N26 halbiert den Jahresverlust: Die Berliner Neobank hat 2024 einen Fehlbetrag von 42 Millionen Euro eingefahren und macht damit einen gewaltigen Satz in Richtung Profitabilität.

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N26
Die Berliner Smartphone-Bank N26 hat den Turnaround fest im Blick und beweist mit ihrem jüngst veröffentlichten Jahresabschluss für 2024 eine beeindruckende finanzielle Disziplin. Während das Institut im Vorjahr noch ein tiefrotes Minus von über 102 Millionen Euro verdauen musste, schrumpfte der Fehlbetrag im Jahr 2024 auf moderate 42 Millionen Euro zusammen.
Das Management zeigt sich angesichts dieser Zahlen sichtlich zufrieden und lässt im Bericht verlauten, dass „aus Sicht der Geschäftsleitung der Geschäftsverlauf 2024 zufriedenstellend war und innerhalb der Erwartungen lag“. Getrieben wurde diese Entwicklung vor allem durch einen Zinsüberschuss, der um 16 Prozent auf 144 Millionen Euro in die Höhe schoss, sowie einen soliden Anstieg des Provisionsüberschusses auf 136 Millionen Euro.
Hinter der Fassade der reinen Zahlen verbirgt sich eine strategische Erfolgsstory: Die Zeit der harten Wachstumsbeschränkungen ist endgültig vorbei. Nachdem die deutsche BaFin bereits im Sommer 2024 die Deckelung für Neukunden aufgehoben hatte, folgte nun die Erlösung aus Italien.
Eine Sprecherin bestätigte dem Handelsblatt auf Nachfrage offiziell, dass „die italienische Aufsichtsbehörde die Wachstumsbeschränkung gegen N26 aufgehoben hat“, was der Bank nun ermöglicht, auch im südeuropäischen Markt wieder unbegrenzt Gas zu geben. Mit mittlerweile 4,8 Millionen ertragsrelevanten Kunden und einem auf 147,8 Milliarden Euro angeschwollenen Transaktionsvolumen hat sich N26 eine gewaltige Basis geschaffen, um den Weg zur dauerhaften Gewinnzone zu ebnen. Erstmals gelang es dem Institut nach eigenen Angaben sogar im Juni 2024, die Gewinnschwelle vor Steuern zu erreichen.
Für die Zukunft setzt N26 die Messlatte extrem hoch. Nachdem in der zweiten Jahreshälfte 2024 bereits in den meisten Monaten ein positives operatives Ergebnis erzielt wurde, peilt das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 einen kombinierten Zins- und Provisionsüberschuss von über 385 Millionen Euro an – ein massiver Sprung von über 100 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die Marschrichtung für das laufende Jahr 2026 ist dabei klar definiert.
Das Ziel, die Zahl der ertragsrelevanten Kunden um weitere 21 Prozent zu steigern, untermauert den Anspruch, vom hippen Startup zum ernstzunehmenden, hochprofitablen Schwergewicht der europäischen Bankenlandschaft zu mutieren.
Der aktuelle Geschäftsbericht ist nichts weniger als das Reifezeugnis für N26. Das Zeitalter, in dem Risikokapital blind in ungebremstes Wachstum ohne Rücksicht auf Verluste gepumpt wurde, ist endgültig vorbei. N26 hat bewiesen, dass das Modell „Digitalbank“ auch in einem Umfeld mit höheren Zinsen und strengerer Regulatorik funktioniert. Die drastische Reduzierung des Verlusts bei gleichzeitig zweistelligem Wachstum der Kundeneinlagen auf über 10 Milliarden Euro zeigt, dass das Vertrauen der Anleger trotz der BaFin-Rügen ungebrochen ist.
Besonders der Erfolg im Provisionsgeschäft durch Produkte wie den Aktien- und ETF-Handel belegt, dass N26 erfolgreich an der Diversifizierung seiner Ertragsströme arbeitet. Damit ist die Bank weit weniger anfällig für künftige Zinssenkungen der EZB als reine Zins-Plattformen. Dass nun auch der wichtige italienische Markt wieder voll bespielt werden darf, ist das letzte Puzzleteil für eine potenzielle IPO-Story (Börsengang). N26 befindet sich im Jahr 2026 in der komfortablen Lage, aus einer Position der operativen Stärke heraus zu agieren. Die Konkurrenz, von den traditionellen Großbanken bis zu Neobrokern, muss sich warm anziehen: N26 ist nicht mehr nur ein bunter Player in einer App, sondern eine hocheffiziente Geldmaschine, die kurz davor steht, den Beweis für die dauerhafte Profitabilität anzutreten.

Paukenschlag am Finanzplatz: Die Börse Stuttgart Group verbündet sich über ihre Tochter Seturion mit dem US-Giganten Nasdaq, um eine paneuropäische Infrastruktur für den Handel und die Abwicklung tokenisierter Assets zu schaffen.

Machtwechsel im Maschinenraum der Deutschen Bank: Gerald Podobnik steigt zum Global Co-Head der Corporate Bank auf und bildet künftig ein schlagkräftiges Führungsduo mit David Lynne.

Rekordjagd in Berlin: Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) erzielt im Geschäftsjahr 2025 einen historischen Vorsteuergewinn von knapp 1,4 Milliarden Euro. Mit der neuen Strategie „DKB 2030“ schaltet die Direktbank nun endgültig in den Angriffsmodus, investiert eine halbe Milliarde Euro in Technologie und bläst zur Jagd auf die Neobroker.