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Quirin wagt millionenschweren IT-Umbau und attackiert Neobroker beim Altersvorsorgedepot

Mit einer 20-Millionen-Investition in moderne Fintech-Infrastruktur von Upvest bläst die Quirin Privatbank zum Gegenangriff auf die Neobroker. Beim neuen Altersvorsorgedepot erstattet Tochter Quirion sogar die internen Handelskosten der ETFs.

Anja Amend

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Anja Amend

Veröffentlicht am

15.10.26

um

8:58

Uhr

Quirin wagt millionenschweren IT-Umbau und attackiert Neobroker beim Altersvorsorgedepot

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Quirin Privatbank

Radikaler Schnitt bei der Berliner Quirin Privatbank. Das Traditionshaus nimmt bis zu 20 Millionen Euro in die Hand, um seine technologische Basis von Grund auf zu erneuern und den Anschluss an die agile Neobroker-Konkurrenz nicht zu verlieren. Künftig greift das Institut im Wertpapiergeschäft auf die gleiche modulare Infrastruktur zurück, die auch Fintechs wie Revolut oder N26 antreibt. Der Schritt ist kein reines Modernisierungsprojekt, sondern die Rampe für eine gezielte Markt-Offensive. Beim künftigen staatlichen Altersvorsorgedepot will die konzerneigene Digitaltochter Quirion die Konkurrenz mit einem aggressiven Gebührenverzicht das Fürchten lehren.

Quirion erstattet bei der geförderten Rente selbst verdeckte ETF-Kosten

Im Verteilungskampf um das Riester-Nachfolgeprodukt setzt Quirion auf eine radikale Preispolitik, um sich Anteile an den rund 44 Millionen potenziellen Förderberechtigten zu sichern. Dass Depotführung und Sparplanausführungen nichts kosten, hat sich am Markt weitgehend als Standard etabliert. Auch Vorstöße wie jene von Trade Republic oder Scalable Capital, die reguläre Gesamtkostenquote (TER) von Partner-ETFs zu streichen oder zu erstatten, gehören mittlerweile zum Instrumentarium der Neobroker. Quirion geht beim Standarddepot jedoch einen Schritt weiter und gleicht auch jene Transaktionskosten aus, die innerhalb der Indexfonds beim Wertpapierhandel anfallen.

Diese internen Handelskosten werden in der öffentlichen Debatte meist übersehen, da sie in den offiziell ausgewiesenen Fondskosten im Zweifel gar nicht auftauchen. In der Praxis können diese Umschichtungen die Rendite der Sparer aber um bis zu zehn Basispunkte schmälern. Quirion will diese verdeckten Gebühren im Standarddepot vollständig ausgleichen und bietet darüber hinaus auch eine frei gestaltbare Variante für Selbstentscheider an. Finanziell geht diese Rechnung für das Haus allerdings nur dann auf, wenn das Kostenversprechen massenhaft Neukunden anlockt, die später profitablere Produkte der Bank in Anspruch nehmen.

Migration von elf Milliarden Euro Kundenvermögen auf Upvest-Infrastruktur

Ermöglicht wird der Vorstoß erst durch den Wechsel auf das Fintech Upvest, das sich als technologischer Dienstleister für Wertpapierabwicklungen bereits bei Instituten wie der DKB, Raisin oder Openbank etabliert hat. Die Überführung von rund 118.000 Kundenkonten und mehr als elf Milliarden Euro an Kundengeldern erfolgt schrittweise.

Den Anfang macht im Januar das neu startende Altersvorsorgedepot, das direkt auf der Upvest-Plattform aufgesetzt wird. Im zweiten Quartal folgen alle Neukunden, bevor im dritten Quartal der Quirion-Bestand auf das moderne System migriert wird. Die vollständige Umstellung aller Privatbank-Kunden soll schließlich Mitte 2028 abgeschlossen sein. Upvest-Chef Martin Kassing sieht den Knackpunkt beim Altersvorsorgedepot weniger im Wertpapierhandel selbst, sondern in den komplexen regulatorischen Prozessen im Hintergrund, etwa bei der Steuerabwicklung und der exakten Einbuchung der staatlichen Zulagen.

Abschied von Altsoftware bindet vollen Jahresgewinn der Privatbank

Das Großvorhaben kommt einem unternehmerischen Kraftakt gleich. Die veranschlagten 20 Millionen Euro entsprechen grob dem gesamten Vorsteuerergebnis, das Quirin im Geschäftsjahr 2025 mit 18,3 Millionen Euro erwirtschaftete. Ein derartiger Ressourceneinsatz war jedoch unausweichlich. Teile der bisherigen Quirin-Systeme wurzeln noch in den 1980er-Jahren. Auf dieser veralteten Basis wäre der Start moderner digitaler Produkte schlicht unmöglich gewesen, wie Bankchef Karl Matthäus Schmidt einräumt.

Zugleich birgt jede Kernbankenmigration in der Branche erhebliche Risiken, wie prominente IT-Pannen bei anderen Häusern in den vergangenen Jahren gezeigt haben. Quirin nimmt dieses Wagnis bewusst in Kauf. Neben niedrigeren operativen Betriebskosten verspricht die neue Architektur die Verarbeitung von Transaktionen und Performance-Daten in Echtzeit sowie deutlich flexiblere Anpassungsmöglichkeiten für Sparpläne. Für Quirin ist der Systemwechsel eine Existenzfrage, um auf Augenhöhe mit den digital nativen Angreifern um die Zukunft des deutschen Vermögensaufbaus zu konkurrieren.

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