Trotz steigendem Gewinn verfehlt die niederländische Großbank ING im dritten Quartal die Analystenerwartungen. Höhere Rückstellungen belasten das Ergebnis, während der Konzern 400 Stellen streicht und Milliarden an die Aktionäre ausschüttet.

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ING
Die niederländische Großbank ING gerät trotz eines leichten Gewinnzuwachses an den Kapitalmärkten unter Druck. Im abgelaufenen dritten Quartal steigerte das Geldhaus seinen Nettogewinn um 3,5 Prozent auf 1,85 Milliarden Euro. Damit blieb das Institut jedoch spürbar hinter den Markterwartungen zurück: Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit einem Überschuss von 1,97 Milliarden Euro gerechnet.
Als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen kündigte der Konzern neben einem neuen Aktienrückkaufprogramm auch operative Einschnitte an: Im Zuge einer Neuorganisation des weltweiten Firmenkundengeschäfts (Wholesale Banking) sollen rund 400 Arbeitsplätze wegfallen.
Hauptursache für den verfehlten Konsens ist die unerwartet deutlich gestiegene Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite. Mit 403 Millionen Euro musste die Bank signifikant mehr Kapital für potenzielle Kreditausfälle zur Seite legen als die von Analysten prognostizierten 343 Millionen Euro. Die Entwicklung spiegelt das anhaltend schwierige konjunkturelle Umfeld in europäischen Kernmärkten wider, das insbesondere Unternehmenskunden zu schaffen macht. Zusätzlich drückten leicht gestiegene Betriebskosten auf die Marge.
Im operativen Tagesgeschäft zeigte sich das Institut hingegen robust. Sowohl der Zinsüberschuss als auch die Erträge aus dem Provisions- und Gebührengeschäft erfüllten die Konsensschätzungen. Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag zum Ende des Quartals bei 13,3 Prozent und übertraf die Erwartungen der Marktbeobachter – ein Beleg für das weiterhin solide Eigenkapitalpolster der Bank.
Um den Kapitalmarkt trotz der verfehlten Gewinnziele bei Laune zu halten, setzt das Management auf eine spendable Ausschüttungspolitik. Die Bank beschloss einen neuen Aktienrückkauf im Volumen von 1,65 Milliarden Euro. Flankiert wird die Maßnahme von einer zusätzlichen Barausschüttung an die Anteilseigner in Höhe von 250 Millionen Euro, die im Januar 2027 zur Auszahlung kommen soll. In Summe fließen damit rund 1,9 Milliarden Euro an die Anteilseigner zurück.
Der zeitgleiche Abbau von 400 Stellen im Firmenkundengeschäft verdeutlicht jedoch die wachsende Diskrepanz zwischen aktionärsorientierter Kapitalallokation und internem Kostendruck. Die Reorganisation soll die Komplexität im internationalen Corporate Banking verringern und die Prozesse verschlanken – trifft aber eine Sparte, die durch die gestiegene Risikovorsorge ohnehin unter besonderer Beobachtung steht.
Das Vorgehen der Niederländer fügt sich in ein Muster ein, das derzeit bei zahlreichen globalen Finanzdienstleistern zu beobachten ist: Banken wie Citigroup oder Barclays, aber auch Konzerne wie American Express schütten trotz oder gerade wegen volatiler Rahmenbedingungen hohe Summen an die Eigentümer aus, während sie parallel die Personalkostenbasis trimmen.
Solange die Zinsmargen ihren Zenit überschritten haben und Kreditausfallrisiken allmählich wieder in den Bilanzen ankommen, greifen Institute präventiv zum Rotstift. Für ING wird es in den kommenden Quartalen entscheidend darauf ankommen, ob sich die Kreditrisiken im Firmenkundenbereich weiter materialisieren oder ob die vorgenommenen Rückstellungen ausreichen, um die Ertragsdynamik im Privatkundengeschäft nicht zu überlagern.
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