Scalable Capital erhöht Tagesgeld auf 2,6 Prozent und greift mit Null-Euro-Altersvorsorgedepots Banken, Versicherer und Robo-Advisor frontal an.

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Der Münchner Neobroker Scalable Capital erhöht zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten seine Zinskonditionen: Ab sofort erhalten Sparer auf dem Tagesgeldkonto einen variablen Zinssatz von 2,6 Prozent pro Jahr – ohne Mindestanlage und ohne Obergrenze beim Einlagevolumen. Ergänzt wird der Vorstoß durch Festgeldangebote mit Laufzeiten von 12 Monaten zu 2,75 Prozent sowie 24 Monaten zu 3,0 Prozent. Während das Fintech mit diesem Schritt im Ringen um liquide Kundengelder den Druck auf Konkurrenten wie Trade Republic (2,25 Prozent) und traditionelle Direktbanken mit auslaufenden Lockangeboten aufrechterhält, dient die Zinsanpassung vor allem als taktischer Hebel für eine weit bedeutendere Weichenstellung: den Eintritt in den staatlich geförderten Markt für die private Altersvorsorge.
Mit Blick auf die anstehende Reform der privaten Altersvorsorge bringt sich Scalable Capital frühzeitig in Stellung, um das künftige Altersvorsorgedepot als Kernprodukt zu etablieren. Das Angebot soll sowohl als standardisierte, gemanagte Lösung als auch für eigenständige Selbstentscheider bereitstehen – in beiden Varianten vollständig befreit von Depotführungs- und Sparplangebühren.
Besonders bei den laufenden Verwaltungskosten setzt das Institut ein deutliches Ausrufezeichen: Im Standarddepot beläuft sich die Gesamtkostenquote (TER) auf lediglich 0,15 Prozent pro Jahr, wobei diese Gebühr im ersten Jahr gänzlich erlassen wird. Damit positioniert sich das Fintech preislich aggressiv an der Spitze des Marktes und eröffnet einen intensiven Verdrängungswettbewerb.
Diese Preisstruktur zielt unmittelbar auf die lukrativsten Geschäftsfelder klassischer Filialbanken und Lebensversicherer ab. Deren traditionelle Vorsorgemodelle – von fondsgebundenen Rentenversicherungen bis hin zu den bisherigen Riester-Strukturen – sind häufig durch hohe Abschluss- und Vertriebskosten sowie spürbare jährliche Verwaltungsentgelte belastet. Durch den Wegfall dieser Kostenblöcke setzt Scalable Capital die traditionellen Akteure massiv unter Margendruck.
Gleichzeitig verschärft der Vorstoß den Wettbewerb im digitalen Segment. Auch spezialisierte Robo-Advisor und Fondsplattformen, die sich für das neue Reformfenster rüsten, müssen sich an den niedrigen Gebühren des Müncheners messen lassen. Die Kombination aus Null-Euro-Depotführung und extrem schlanker Kostenquote zwingt die gesamte Branche dazu, ihre Gebührenmodelle grundlegend zu überdenken.
Mit dem Ausbau der Zinsangebote, der Einführung von Kinderdepots und dem bevorstehenden Start des Altersvorsorgedepots treibt Scalable Capital die strategische Transformation vom reinen Trading-Anbieter hin zum ganzheitlichen Vermögensverwalter über alle Lebensphasen voran.
Das Unternehmen, das mittlerweile mehr als eine Million Kundinnen und Kunden zählt und ein Anlagevermögen von über 60 Milliarden Euro verwaltet, nutzt die attraktiven Tagesgeldzinsen gezielt als Akquisitionskanal. Das strategische Kalkül ist eindeutig: Kurzfristig geparkte Liquidität soll über ein nahtloses Plattform-Ökosystem langfristig in hochvolumige, staatlich geförderte Vorsorgestrukturen kanalisiert werden.

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