Die Bertelsmann-Tochter Riverty sichert sich eine Banklizenz in Luxemburg. Mit einem dreistelligen Millionenbetrag als Eigenkapital greift das Fintech im White-Label-Kreditkartengeschäft an und positioniert sich als B2B-Gegenentwurf zu Klarna.

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Carsten Coesfeld, verantwortlich für Riverty im Bertelsmann-Konzern | Bildnachweis: Bertelsmann
Der Medienkonzern Bertelsmann baut sein Finanzgeschäft aus und hat für seine Fintech-Tochter Riverty eine eigene Banklizenz in Luxemburg erhalten. Dieser entscheidende regulatorische Schritt gelang dem Unternehmen innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums von nur zehn Monaten. Um das neue Projekt finanziell solide aufzustellen, stellt Bertelsmann einen dreistelligen Millionenbetrag als Eigenkapital zur Verfügung. Darüber hinaus sollen weitere Investitionen direkt in den Aufbau der Bank fließen.
Obwohl der Name Riverty neben Konzerntöchtern wie dem TV-Sender RTL oder dem Musikunternehmen BMG wenig bekannt ist, arbeitet das Fintech bereits erfolgreich mit namhaften Onlineshops wie dem Spielzeughersteller Lego oder dem Modehändler Asos zusammen. Das Unternehmen wickelt im Hintergrund sogenannte „Buy now, pay later“-Lösungen (Rechnungs- und Ratenkauf) ab und wird im Jahresabschluss des Konzerns ausdrücklich als Wachstumstreiber für das wichtige Dienstleistungsgeschäft Arvato hervorgehoben. Carsten Coesfeld (39), Bertelsmann-Vorstand und Enkel des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn, verantwortet die Fintech-Tochter. Er sieht in der Lizenz den Beginn eines neuen Kapitels für Finanzdienstleistungen innerhalb des Konzerns und eine Bestätigung des unternehmerischen Erfolgs beim Aufbau eines paneuropäischen Fintechs.
Mit der neuen Banklizenz verfolgt Riverty eine grundlegend andere Strategie als bekannte Wettbewerber. Während das schwedische Unternehmen Klarna, das seit dem vergangenen Jahr in den USA börsennotiert ist, mit einer eigenen Banking-App und kostspieligen Werbedeals – wie etwa mit dem Rapper Snoop Dogg – offensiv um Endkunden wirbt, agiert die Bertelsmann-Tochter bewusst anders.
Andreas Barth (39), CEO von Riverty, stellt klar, dass das Unternehmen keine Endkundenbank werden wolle. Stattdessen hält sich die Marke weiterhin im Hintergrund. Die eigene Lizenz versetzt das Fintech laut Barth jedoch in die Lage, künftig unterschiedliche Kreditprodukte einzuführen und die europäische Finanzkompetenz zu stärken.
Ein zentrales neues Geschäftsfeld soll das Angebot von White-Label-Kreditkarten werden. Laut CEO Andreas Barth können Händler über Riverty künftig Kreditkarten unter ihrem eigenen Markennamen anbieten, wofür er eine spürbare Nachfrage im Markt beobachtet.
Mit diesem Vorstoß rückt Riverty gezielt in eine Lücke, die das Berliner Fintech Solaris hinterlassen hat. Solaris hatte in der Vergangenheit genau dieses Geschäftsfeld bedient und unter anderem einen großen Kreditkartendeal mit dem ADAC abgeschlossen. Da die Bank jedoch in eine Krise gerutscht ist, hat sie das Geschäft inzwischen deutlich zurückgefahren, was Riverty nun strategisch nutzen möchte.

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