Mit dem Antrag auf eine eigene Banklizenz will das französische Fintech Qonto jetzt auch Spar-, Kredit- und Anlageprodukte anbieten – und damit etablierte Banken und Fintechs gleichermaßen herausfordern. Der Angriff auf Europas Finanzmarkt ist eröffnet.

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Qonto
Dass Qonto kein gewöhnliches Fintech ist, hat die französische Finanzplattform für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) längst bewiesen. Jetzt aber setzt das Unternehmen zu einem neuen, mutigen Sprung an: Bei der französischen Bankenaufsicht ACPR wurde offiziell der Antrag auf eine Vollbanklizenz eingereicht. Das Ziel: Nicht weniger, als Europas Bankenlandschaft endgültig aufzumischen.
Qonto positioniert sich mit diesem Schritt künftig nicht mehr nur als smarter Konten-Anbieter, sondern will als vollwertiges Kreditinstitut auftreten. Künftig sollen über die bestehende digitale Plattform auch Sparprodukte, Kredite und Geldanlagen angeboten werden – und zwar vollständig eigenständig, ohne Abhängigkeit von Partnerbanken. Die Franzosen machen also ernst mit ihrer Vision, traditionellen Banken die Kunden abzujagen und Fintech-Konkurrenten das Leben noch schwerer zu machen.
Bereits heute betreut Qonto europaweit mehr als 600.000 Geschäftskunden in acht Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Die angepeilte Vollbanklizenz soll der Schlüssel sein, um bis 2030 auf zwei Millionen Kunden zu wachsen – eine klare Kampfansage an traditionelle Finanzhäuser wie Deutsche Bank, Commerzbank & Co., die gerade im Geschäftskundensegment zuletzt immer häufiger das Nachsehen hatten.
Besonders spannend: Deutschland wird dabei strategisch als wichtigster Wachstumsmarkt definiert. Mit der Ernennung von Dr. Malte Dous, einem erfahrenen Experten aus der Digitalwirtschaft, zum Managing Director für Deutschland und Zentraleuropa, zeigt Qonto unmissverständlich, wie ernst es dem Unternehmen mit der Expansion hierzulande ist.
Dabei setzt Qonto auf das Argument, schneller, flexibler und transparenter als etablierte Banken zu sein. Ein Beispiel hierfür ist der hauseigene Ratenzahlungsservice, der allein seit 2024 bereits ein Finanzierungsvolumen von 50 Millionen Euro generieren konnte. In Kombination mit einem selbst entwickelten Kartenprozessorsystem, das höhere Akzeptanzraten und schnellere Innovation verspricht, positioniert sich Qonto technologisch klar vor vielen etablierten Banken.
Die Ambitionen von Qonto unterstreicht auch ein Blick auf das hochkarätig besetzte Board of Directors: Jean-Pierre Mustier, ehemaliger CEO der UniCredit und früherer Präsident der Europäischen Bankenvereinigung, verstärkt seit Juni 2025 den Vorstand. Weitere bekannte Gesichter sind Françoise Brougher (Ex-Google, Square, Pinterest) sowie Matt Briers, der einstige CFO von Wise. Diese prominenten Namen im Führungsgremium dürften eine deutliche Warnung an etablierte Finanzhäuser sein, Qonto auf keinen Fall zu unterschätzen.
Dass Qonto seit 2023 bereits profitabel arbeitet, könnte für traditionelle Banken besonders unangenehm werden: Anders als viele wachstumsorientierte Konkurrenten muss Qonto keine kurzfristige Finanzierungslücke schließen – und kann daher aggressiver wachsen.
Der Antrag auf eine Vollbanklizenz ist nicht nur ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte von Qonto – er könnte zum Wendepunkt für Europas gesamte Bankenlandschaft werden. Indem Qonto klassische Bankprodukte mit einer modernen, digitalen Infrastruktur kombiniert, entstehen deutliche Vorteile für KMU-Kunden.
Für etablierte Banken könnte es höchste Zeit sein, aufzuwachen: Denn Qonto greift nicht mehr nur von der Seitenlinie an – sondern fordert Europas Finanzplatz ganz offen heraus. Die nächste Runde im Kampf der klassischen Geldhäuser gegen die digitalen Herausforderer ist damit eröffnet.

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