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Nach dem Neobroker-Boom kämpft die Baader Bank mit schrumpfenden Margen

Baader Bank halbiert Vorsteuergewinn nach neun Monaten: Wegfall eines Großpartners und Margendruck im Market Making belasten das Ergebnis. Wie das Institut mit 23-Stunden-Handel und Krypto-Beteiligungen die Ertragsbasis verbreitern will.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

29.10.26

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9:50

Uhr

Nach dem Neobroker-Boom kämpft die Baader Bank mit schrumpfenden Margen

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Baader Bank

Die Baader Bank bekommt die veränderten Rahmenbedingungen im Wertpapier- und Neobroker-Geschäft deutlich zu spüren. Nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 weist das Institut aus Unterschleißheim einen massiven Ergebnisrückgang aus: Das Vorsteuerergebnis brach im Vorjahresvergleich um rund 55 Prozent auf 25,6 Millionen Euro ein (Vorjahr: 56,9 Millionen Euro). Der Konzernüberschuss sank um knapp 54 Prozent auf 17,9 Millionen Euro, während sich das Ergebnis je Aktie von 0,80 auf 0,37 Euro mehr als halbierte. Auch die Eigenkapitalrendite nach Steuern normalisierte sich von zuvor außergewöhnlich hohen 27,6 Prozent auf nunmehr 10,2 Prozent.

Breiter Ertragsrückgang: Wegfall von Scalable wiegt schwer

Hauptursache für den Gewinneinbruch ist eine spürbare Delle auf der Einnahmenseite. Insgesamt gingen die Erträge um 37,2 Millionen Euro zurück, wobei alle zentralen Säulen unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums blieben: Die Handelserträge gaben auf 76,4 Millionen Euro nach, die Provisionserlöse fielen auf 73,3 Millionen Euro und auch der Zinsüberschuss steuerte mit 26,0 Millionen Euro weniger bei als 2025.

Neben einer allgemeinen Beruhigung der Marktaktivität im dritten Quartal schlägt vor allem der Verlust von Scalable Capital zu Jahresbeginn ins Kontor. Die Entwicklung verdeutlicht die strukturelle Verwundbarkeit von Abwicklungs- und Market-Making-Plattformen: Bricht ein volumenstarker Großkunde weg, lässt sich das entgangene Order- und Einlagenvolumen kurzfristig kaum über das organische Wachstum im Bestand kompensieren.

Zangenbewegung aus Margendruck und Vorlaufkosten

Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Wettbewerb im elektronischen Wertpapierhandel verschärft hat. Zwar konnte die Baader Bank ihre Anteile im Market Making nach eigenen Angaben ausbauen, sieht sich jedoch zugleich einem spürbaren Margendruck ausgesetzt.

Auf der Kostenseite gelang es zwar, den Gesamtaufwand leicht auf 165,6 Millionen Euro zu senken – gestützt durch rückläufige Personal- und Vorsorgeaufwendungen. Dieser Effekt wurde jedoch weitgehend von gestiegenen sonstigen betrieblichen Aufwendungen aufgezehrt, die auf 85,3 Millionen Euro kletterten. Das Institut investiert derzeit signifikant in regulatorische Anforderungen, IT-Infrastruktur und neue Handelsmodelle. Die Zahlen spiegeln damit eine klassische Zangenbewegung wider: Die Erträge sinken, während die Ausgaben für künftige Wachstumsfelder bereits heute anfallen.

Strategische Flucht nach vorn: 23-Stunden-Handel und Krypto-Ausbau

Um die Ertragsbasis nachhaltig zu diversifizieren, setzt die Bank auf eine operative Angebotsoffensive. Im ersten Quartal 2027 plant Baader Trading die Einführung eines 23-Stunden-Handels an Werktagen: Statt wie bisher von 07:30 bis 23:00 Uhr soll der Handel dann von Mitternacht bis 23:00 Uhr für ausgewählte deutsche und internationale Aktien sowie ETFs geöffnet sein. Flankiert wird der Expansionskurs durch den Zukauf einer 9,9-Prozent-Beteiligung am Krypto-Partner Hyphe, mit dem das Institut bereits seit 2023 kooperiert. Zusammen mit der bestehenden Beteiligung am lizenzierten Kryptoverwahrer Tangany (ebenfalls 9,9 Prozent) baut die Bank ihre Infrastruktur für digitale Assets und tokenisierte Wertpapiere gezielt aus.

Finanziell verfügt die Baader Bank über ausreichend Puffer, um diese Transformation abzufedern: Mit einem Eigenkapital von 241,1 Millionen Euro und einer Gesamtkapitalquote von soliden 22,94 Prozent bewegt sich die Kapitalausstattung deutlich über den aufsichtsrechtlichen Minima. Für Investoren markiert das Zwischenergebnis dennoch eine Phase der Bewährung. Die eingeleiteten Initiativen eröffnen neue Erlöspotenziale, ihr konkreter Beitrag zum Konzernergebnis wird sich jedoch erst in künftigen Bilanzen beweisen müssen.

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