BaFin greift bei Berenberg durch: komplette Geschäftsführung abgesetzt

Paukenschlag im Private Banking: Die BaFin entzieht der Berenberg-Führung die Befugnisse. Ex-Chef Hans-Walter Peters übernimmt als Sonderbeauftragter.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

20.6.26

um

11:25

Uhr

BaFin greift bei Berenberg durch: komplette Geschäftsführung abgesetzt

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Berenberg (Standort Frankfurt)

In der deutschen Privatbankenlandschaft hat sich ein nahezu beispielloser regulatorischer Eingriff vollzogen. Die Finanzaufsicht BaFin hat mit sofortiger Wirkung die Befugnisse der drei Geschäftsleitungsmitglieder der Hamburger Traditionsbank Berenberg suspendiert. Betroffen von diesem drastischen Schritt sind die persönlich haftenden Gesellschafter Hendrik Riehmer, David Mortlock und Christian Kühn. Als Konsequenz dieser Eskalation übernehmen ab sofort zwei von der Aufsicht eingesetzte Sonderbeauftragte das operative Ruder bei Deutschlands ältester Privatbank.

Auslöser für das radikale Einschreiten der Bonner Aufseher sind mutmaßliche Verfehlungen innerhalb der Bankführung. Während der laufenden Jahresabschlussprüfung für das Geschäftsjahr 2025 ergaben sich konkrete Hinweise auf mögliche Verstöße gegen die internen Corporate-Governance-Regeln. Das Institut räumte ein, dass dies insbesondere bestimmte Markttransaktionen mit unklarem Hintergrund betraf, bei deren Aufklärung die nötige Transparenz fehlte.

An die Spitze des Instituts kehrt nun ein in der Branche bestens bekannter Top-Banker zurück. Hans-Walter Peters, der frühere langjährige Chef und spätere Verwaltungsratsvorsitzende von Berenberg sowie ehemalige Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), wurde von der Bafin als Sonderbeauftragter für die Geschäftsleitung eingesetzt. Unterstützt wird er von Michael Horf, dem ehemaligen Vorstand der Degussa Bank.

Schadensbegrenzung im laufenden Kundengeschäft

Der neu eingesetzte Interims-Chef Peters bemühte sich umgehend um Schadensbegrenzung, um das Vertrauen der anspruchsvollen Klientel im Wealth Management und Corporate Banking zu sichern. Peters betonte, dass der Schritt notwendig gewesen sei, da absolute Integrität für Berenberg einen zentralen Wert darstelle. Er stellte zudem klar, dass das Kundengeschäft von den in Rede stehenden Vorgängen nicht berührt war und keine Kunden zu Schaden gekommen seien.

Trotz der personellen Turbulenzen und der tiefen Governance-Krise scheint das operative Fundament der Bank intakt zu sein. Peters zufolge rechnet die Bank für 2025 mit einem positiven Jahresergebnis von rund 20 Millionen Euro; das erste Halbjahr 2026 dürfte mit einem Ergebnis von rund 40 Millionen Euro abschließen.

Markteinschätzung: Warum das Bafin-Schwert historisch scharf ist

Für den gesamten deutschen Bankensektor ist dieser Vorgang weit mehr als eine personelle Absetzung: es ist ein nahezu beispielloser historischer Präzedenzfall. Das Kreditwesengesetz (KWG) räumt der BaFin zwar weitreichende Befugnisse ein, um die Zuverlässigkeit und fachliche Eignung von Bankmanagern zu sichern, doch in der Praxis nutzt die Behörde eine fein austarierte Eskalationsleiter. Formelle Verwarnungen, Geldbußen oder das sanfte Drängen im Hintergrund auf eine Abberufung durch den Aufsichtsrat sind die Regel. Eine per sofortigem Verwaltungsakt erzwungene Suspendierung einer gesamten aktiven Führungsmannschaft galt in der Branche bislang als nahezu undenkbar.

Zwar greift die Aufsicht bei akuten Insolvenzszenarien oder kriminellen Strukturen zu harten Moratorien, wie beim Kollaps der Greensill Bank, doch der Fall Berenberg liegt fundamental anders. Hier wird ein hochgradig profitables, systemrelevantes Traditionshaus der deutschen Wealth-Management-Szene im laufenden Betrieb seiner Führung "beraubt". Dass Sonderbeauftragte wie Peters und Horf nicht nur zur Überwachung, sondern als direkte, vollumfängliche operative Leiter eingesetzt werden, sprengt die bisherige Aufsichtspraxis (zumindest den Standard). Zuletzt gab es ein ähnliches Szenario in kleinerem Rahmen bei der Volksbank Düsseldorf-Neuss, wo Vorstände nach Skandalen durch Sonderbeauftragte ersetzt wurden. Ein Eingriff dieser Dimension bei einer namhaften Großprivatbank ist jedoch nahezu ohne Beispiel.

Der Reputationsschaden für das Hamburger Traditionshaus, das im B2B-Geschäft und im gehobenen Segment auf hanseatische Diskretion und absolute Verlässlichkeit setzt, wiegt schwer. In Finanzkreisen wird bereits spekuliert, dass die Anteile der bisherigen Führung an der Bank möglicherweise bald auf den Markt kommen könnten, allerdings fehlen dazu im aktuellen Stadium hinreichende Belege. Für das neue Führungsduo steht die restlose und transparente Aufklärung der unkorrekten Buchungen im Eigenhandel nun an erster Stelle. Im engen Wettbewerb um institutionelle Mandate und große Familienvermögen wiegen Vorwürfe mangelnder Transparenz in der Corporate Governance oft schwerer als die stabilen Millionengewinne, die Peters für das laufende Jahr prognostiziert.

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