flatexDEGIRO baut den Vorstand für den nächsten Skalierungsschritt um

latexDEGIRO installiert eine Doppelspitze um Benon Janos und Oliver Behrens. Der Onlinebroker forciert seine Wachstumsziele und greift mit neuen Vorsorgeangeboten das Kerngeschäft der Altbanken an.

Harry Dörsam

Ein Beitrag von

Harry Dörsam

Veröffentlicht am

28.9.26

um

10:08

Uhr

flatexDEGIRO baut den Vorstand für den nächsten Skalierungsschritt um

Bildnachweis:

flatexDegiro + eigene KI-basierte Anpassung auf Basis von Nano Banana Pro

Die flatexDEGIRO SE ordnet ihre Führungsebene neu und installiert eine Doppelspitze, um das operative Geschäft im hart umkämpften europäischen Brokerage-Markt zu beschleunigen. Der Aufsichtsrat hat den bisherigen Finanzvorstand und stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Dr. Benon Janos mit sofortiger Wirkung zum Co-CEO neben dem amtierenden Vorstandschef Oliver Behrens berufen. Mit dieser gezielten personellen Aufspaltung der Führungsverantwortung reagiert der Onlinebroker auf die zunehmende Komplexität seines Geschäftsmodells und schärft sein strategisches Profil für die kommenden Expansionsschritte.

Die Aufgabenteilung im neuen Führungs-Setup folgt einer klaren inhaltlichen Trennlinie zwischen dem Massengeschäft und den institutionellen Strukturen. Während Janos künftig als architektonische treibende Kraft den massiven Ausbau des Brokerage-Geschäfts und die Weiterentwicklung der B2C-Angebote für die über 3,5 Millionen Privatkunden in 16 Ländern verantwortet, fokussiert sich Behrens auf das margengetriebene Firmenkundengeschäft (B2B) sowie die strategisch wichtigen Treasury-Aktivitäten. Begleitet wird diese Neuaufstellung von der Berufung des langjährigen internen Finanzexperten Dr. Thomas Lindner zum neuen Chief Financial Officer, dessen Ernennung noch unter dem üblichen Vorbehalt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht. Ergänzt durch Dominik Beier als künftigen Chief Growth Officer formiert das Unternehmen eine schlagkräftige Führungsriege, die das Tempo in der europäischen Plattformökonomie spürbar anziehen soll.

Vorzeitige Zielerreichung und das Heben technischer Skaleneffekte

Das neue Management-Team übernimmt das Steuer in einer Phase ausgeprägter operativer Stärke, die das Selbstbewusstsein der Frankfurter deutlich untermauert. flatexDEGIRO geht aktuell davon aus, die ursprünglich erst für das Jahr 2027 kommunizierten Finanzziele bereits im laufenden Jahr 2026 zu erreichen oder gar zu übertreffen. Dieser beschleunigte Wachstumskurs stützt sich auf die ehrgeizige Vorgabe, den Kundenstamm jährlich um mindestens zehn Prozent auszubauen und durch neue Produkte anhaltende Nettozuflüsse zu generieren.

Ein zentraler Hebel zur Margenausweitung liegt dabei im eigenen Maschinenraum: Bis Ende 2027 soll die Übernahmetochter DEGIRO endgültig und vollumfänglich auf technischer Ebene in die Gruppe integriert werden. Die längst überfällige Harmonisierung von Prozessen, Handelsplattformen und IT-Systemen verspricht das Heben immenser Skaleneffekte. Indem der Broker redundante Kostenstrukturen abbaut und seine technologische Schlagkraft bündelt, schafft er den finanziellen Freiraum für jene Produktinnovationen, die im stark umkämpften Neobroker-Umfeld über Marktanteile entscheiden. Dass institutionelle Adressen diese strategische Ausrichtung honorieren, zeigt sich am Kapitalmarkt: Die UBS Group hat ihre Beteiligung an flatexDEGIRO jüngst leicht aufgestockt und kontrolliert nun – inklusive aller Finanzinstrumente – einen Gesamtanteil von 3,13 Prozent.

Direkter Angriff auf die Bastionen der klassischen Filialbanken

Die personelle und strukturelle Neujustierung bei flatexDEGIRO ist weit mehr als eine interne Hausaufgabe; sie gleicht einer Kampfansage an die etablierten Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Während die regionalen Platzhirsche noch immer Millionenbudgets binden müssen, um die fehlgeleiteten Immobilien- und Beteiligungsexzesse einzelner Regionalvorstände abzuwickeln oder mühsam rudimentäre Krypto-Infrastrukturen aufzubauen, greift der Neobroker längst nach dem nächsten lukrativen Segment.

Im Zentrum der Wachstumsagenda von Co-CEO Benon Janos steht explizit der Ausbau von Angeboten für den langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge – flankiert von innovativen Ansätzen wie „Deposits as a Service“. Damit bricht flatexDEGIRO aus der engen Nische des reinen Aktien- und ETF-Handels aus und greift direkt das traditionelle Kerngeschäft der Filialbanken an. Wenn volldigitale Broker künftig die nahtlose, kostengünstige Integration von staatlich geförderten Vorsorgedepots und lukrativen Zinsangeboten auf Sichteinlagen aus einer Hand anbieten, entziehen sie den teuren und oft trägen Altbanken die letzte Argumentationsgrundlage für ihre margenstarken Hausbankbeziehungen. Für die klassische Kreditwirtschaft verengt sich das Zeitfenster für eine adäquate technologische Gegenreaktion damit zusehends.

Ähnliche Beiträge