Commerzbank kündigt den Abbau von 3000 weiteren Stellen an, um die Übernahme durch UniCredit abzuwehren. Erfahren Sie alles über die neuen Gewinnziele für 2030 und den Widerstand aus Berlin.

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Commerzbank AG
Die Frankfurter Commerzbank geht im Ringen um ihre Eigenständigkeit in die Offensive und setzt auf eine drastische Verschärfung ihrer Effizienzziele. Um den Übernahmeambitionen der italienischen UniCredit entgegenzuwirken, kündigte das Management den Abbau von weiteren 3000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2030 an.
Dieser Schritt erfolgt zusätzlich zu dem bereits im Februar 2025 beschlossenen Streichkonzept von 3900 Stellen und soll das Institut finanziell so attraktiv machen, dass ein Verkauf an die Mailänder Konkurrenz für die Aktionäre an Reiz verliert. Gleichzeitig plant die Bank jedoch, in strategischen Wachstums- und Zukunftsfeldern gezielt neue Kapazitäten aufzubauen, um den Konzern modern für die nächste Dekade aufzustellen.
Die Strategie ist eine direkte Reaktion auf die öffentliche Kritik von UniCredit-Chef Andrea Orcel, der der Commerzbank wiederholt eine unterdurchschnittliche operative Leistung vorgeworfen hatte. Mit dem nun vorgelegten Plan will die Bankführung beweisen, dass sie aus eigener Kraft in der Lage ist, den Nettogewinn massiv zu steigern und die Renditeerwartungen der Investoren zu erfüllen. Das Ziel ist klar definiert: Die Unabhängigkeit soll durch nackte Zahlen untermauert werden.
Die aktuellen Geschäftszahlen geben dem Frankfurter Management vorerst Rückenwind. Im ersten Quartal 2026 konnte die Commerzbank ihren Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 10 Prozent auf 913 Millionen Euro steigern. Auch das operative Ergebnis übertraf mit 1,36 Milliarden Euro die Erwartungen der Analysten deutlich. Dieser positive Trend soll sich nach dem Willen der Bankführung verstetigen und sogar beschleunigen.
Für das laufende Jahr 2026 rechnet die Bank nun mit einem Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro, was eine Anhebung der bisherigen Prognose um 200 Millionen Euro bedeutet. Doch die eigentliche Ambition liegt in der langfristigen Planung. Bis zum Jahr 2028 soll das Ergebnis auf 4,6 Milliarden Euro anwachsen, bevor im Jahr 2030 die Marke von 5,9 Milliarden Euro unter dem Strich stehen soll. Diese ehrgeizigen Kennzahlen sollen den Aktionären signalisieren, dass die Commerzbank unter eigener Regie wertvoller ist als unter dem Dach der UniCredit.
Das Duell zwischen Frankfurt und Mailand hat längst eine politische Dimension erreicht. Während Andrea Orcel das Überleben der Commerzbank mittelfristig nur durch eine Neuausrichtung unter seiner Führung gesichert sieht, erfährt das Commerzbank-Management Unterstützung von höchster Stelle. Die Bundesregierung, die nach der Rettung in der Finanzkrise immer noch rund 12 Prozent der Anteile hält, lehnt eine feindliche Übernahme ab. Auch innerhalb der Bank herrscht Einigkeit: Management, Betriebsrat und Belegschaft wehren sich seit Monaten gegen das Vorgehen der Italiener, das sie als feindliches Taktieren bezeichnen.
Die UniCredit kontrolliert derzeit bereits knapp 30 Prozent der Anteile und bereitet für die kommenden Wochen ein Tauschangebot vor, um ihren Einfluss weiter auszubauen. Dass die Italiener im ersten Quartal 2026 mit 3,2 Milliarden Euro den höchsten Quartalsgewinn ihrer Geschichte verbuchten, verleiht ihren Argumenten einer überlegenen operativen Effizienz zwar Gewicht, erhöht aber gleichzeitig den Druck auf die Commerzbank, ihren angekündigten Sparkurs ohne Verzögerung umzusetzen. Der Stellenabbau ist somit nicht nur eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, sondern eine politische Überlebensstrategie.

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