Tarifkonflikt bei den Sparda-Banken: Arbeitgeberverband legt Angebot über 5,25 Prozent mehr Gehalt vor und erteilt der Arbeitszeitverkürzung eine Absage.

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Sparda-Bank Baden-Württemberg
Der Arbeitgeberverband der Sparda-Banken hat in den laufenden Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di ein erstes Angebot für einen neuen Vergütungstarifvertrag vorgelegt. Die Offerte sieht eine schrittweise Anhebung der Tarifgehälter um insgesamt 5,25 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten vor. Damit reagiert die genossenschaftliche Bankengruppe auf die Forderungen der Arbeitnehmerseite, zieht jedoch gleichzeitig eine rote Linie bei strukturellen Veränderungen der Arbeitszeit.
Das Paket des Arbeitgeberverbandes gliedert sich in mehrere Stufen. Zum 1. Juli 2026 sollen die Tarifgehälter zunächst um 2,75 Prozent steigen, gefolgt von einer weiteren Erhöhung um 2,5 Prozent zum 1. Juli 2027. Für die ersten drei Monate der Überbrückung – von April bis Juni 2026 – schlagen die Institute eine Einmalzahlung von 250 Euro vor. Der neue Vertrag soll eine Gesamtlaufzeit bis zum 31. März 2028 haben.
Besonderes Augenmerk legen die Sparda-Banken auf den beruflichen Nachwuchs. Die Vergütungen für Auszubildende und dual Studierende sollen monatlich um 100 Euro angehoben werden. Um den gestiegenen Qualifikationsanforderungen moderner Bankberufe gerecht zu werden, schlägt der Verband zudem die Einführung eines vierten Ausbildungsjahres in der Entgelttabelle vor.
Martin Buch, Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes der Sparda-Banken, sieht in dem Entwurf eine ausgewogene Basis für die weiteren Gespräche:
"Unser Angebot schafft einen fairen Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen unserer Beschäftigten und der wirtschaftlichen Verantwortung gegenüber unseren Instituten. Die Sparda-Banken stehen für sichere Arbeitsplätze, eine eine hohe Arbeitsplatzqualität und eine langfristige Perspektive für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."
Scharfe Kritik übte die Arbeitgeberseite an den weitergehenden Kernforderungen der Gewerkschaft. Dass ver.di die Gehaltssteigerungen mit einer spürbaren Reduzierung der Wochenarbeitszeit verknüpfen will, stößt bei den Banken auf strikte Ablehnung. Buch betonte, dass eine solche wirtschaftliche Doppelbelastung für die Institute nicht tragbar sei. Eine Arbeitszeitverkürzung bei gleichzeitig steigenden Personalkosten würde die Häuser vor erhebliche organisatorische Probleme stellen.
Gerade vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels, der dichten Regulatorik und der hohen Transformationskosten im Retail-Banking benötige man volle personelle Kapazitäten. Weniger Arbeitszeit würde laut Buch den Druck auf die bestehenden Teams erhöhen und den Kundenservice schwächen. Der Verhandlungsführer stellte daher unmissverständlich klar: „Deshalb wird es mit dem Arbeitgeberverband der Sparda-Banken keine Gespräche zu einer Arbeitszeitverkürzung geben.“
Die Tarifauseinandersetzung bei den Sparda-Banken verdeutlicht das strategische Dilemma, in dem sich klassische Filial- und Privatkundenbanken derzeit befinden. Das Geschäftsmodell leidet ohnehin unter einem extremen Wettbewerbs- und Margendruck, der durch den Markteintritt ausländischer Digitalbanken weiter verschärft wird. In dieser Gemengelage sind die Personalkosten der größte Hebel auf der Aufwandsseite.
Der kompromisslose Kurs des Arbeitgeberverbandes beim Thema Arbeitszeit ist aus B2B-Sicht absolut nachvollziehbar. Die Institute stecken mitten in teuren Digitalisierungsprojekten und müssen gleichzeitig den gewohnten Service aufrechterhalten, um keine Kunden an die Fintech-Konkurrenz zu verlieren. Eine Verkürzung der Arbeitszeit würde mathematisch bedeuten, dass bei gleichem Arbeitsanfall teures neues Personal eingestellt werden müsste, das der Markt schlicht nicht hergibt. Mit dem Vorstoß bei den Azubi-Gehältern versuchen die Sparda-Banken punktuell gegenzusteuern, um im Werben um Talente wettbewerbsfähig zu bleiben. Für die Bankenlandschaft ist der Konflikt ein Gradmesser: Die Zeiten, in denen Gewerkschaften über weiche Manteltarif-Themen wie die Vier-Tage-Woche punkten konnten, stoßen in der wirtschaftlichen Realität des Jahres 2026 an eine harte Brandmauer.

Jan Stechele wird zum 1. September 2026 neuer Chief Risk Officer und Mitglied der Geschäftsführung von PAYONE. Er folgt auf Dr. Matthias Böcker.