. Aktuell haben bereits gut 600.000 unserer Kundinnen und Kunden Wero für Zahlungen im privaten Umfeld aktiviert. Das sind rund 15 Prozent unserer Girokontoinhaber – damit haben wir eine der höchsten Aktivierungsraten im deutschen Markt. Die Möglichkeit, künftig damit auch online bezahlen zu können, wird die Akzeptanz deutlich erhöhen."

Das erklärt Burcu Civelek Yüce, Head of Private Individuals bei der ING in Deutschland. Auch auf überregionaler Ebene wird der Vorstoß der ING als wichtiger Impuls für die länderübergreifend geplante Expansion gewertet.

Martina Weimert, Geschäftsführerin der Europäischen Zahlungsinitiative (EPI), ordnet die Entwicklung ein:

"Wir freuen uns sehr über die Beschleunigung unseres Go-to-Market-Ansatzes bei Verbrauchern und Händlern in Deutschland. Der Start der Geschäftszahlungen durch die ING Deutschland ist hierfür ein perfektes Beispiel. Nach dem erfolgreichen Launch von Zahlungen zwischen Privatpersonen im vergangenen Jahr ermöglicht die ING ihren Kunden ab sofort, Online-Einkäufe in Deutschland sowie seit März in Belgien mit Wero zu tätigen".

Ausblick: Der Weg zum flächendeckenden europäischen Standard

Die Einführung der E-Commerce-Zahlungen bei der ING Deutschland markiert einen entscheidenden Meilenstein, stellt jedoch erst den Anfang einer wesentlich breiteren europäischen Roadmap dar. In den kommenden Monaten wird sich der Fokus der EPI darauf richten, das System konsequent über nationale Grenzen hinweg auszurollen – beginnend mit Frankreich sowie der Migration bestehender Lösungen in den Benelux-Staaten.

Der nächste logische und gleichzeitig komplexeste Entwicklungsschritt wird die Einführung von Wero am Point of Sale (POS) sein. Sobald Verbraucherinnen und Verbraucher in der Lage sind, ihre Einkäufe nicht nur im Internet, sondern auch im stationären Handel direkt an der Supermarktkasse per Smartphone über Wero abzuwickeln, schließt sich der Kreis. Erst dann wird die European Payments Initiative ihr volles Potenzial entfalten und als universelle, geopolitisch unabhängige Alltags-Alternative im hart umkämpften Markt der Zahlungsdienstleister bestehen können.

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