Die Unicredit treibt die Übernahme der Commerzbank voran und hält nun über 34 Prozent der Anteile. Während sich das Frankfurter Management wehrt, hofft die Konkurrenz auf neue Kunden.

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Der Mailänder Finanzkonzern Unicredit hat im Ringen um die Commerzbank einen wichtigen Meilenstein erreicht. Durch das laufende Übernahmeangebot kletterte der Anteil der Italiener deutlich über die strategisch bedeutsame Schwelle von 30 Prozent. Konkret haben Investoren der Frankfurter Bank weitere 7,58 Prozent des Grundkapitals angedient. In Kombination mit dem bisherigen Aktienpaket in Höhe von 26,77 Prozent summiert sich der Zugriff der Unicredit nun rechnerisch auf 34,35 Prozent.
Hinter diesem schrittweisen Vorgehen steckt ein klares Kalkül. Da die Italiener im Mai eine freiwillige Offerte vorgelegt haben, umgehen sie die Vorschrift, ein kostspieliges Pflichtangebot für sämtliche Papiere abgeben zu müssen. Anleger erhalten bei Annahme kein Bargeld, sondern 0,485 Unicredit-Aktien für jeden Commerzbank-Anteil. Bemerkenswert dabei ist, dass dieser Tauschwert aktuell unter dem regulären Börsenkurs der Commerzbank liegt.
Gleichzeitig hält sich das Management um Unicredit-Chef Andrea Orcel alle Optionen offen. Das Institut verfügt über weitere Finanzinstrumente zur Aufstockung und kann die eigentlich Mitte Juni auslaufende Annahmefrist problemlos bis zum 3. Juli verlängern. Orcel, der im Herbst 2024 massiv über Bundesanteile bei der zweitgrößten deutschen Privatbank eingestiegen war, lockt Investoren mit der Aussicht auf immense Kostensenkungen durch eine Fusion mit der deutschen Tochter Hypovereinsbank.
In der Zentrale der Commerzbank stößt die ungewollte Annäherung auf eine geschlossene Abwehrfront. Die Belegschaft, der Betriebsrat und das Management wehren sich vehement gegen die Pläne. Auf der jüngsten Hauptversammlung warnte die Führungsspitze ihre Anteilseigner eindringlich vor einem Verkauf.
Vorstandschefin Bettina Orlopp machte ihre Position unmissverständlich klar:
„Der Plan, den die Unicredit vorgelegt hat, ist vage, birgt erhebliche Risiken und bietet kaum Wertsteigerungspotenzial.“
In eine ähnliche Kerbe schlug Aufsichtsratschef Jens Weidmann. Er warf der Mailänder Führung vor, durch Alleingänge und eine irreführende Informationspolitik jegliche Vertrauensbasis zerstört zu haben. Aufseiten der Arbeitnehmervertreter wächst derweil die Angst vor einem massiven Stellenabbau von bis zu 23.000 Arbeitsplätzen.
Der zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Frederik Werning urteilte hart über den Unicredit-Chef:
„Für uns ist ganz klar: Wir können diesem Mann nicht trauen.“
Während die Commerzbank um ihre Eigenständigkeit kämpft, bringen sich andere Akteure des deutschen Finanzmarktes in Stellung. Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) geht davon aus, dass Institute wie die Landes- und Förderbanken gestärkt aus der Situation hervorgehen könnten.
Thomas Groß, VÖB-Präsident und Vorstandsvorsitzender der Helaba, sieht die Entwicklungen als Chance: „Fusionen bieten immer auch Chancen für die Konkurrenz. Wenn es Verunsicherung und interne Diskussionen bei einem Wettbewerber gibt, profitieren andere Banken davon: im Kundengeschäft genauso wie bei der Rekrutierung von Mitarbeitern. Sollte es zu einem großen Zusammenschluss kommen, ergäben sich weitere Möglichkeiten für alle anderen im Markt tätigen Banken, auch für die öffentlichen Institute.“ Negative Auswirkungen auf die Kreditversorgung in Deutschland befürchtet er nicht.

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