Vivids Zins-Hammer für Startups: 100.000 Kunden und die Attacke auf das globale Treasury

Vivid knackt die Marke von 100.000 KMU-Kunden und setzt mit Zinsen von bis zu 5 % auf USD und GBP ein fettes Ausrufezeichen im Markt. Mit der neuen Web-Plattform und erweiterten Treasury-Tools mutiert die Neobank zum kompletten „Financial Operating System“ für internationale Gründer und fordert die etablierte Konkurrenz frontal heraus.

Anja Amend

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Anja Amend

Veröffentlicht am

6.3.26

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6:55

Uhr

Vivids Zins-Hammer für Startups: 100.000 Kunden und die Attacke auf das globale Treasury

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Vivid Money

Vivid Money hat in weniger als zwei Jahren das geschafft, wofür traditionelle Institute oft Jahrzehnte brauchen: Über 100.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vertrauen mittlerweile der Berliner Finanzplattform, was Vivid zu einem der am schnellsten wachsenden Akteure im europäischen Fintech-Sektor macht.

Doch anstatt sich auf diesem Meilenstein auszuruhen, zündet das Unternehmen am 5. März 2026 die nächste Stufe seiner Expansionsrakete. Mit einer aggressiven Ausweitung des Cash-Management-Angebots zielt Vivid punktgenau auf die Schmerzpunkte international agierender Startups und Fintechs, die in einem selektiven Kapitalmarktumfeld um jeden Monat zusätzliche „Runway“ kämpfen.

Die Dollar-Offensive: Liquidität als strategische Waffe

Das Herzstück der neuen Offensive ist eine im Markt bisher einzigartige Verzinsung von Fremdwährungsguthaben direkt im Geschäftskonto. In einer Welt, in der rund 60 % der Investitionen in europäische Startups von internationalen Geldgebern stammen, liegen Milliardenbeträge oft ungenutzt in US-Dollar auf den Konten.

Vivid bietet hier nun einen massiven Anreiz: Geschäftskunden erhalten ab sofort bis zu 5 % p.a. auf Guthaben in USD und GBP für einen Zeitraum von fünf Monaten. Auch Euro-Guthaben werden mit bis zu 4 % p.a. für vier Monate verzinst, bevor der Satz auf bis zu 2 % p.a. übergeht. Esmond Berkhout, CEO von Vivid Money B.V. und verantwortlich für das Treasury, unterstreicht die Notwendigkeit dieser Effizienz:

„Kapital aufzunehmen ist nur ein Teil des Erfolgs. Entscheidend ist, dieses effizient zu steuern. Mit unseren Multi-Währungs-Zinskonten können Startups operative Guthaben direkt im Geschäftskonto vermehren und flexibel für internationale Zahlungen einsetzen“.
Esmond Berthout
Esmond Berkhout, CEO der Vivid Money B.V. und verantwortliche für das Treasury

Vom Banking-Tool zum Financial Operating System

Parallel zum Zins-Hammer bohrt Vivid sein Treasury-Angebot massiv auf und integriert über 100 zusätzliche Investment-Assets, darunter ETFs und Geldmarktfonds, direkt in die Plattform. Damit einher geht ein strategischer Schwenk in der Benutzeroberfläche: Erstmals ist die vollständige Treasury-Funktion auch im Webbrowser verfügbar, inklusive detaillierter Grafiken, interaktiver Analysen und Statistiken.

Dieser Schritt trägt der Tatsache Rechnung, dass professionelles Liquiditätsmanagement mehr Raum benötigt als ein Smartphone-Display. Alexander Emeshev, Mitgründer von Vivid, sieht darin die logische Evolution des Unternehmens:

„Startups arbeiten heute von Beginn an international. Deshalb sollte ihre Finanzinfrastruktur genau das widerspiegeln. Wir verbinden Banking und Treasury in einer Plattform, damit Liquiditätsmanagement Teil des Systems ist und kein zusätzlicher Prozess“

Markteinwertung: Reifezeugnis für einen digitalen Herausforderer

Der Vorstoß von Vivid ist ein geschicktes Manöver in einem Marktumfeld, in dem die klassische Bankfinanzierung für Startups schwieriger geworden ist. Während Konkurrenten wie Qonto oder Revolut Business ebenfalls um die Gunst der KMU buhlen, besetzt Vivid mit der kombinierten Verzinsung von Dollar, Pfund und Euro eine hochattraktive Nische.

Die enorme Nachfrage gibt den Berlinern recht: Allein zwischen Februar 2025 und Februar 2026 stieg die Zahl der Treasury-Nutzer um das 2,5-Fache, während sich die verwalteten Gesamtguthaben verdreifachten.

Durch die Integration von Währungskonten mit SWIFT-Unterstützung und direkter Verzinsung eliminiert Vivid die Notwendigkeit für komplexe, teure Drittanbieter-Lösungen. Die Ambition, die Zahl der KMU-Kunden im Jahr 2026 erneut zu verdoppeln, wirkt vor diesem Hintergrund weniger wie eine kühne Prognose und mehr wie die logische Konsequenz eines Produkts, das Banking nicht mehr nur als Verwaltungsakt, sondern als aktiven Renditebringer für Unternehmen versteht. Für die etablierten Geschäftsbanken wird die Luft damit im lukrativen KMU-Segment noch dünner, da sie der Agilität und den Zinskonditionen der Neobanken oft nur wenig entgegenzusetzen haben.

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