Schwere Krise am Gewerbeimmobilienmarkt: Die Helaba stutzt ihre Gewinnprognose für 2026 auf 400 Millionen Euro zusammen. CEO Thomas Groß kündigt einen Rückzug und Portfolioabbau an – während der anstehende Chefwechsel für zusätzliche Unruhe sorgt.

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Die anhaltende Talfahrt an den gewerblichen Immobilienmärkten schlägt mit voller Wucht auf die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) durch. Das Frankfurter Institut sieht sich gezwungen, seine Ergebnisziele für das Geschäftsjahr 2026 binnen weniger Monate zum zweiten Mal nach unten zu korrigieren. Wie Helaba-Chef Thomas Groß am Dienstagabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) einräumte, rechnet die Landesbank nur noch mit einem Vorsteuergewinn von rund 400 Millionen Euro.
Zu Jahresbeginn hatte der Vorstand noch ein Vorsteuerergebnis zwischen 600 und 700 Millionen Euro in Aussicht gestellt, bevor die Messlatte im August auf 500 Millionen Euro gesenkt wurde. Der erneute Rückschlag zwingt das Management nun zu harten Einschnitten im bisherigen Kerngeschäft: Die Helaba bereitet eine Neuausrichtung vor und leitet den geordneten Rückzug aus Teilmärkten der gewerblichen Immobilienfinanzierung ein.
Hinter der Prognosesenkung steht die anhaltende strukturelle Schwäche im Markt für Büroimmobilien, die traditionell einen gewichtigen Block in den Büchern der Helaba ausmachen. Die Kombination aus gestiegenen Refinanzierungskosten, strengeren ESG-Vorgaben und dauerhaft veränderten Flächenbedarfen infolge von Homeoffice und hybrider Arbeit lastet schwer auf den Bewertungen gewerblicher Objekte – sowohl in den deutschen Metropolen als auch an internationalen Standorten.
Groß fand vor den Journalisten deutliche Worte für die verfehlte Planung:
"Die aktuelle Entwicklung läuft für uns als Helaba in Summe noch spürbar schlechter als geplant."
Bereits im ersten Halbjahr war der Vorsteuergewinn des Instituts um fast 60 Prozent auf 194 Millionen Euro eingebrochen, primär getrieben durch eine sprunghaft erhöhte Risikovorsorge für wackelige Immobilienengagements. Dass die erhoffte Marktstabilisierung in der zweiten Jahreshälfte ausbleibt, zwingt die Bank nun dazu, weitere finanzielle Puffer für drohende Kreditausfälle und Wertberichtigungen bereitzustellen.
Als Konsequenz aus der anhaltenden Belastung zieht das Institut die Reißleine. „Wir haben beschlossen, dass wir eine Neuausrichtung unseres Immobiliengeschäfts durchführen werden“, kündigte Groß im ICFW an. Diese strategische Kurskorrektur beinhaltet eine "weitere Reduktion unseres gesamten Immobilienportfolios".
Konkret prüft die Bank, sich aus ausgewählten Regionen und Teilsegmenten der gewerblichen Immobilienfinanzierung zurückzuziehen, in denen das Risiko-Rendite-Profil unter den veränderten Marktbedingungen nicht mehr tragfähig ist. Damit folgt die Helaba dem Beispiel anderer Institute wie der Deutschen Pfandbriefbank (pbb), die ihre Engagements in volatilen Märkten wie den USA oder bestimmten europäischen Bürozentren ebenfalls drastisch eindampfen. Der Abbau des Kreditbuchs dürfte zwar das Ausfallrisiko verringern, schmälert mittelfristig jedoch auch die Zinsertragsbasis des Instituts.
Erschwert wird die operative Krisenbewältigung durch eine offene Führungsfrage. Groß hatte Anfang Oktober angekündigt, seinen im Herbst 2027 auslaufenden Vorstandsvertrag nicht verlängern zu wollen und das Institut zu verlassen. Zwar betonten Insider, dass der Entschluss des 61-Jährigen bereits vor längerer Zeit festgestanden habe und nicht direkt auf die aktuellen Schieflagen im Immobiliengeschäft zurückzuführen sei, dennoch trifft die angekündigte Demission das Haus in einer denkbar heiklen Phase.
In der Belegschaft sorgt die Gemengelage aus schrumpfenden Erträgen, strategischem Portfolioabbau und einem scheidenden Vorstandschef, der nun noch eine tiefgreifende Restrukturierung anstoßen muss, für spürbar getrübte Stimmung. Der Aufsichtsrat steht vor der Aufgabe, zeitnah ein geordnetes Nachfolgeverfahren aufzusetzen, um dem Markt und den Trägern der Landesbank – den Sparkassen in Hessen und Thüringen sowie den beiden Bundesländern – Verlässlichkeit bei der Neuausrichtung zu signalisieren.

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