Die BaFin reduziert den Regulierungsaufwand für kleine Banken. Erfahren Sie alles über die Erleichterungen beim Risikomanagement und bei Stresstests sowie die Strategie von Nikolas Speer.

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Kai Hartmann Photography | BaFin
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin leitet eine Kehrtwende in ihrer Regulierungspolitik ein und verspricht kleinen sowie mittelgroßen Kreditinstituten spürbare Erleichterungen. Unter dem Schlagwort „Eigenverantwortung statt Händchenhalten“ signalisierte Nikolas Speer, der oberste Bankenaufseher der Behörde, auf einem Bundesbank-Symposium in Frankfurt eine deutliche Reduzierung der bürokratischen Lasten. Damit reagiert die Aufsicht auf die seit Jahren wachsende Kritik, dass regionale Institute durch eine Flut an detaillierten Vorschriften überproportional belastet werden, ohne dass dies die Stabilität des Finanzsystems nennenswert erhöhe.
Im Kern geht es der BaFin darum, die Verhältnismäßigkeit der Mittel wiederherzustellen. In der Vergangenheit mussten oft auch kleinste Genossenschaftsbanken oder Sparkassen ähnliche Anforderungen im Risikomanagement erfüllen wie internationale Großbanken. Nikolas Speer räumte ein, dass die Menge und Granularität der Regeln ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit dem tatsächlichen Schutzeffekt korrelieren. Wer sich täglich durch die komplexen Regelwerke arbeiten müsse, könne zu Recht den Eindruck gewinnen, dass die Vorgaben in den vergangenen Jahren über das Ziel hinausgeschossen seien.
Die angekündigten Erleichterungen betreffen primär zwei zentrale Säulen der Bankenaufsicht: die Anforderungen an das interne Risikomanagement und die Durchführung von Stresstests. Für kleinere Institute soll der administrative Aufwand erheblich gesenkt werden, indem die BaFin auf hochkomplexe Detailvorgaben verzichtet und stattdessen stärker auf die Eigenverantwortung der Vorstände setzt. Das Ziel ist eine Aufsicht, die sich auf die wesentlichen Risiken konzentriert, anstatt jeden operativen Einzelschritt durch granulare Vorschriften vorzugeben.
Besonders bei den Stresstests, die für viele kleinere Banken eine enorme personelle und zeitliche Belastung darstellen, will die Behörde den Rotstift ansetzen. Die Szenarien und Datenabfragen sollen künftig weniger umfangreich ausfallen, da von diesen Instituten – im Gegensatz zu systemrelevanten Großbanken – ein deutlich geringeres Risiko für die Stabilität des gesamten Finanzmarktes ausgeht. Diese Differenzierung soll es den Regionalbanken ermöglichen, ihre Ressourcen wieder stärker auf ihr Kerngeschäft, die Kreditversorgung des Mittelstands und privater Kunden, zu fokussieren.
Hinter diesem Vorstoß steht die Erkenntnis, dass eine zu starre Regulierung den Strukturwandel im Bankensektor ungewollt beschleunigen kann. Wenn die Kosten für Compliance und Aufsicht für kleine Häuser untragbar werden, bleibt oft nur die Fusion als Ausweg. Mit der neuen Strategie der „schlankeren Aufsicht“ sendet die BaFin ein deutliches Signal für den Erhalt der mittelständisch geprägten Bankenlandschaft in Deutschland.
Die Umsetzung dieser Pläne wird in Branchenkreisen als überfälliger Befreiungsschlag gewertet. Dennoch bleibt abzuwarten, wie schnell und in welcher Tiefe die bürokratischen Hürden tatsächlich fallen. Für die Institute bedeutet der neue Kurs zwar weniger „Händchenhalten“ durch die Behörde, im Gegenzug aber auch eine höhere Verantwortung für die Qualität der eigenen Kontrollsysteme. Die BaFin macht damit klar: Weniger Regeln bedeuten nicht weniger Wachsamkeit, sondern eine klügere Verteilung der Aufsichtsressourcen.

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