KfW testet digitale Kapitalmarktinfrastruktur unter Realbedingungen. Erstmals wechseln Registerführer und Blockchain während der Laufzeit einer Krypto-Anleihe.

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Die KfW hat die Anpassungsfähigkeit der digitalen Kapitalmarktinfrastruktur in Deutschland unter Beweis gestellt. Bei ihrer dritten Blockchain-basierten Anleihe vollzog die staatliche Förderbank einen vollständigen Austausch maßgeblicher Systemkomponenten im laufenden Betrieb. Erstmals wurden hierzulande während der Laufzeit eines elektronischen Kryptowertpapiers nach dem Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) sowohl der Registerführer als auch das zugrundeliegende Blockchain-Netzwerk gewechselt.
Am 23. September übernahm die DekaBank die Registerführung vom bisherigen Dienstleister Cashlink. Parallel migrierte das Register von der ursprünglich genutzten Polygon-Blockchain auf die Infrastruktur von SWIAT, die künftig in das neue europäische Finanzmarkt-Netzwerk Regulated Layer One (RL1) integriert wird. Die DZ BANK fungiert bei der Transaktion weiterhin als sammeleingetragene Inhaberin. Für die Endinvestoren der am 9. Juni 2026 begebenen Anleihe mit einem Volumen von 100 Millionen Euro ergaben sich durch den technischen Umzug keinerlei spürbare Veränderungen.
Der Praxistest offenbarte neben der Systemstabilität auch die aktuellen Grenzen der Interoperabilität. Da Polygon und SWIAT unterschiedliche technologische Standards nutzen, war eine direkte Übertragung der bestehenden Anleihe-Token nicht möglich. Die Migration erforderte stattdessen einen manuellen Brückenschlag: Cashlink löschte die ursprünglichen Token auf der Polygon-Blockchain, während die DekaBank zeitgleich identische neue Token auf der SWIAT-Infrastruktur erzeugte.
Marta Lambert Vinos, Bereichsleiterin Transaction Management bei der KfW, wertet genau diese Hürde als wichtigen Erkenntnisgewinn:
"Der Wechsel hat reibungslos funktioniert, obwohl die beiden Blockchain-Infrastrukturen derzeit unterschiedliche technische Standards nutzen. Genau darin lag für uns der Wert dieses Praxistests: Wir konnten unter realen Bedingungen zeigen, was heute bereits funktioniert – und zugleich sehr konkret identifizieren, wo für einen künftig noch einfacheren Wechsel gemeinsame Standards und technische Interoperabilität notwendig sind."
KfW-Treasurer Tim Armbruster fordert auf Basis der Testergebnisse eine zügige Weiterentwicklung des Marktes:
"Der erfolgreiche Härtetest ist mehr als ein technischer Nachweis. Für den nächsten Entwicklungsschritt brauchen wir jetzt gemeinsame Standards und interoperable Systeme. Nur so können wir skalierbare Strukturen schaffen und Europas Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität im Kapitalmarkt stärken."
Die bis Dezember 2027 laufende Krypto-Anleihe dient der KfW als fortlaufendes Testvehikel für digitale Kapitalmarktprozesse. Für die anstehende Zinszahlung im Dezember 2026 plant die Bank bereits den nächsten technologischen Schritt. Dabei soll erstmals die neue Pontes-Pilotlösung des europäischen Zentralbanksystems zum Einsatz kommen, die eine Abwicklung von DLT-basierten Transaktionen in sicherem Zentralbankgeld ermöglicht. Zur weiteren Flankierung dieser Entwicklungen ist die KfW zudem der Appia Contact Group beigetreten, einer längerfristigen Eurosystem-Initiative für den Aufbau einer künftigen europäischen Abwicklungsinfrastruktur für digitale Vermögenswerte.

Stefan Siebert bleibt Vorsitzender der LBS-Bausparkassenkonferenz. Die LBS-Gruppe fordert Entlastungen für Immobilienkäufer und plant neue Vorsorgeprodukte für 2027.