Scalable Capital startet gebührenfreies Altersvorsorgedepot und erstattet ETF-Kosten

Mit einem gebührenfreien Altersvorsorgedepot und dem Erlass von ETF-Kosten setzt Scalable Capital auf aggressive Kampfkonditionen. Der Schritt fordert traditionelle Anbieter heraus und forciert den Wandel der Bundesrepublik zum Land der digitalen Selbstentscheider.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

12.10.26

um

16:20

Uhr

Scalable Capital startet gebührenfreies Altersvorsorgedepot und erstattet ETF-Kosten

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Scalable Capital

Der Münchener Neobroker Scalable Capital geht im Zukunftsmarkt der privaten Altersvorsorge in die Offensive. Mit der Vorstellung eines gebührenfreien Altersvorsorgedepots für Selbstentscheider positioniert sich das Fintech frühzeitig für die anstehenden Reformen der staatlich geförderten Altersvorsorge. Das Angebot erlaubt Anlegern die eigenständige Allokation in Aktien-, Anleihen- und Rohstoff-ETFs sowie Fonds und Private-Market-Anlagen.

Um sich im hart umkämpften Marktumfeld von der Konkurrenz abzusetzen, erstattet das Unternehmen über einen Rentenbonus die laufenden Produktkosten für ausgewählte Indexfonds führender Anbieter. Der Schritt markiert eine neue Dimension im Wettbewerb um das langfristige Vorsorgekapital deutscher Sparer.

Zunehmender Verdrängungswettbewerb zwischen Fintechs und Direktbanken

Mit dem neuen Vorstoß agiert Scalable Capital keineswegs im luftleeren Raum. Der deutsche Markt für kapitalmarktbasierte Vorsorge erlebt derzeit eine fundamentale Umverteilung, an der mehrere Plattformen intensiv mitwirken. Insbesondere der Berliner Hauptkonkurrent Trade Republic hat das Thema Altersvorsorge und langfristigen Vermögensaufbau längst zu einer tragenden strategischen Säule erklärt. Auch Broker wie Finanzen.net Zero oder Flatex sowie spezialisierte Plattformen wie Raisin drängen mit digitalen Sparlösungen in das Segment. Gleichzeitig verteidigen etablierte Direktbanken wie die ING, Consorsbank oder Comdirect ihre Marktanteile mit umfangreichen Aktionen für gebührenfreie ETF-Sparpläne.

Während der Verzicht auf Depotgebühren und kostenfreie Sparplanausführungen im Neobroker-Umfeld mittlerweile zum Branchenstandard gehört, hebt Scalable Capital die Preisschlacht nun auf eine neue Ebene. Durch die Neutralisierung der Gesamtkostenquote greift das Institut nicht mehr nur die Margen klassischer Filialbanken und Versicherer an, sondern setzt auch die direkten Fintech-Rivalen unter Zugzwang. Die Ausweitung auf staatliche Zulagen von bis zu 540 Euro Grundförderung sowie 300 Euro je Kind und Jahr unterstreicht den Anspruch, den Übergang Deutschlands zu einer Nation digitaler Selbstentscheider aktiv anzuführen.

Rentenbonus als Hebel im Kampf um Marktanteile

Den entscheidenden Hebel für dieses Modell bildet die Kooperation mit großen Asset Managern. Über den sogenannten Scalable Rentenbonus werden die laufenden Verwaltungskosten für den hauseigenen Scalable Welt-ETF sowie für Kernprodukte von BlackRock, DWS und Vanguard automatisch gutgeschrieben und direkt reinvestiert. Begünstigt werden volumenstarke Welt-Portfolios wie der Vanguard FTSE Global All-Cap, der Xtrackers FTSE All-World oder der iShares S&P 500 Swap.

Um frühzeitig Liquidität einzusammeln, gewährt das Haus diesen Bonus bereits rückwirkend für Bestände, die bis zum Jahresende im regulären Depot aufgebaut werden. Sparpläne bleiben kostenfrei, während Einmalkäufe je nach Kontomodell für null Euro oder 0,99 Euro abgewickelt werden.

Erik Podzuweit, Gründer und Co-CEO von Scalable Capital, begründet den Schritt mit den strukturellen Nachteilen traditioneller Policen.

"Wer fürs Alter spart, darf nicht durch Gebühren oder Garantien ausgebremst werden. Deshalb bieten wir auch das Altersvorsorgedepot für Selbstentscheider gebührenfrei an – damit am Ende mehr in der Rente übrig bleibt. Mit dem Rentenbonus leisten wir zudem einen zusätzlichen Beitrag, um eine kapitalmarktbasierte Vorsorge für alle zugänglich zu machen."

Plattformökonomie verdrängt das klassische Provisionsgeschäft

Neben dem Angebot für Selbstentscheider offeriert Scalable ein schlüsselfertiges Standarddepot mit dynamischem Lebenszyklusmodell. Dieses schichtet das Portfolio vor dem Ruhestand schrittweise von Aktien in Anleihen um und bleibt bis mindestens Ende 2027 frei von ETF-Gebühren. Fünf Jahre vor Rentenbeginn wird der Aktienanteil automatisch auf höchstens 50 Prozent begrenzt, zwei Jahre vor der Entnahmephase sinkt er auf 30 Prozent.

Die betriebswirtschaftliche Tragfähigkeit solcher Niedrigpreis-Angebote verdeutlicht den strukturellen Vorteil integrierter Plattformen gegenüber Einprodukt-Versicherern und traditionellen Vertriebsnetzen. Die Refinanzierung erfolgt über das gesamte Ökosystem aus Wertpapierhandel, Zinserträgen und Währungstransaktionen.

Erik Podzuweit verweist in diesem Kontext auf die langfristige Kundenbindung:

"Altersvorsorge ist für uns ein Basisprodukt, das wir in die Mitte der Gesellschaft bringen. Dank unserer vollintegrierten Bankplattform können wir Altersvorsorgedepots sehr günstig betreiben. Da Kunden bei Scalable im Schnitt bereits mehrere Produkte nutzen, setzen wir auf das Gesamtbild. Wir bauen auf eine jahrzehntelange Kundenbeziehung, um langfristig und nachhaltig mit unseren Kunden zu wachsen."

Mit dem Vorstoß in Deutschland und vergleichbaren Initiativen im europäischen Ausland zeigt sich, dass sich das Geschäftsmodell der Neobroker grundlegend wandelt. Das spekulative Trading tritt zunehmend hinter die langfristige Vermögensverwaltung zurück, während der Preiskampf um das Vorsorgevolumen von Millionen Bundesbürgern voll entbrannt ist.

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