Angriff auf die Neobroker: Die Comdirect bringt mit dem „Pure Depot“ ein günstiges, appbasiertes Angebot für junge Börseneinsteiger auf den Markt. Handelbar sind Tausende Wertpapiere bereits ab einem Euro pro Trade über den Handelsplatz Gettex.

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Comdirect
Die Direktbank Comdirect reagiert auf die veränderten Bedürfnisse der jungen Generation und bringt ein neues Depotmodell auf den Markt. Mit dem sogenannten „Pure Depot“ richtet sich die Marke der Commerzbank AG ab sofort gezielt an die Generation Z sowie an Millennials, die ihre ersten Schritte auf dem Börsenparkett machen wollen.
Um den Einstieg so einfach wie möglich zu gestalten, setzt das Institut auf ein rein appbasiertes Konzept sowie eine stark verschlankte Kostenstruktur. Die Depotführung ist für die Kunden komplett kostenlos. Anleger zahlen für jede Order ein Entgelt ab einem Euro zuzüglich marktüblicher Spreads und Zuwendungen.
Der Handel findet dabei exklusiv über den Münchner Handelsplatz Gettex statt. Für die Ausführung von Wertpapiersparplänen verzichtet die Bank sogar gänzlich auf Orderentgelte. Trotz der Preisreduktion bleibt das Anlageuniversum groß: Zur Auswahl stehen über 8.000 Aktien, rund 3.000 ETFs und mehr als 16.000 Anleihen.
Das Management der Bank verspricht sich von dem Vorstoß vor allem, Hürden für Neulinge abzubauen. Sabine Schoon-Renné, Bereichsvorständin der Comdirect, ordnet die strategische Bedeutung des neuen Produkts klar ein:
„Wir setzen mit dem ‚Pure Depot‘ ein starkes Zeichen: Finanzielle Selbstbestimmung muss für alle zugänglich sein. Gerade junge Menschen wünschen sich ein Depot, das ihnen den Weg in die Wertpapieranlage öffnet“.
Ergänzend führt der Bereichsleiter Brokerage, Björn Andersen, aus, dass Investieren keine Wissenschaft sei. Man habe das neue Modell daher konsequent aus der Sicht von Einsteigern konzipiert. Erste Barrieren wie Komplexität, Kosten oder eine zu große Produktvielfalt habe man laut Andersen ganz bewusst reduziert, wobei die Kunden „gleichzeitig von den comdirect-Stärken – wie etwa der verlässlichen Erreichbarkeit unseres Kundenservice und der hohen Sicherheit und Stabilität unserer Systeme“ profitieren sollen. Für erfahrene Anleger mit komplexeren Anforderungen, die auch Derivate handeln oder internationale Börsenplätze nutzen wollen, bleibt das klassische „comdirect Depot“ regulär bestehen.
Mit dem „Pure Depot“ wirft die Commerzbank-Tochter den Fehdehandschuh direkt in Richtung etablierter Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital. Lange Zeit hatten klassische Direktbanken das Feld der jungen, Smartphone-affinen Anleger nahezu kampflos den agilen Fintechs überlassen. Dass die Comdirect nun ein rein appbasiertes Einsteigerprodukt mit einem aggressiven 1-Euro-Preismodell über den Handelsplatz Gettex einführt, zeigt, wie massiv der Druck im Retail-Markt geworden ist.
Der strategische Clou der Frankfurter liegt auf der Hand: Die Comdirect versucht, die typischen Niedrigpreise der Neobroker mit dem Vertrauensvorschuss einer vollregulierten, etablierten Großbank zu kombinieren. Durch die gezielte Reduzierung des Angebots – etwa den Wegfall komplexer Derivate oder teurer Auslandsbörsen – minimiert die Bank ihre eigenen Abwicklungskosten und schützt gleichzeitig unerfahrene Anleger vor allzu riskanten Spekulationen. Gelingt dieses Vorhaben, könnte das Zweiklassenmodell aus günstigem Basis- und vollumfänglichem Profi-Depot schon bald zur Blaupause für weitere traditionelle Banken werden, um den massiven Kundenabfluss an die Fintech-Konkurrenz endlich nachhaltig zu stoppen.

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