Die Deutsche Bank positioniert sich frühzeitig für das neue Altersvorsorgedepot. Mit einem Spagat zwischen digitalem Basisangebot und margenstarker Beratung soll der Markt ab 2027 abgedeckt werden.

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Die Deutsche Bank bringt sich für die anstehende Reform der privaten Altersvorsorge in Stellung. Pünktlich zum geplanten Marktstart des staatlich geförderten Altersvorsorgedepots am 01. Januar 2027 will der Frankfurter Branchenprimus ein mehrgleisiges Angebot lancieren, das sowohl preissensible Selbstentscheider als auch beratungsaffine Bankkunden adressieren soll. Anstatt sich auf ein standardisiertes Pflichtprodukt zu beschränken, setzt der Konzern ganz bewusst auf eine komplexe Architektur aus hauseigenen Depotmodellen und klassischen Versicherungslösungen.
Im Zentrum der künftigen Produktarchitektur steht ein rein digital nutzbares Standarddepot der Konzerntochter DWS, das die gesetzlichen Vorgaben punktgenau abbilden soll. Um in dem absehbar hart umkämpften Marktumfeld von Beginn an Marktanteile zu sichern, greift das Institut in diesem Segment zu einem für Filialbanken ungewohnt aggressiven Preismodell.
Für die ersten zwei Jahre soll das laufende Entgelt auf 0,10 Prozent pro Jahr reduziert werden, wobei lediglich die regulären Produktkosten der hinterlegten ETFs anfallen. Nach Ablauf dieser Schonfrist läge die Standardgebühr bei 0,28 Prozent. Mit diesem schlanken Setup dürfte die Bank versuchen, den volldigitalen Wettbewerbern und Neobrokern, die sich derzeit ebenfalls massiv in Stellung bringen, einen Teil des preissensiblen Publikums streitig zu machen.
Die strategische Stoßrichtung des Hauses beschränkt sich jedoch keineswegs auf das margenarme Basisgeschäft. Vielmehr setzt die Deutsche Bank parallel auf ein potenziell margenträchtigeres Beratungsmodell, das künftig in den Filialen der Kernmarke sowie bei der Postbank vertrieben werden soll. Geplant sei ein erweitertes, beratungsbasiertes DWS-Vorsorgedepot mit größerer Produktauswahl, für das ein jährliches Entgelt von 0,99 Prozent zuzüglich möglicher Transaktionskosten aufgerufen werden soll. Ergänzt wird dieses Spektrum durch traditionelle, gemeinsam mit der Zurich entwickelte Versicherungslösungen, die optional mit Garantien und einer lebenslangen Verrentung ausgestattet sind.
Kritiker könnten an dieser Stelle einwenden, dass derartig kostenintensive Beratungsmodelle die avisierte staatliche Förderung auf lange Sicht spürbar aufzehren könnten. Für das Institut selbst böte sich hier jedoch die willkommene Chance, das eigene Filialnetz und die persönliche Beratung wieder stärker in der langfristigen, gebührenbasierten Kundenbindung zu verankern.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem strategischen Umgang mit dem milliardenschweren Bestand an alten Vorsorgeverträgen. Die Bank warnt ihre Kundschaft explizit vor voreiligen Kündigungen bestehender Riester-Policen. Ob sich ein Übertrag in die neue Förderwelt tatsächlich rechne, müsse zwingend im Einzelfall geprüft werden – was wiederum den hohen Bedarf an persönlicher Betreuung rechtfertigen soll. Dominik Hennen, Leiter Personal Banking Deutschland der Deutschen Bank, fasst diesen Ansatz pointiert zusammen:
"Die private Altersvorsorge ist eine Entscheidung für Jahrzehnte. Deshalb setzen wir auf Wahlfreiheit statt Einheitslösungen. Zum Marktstart werden wir unseren Kundinnen und Kunden unterschiedliche Vorsorgemöglichkeiten anbieten, von einem einfachen Depot bis hin zu Angeboten mit persönlicher Beratung und zusätzlichen Serviceleistungen."
Die umfassende Positionierung der Deutschen Bank verdeutlicht, welch immense Bedeutung die Kreditwirtschaft der kommenden Rentenreform beimisst. Indem das Institut bewusst die gesamte Klaviatur vom kostengünstigen ETF-Sparplan bis hin zur ganzheitlichen Wealth-Management-Strategie für vermögende Kunden bespielt, formiert es sich als universeller Ansprechpartner. Die kommenden Monate bis zum offiziellen Startschuss im Jahr 2027 dürften zeigen, ob die Kunden den vollumfänglichen Spagat zwischen digitalem Basisangebot und klassischem Filialvertrieb honorieren, oder ob eine derart verzweigte Preis- und Produktstruktur letztlich doch fokussierteren Nischenanbietern in die Karten spielen könnte.

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