Das Berliner Fintech Moonfare sichert sich die Bafin-Lizenz nach WpIG und steigt vom reinen Vermittler zum unabhängigen Portfoliomanager für Private Equity auf.

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Moonfare-Gründer Dr. Steffen Pauls, Bildnachweis: Moonfare
Das Berliner Fintech Moonfare hat einen entscheidenden Meilenstein in seiner Unternehmensgeschichte erreicht. Die Moonfare Financial Services GmbH, eine Tochtergesellschaft der Moonfare GmbH, hat von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Zulassung als unabhängige Investmentgesellschaft nach dem Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG) erhalten, darüber berichtete zuerst das Branchenmedium Finanz-Szene. Mit diesem Schritt verlässt das Unternehmen seine bisherige Rolle als reines Zugangsportal für Private Equity und darf künftig die Anlagevermittlung, die Anlageberatung sowie ein eigenes Portfoliomanagement unter direkter regulatorischer Aufsicht anbieten.
Als Gründer Steffen Pauls das Unternehmen ins Leben rief, galt das Vorhaben, die exklusive Anlageklasse Private Equity mit ihren üblichen Mindestinvestments von fünf bis zehn Millionen Euro für wohlhabende Privatanleger zu öffnen, als kühnes Experiment. Heute ist aus dieser Vision eine Plattform entstanden, die den nächsten Reifegrad anstrebt und die Basis für eine weitere europäische Expansion legt.
Bislang agierte die Moonfare GmbH als vertraglich gebundener Vermittler unter dem rechtlichen Schirm der DHD Deutsche Haftungsdach GmbH. Das Geschäftsmodell basierte darauf, Anlegergelder über sogenannte Feeder-Fonds zu bündeln und so Beteiligungen an großen institutionellen Fonds von Häusern wie KKR, EQT oder Carlyle mit deutlich reduzierten Mindestbeträgen von 25.000 bis 100.000 Euro zu ermöglichen.
Mit der neuen WpIG-Lizenz vollzieht das Unternehmen nun einen qualitativen Sprung. Künftig wird Moonfare nicht nur den Zugang zu Drittfonds vermitteln, sondern eigene Portfolioentscheidungen treffen und umfassende Beratungsmandate übernehmen. Ziel ist es, Private Markets für Privatinvestoren und Family Offices genauso zugänglich und handhabbar zu machen wie klassische Anlageklassen.
„Unser Anspruch ist es, das globale Betriebssystem für Private Markets aufzubauen – die Infrastruktur, über die Privatinvestoren und Family Offices ihr gesamtes Private-Markets-Portfolio an einem Ort verwalten können“, formuliert Gründer und Co-CEO Steffen Pauls die weitreichenden Ambitionen.
Die Ausgangslage für diese strategische Weiterentwicklung ist vielversprechend, birgt jedoch die typischen Herausforderungen der Plattformökonomie. Aktuell verwaltet Moonfare nach eigenen Angaben rund 3,9 Milliarden Euro, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 3,0 Milliarden Euro Mitte 2024. Mehr als 5.500 aktive Investoren nutzen die Plattform, wobei das durchschnittliche Ticket bei rund 240.000 Euro liegt. Das Unternehmen, das bislang etwa 200 Millionen US-Dollar an Risikokapital einsammeln konnte, steht jedoch vor der Aufgabe, Wachstum und Profitabilität in Einklang zu bringen. Trotz eines Umsatzanstiegs auf 19 Millionen Euro im Jahr 2024 verblieb laut Medienberichten ein Jahresverlust von über 14 Millionen Euro.
Dass die Demokratisierung von Private Equity zudem klare Grenzen hat, zeigte der Rückschlag mit dem eigenen Eltif-Produkt. Im Jahr 2025 wickelte Moonfare den erst ein Jahr zuvor gestarteten Fonds, der Privatanlegern über eine App Investitionen ab 1.000 Euro ermöglichen sollte, wegen mangelnder Nachfrage wieder ab. Dieser Realitätscheck verdeutlichte, dass die Komplexität von Private Equity – geprägt durch Kapitalabrufe, J-Curve-Effekte und lange Laufzeiten – nicht mit der Leichtigkeit von ETF-Sparplänen gleichzusetzen ist. Moonfare fokussiert sich seither wieder konsequent auf vermögende Privatanleger, Family Offices und Privatbanken.
Strategisch baut das Fintech seine Marktposition kontinuierlich aus. Ein Fokus liegt auf renditestarken Co-Investments, für die im Februar 2026 ein zweiter Fonds mit einem Volumen von 83 Millionen US-Dollar erfolgreich geschlossen wurde. Zudem treibt das Unternehmen seit April eine neue KI-fokussierte Technologiestrategie voran, um Investitionen in Bereichen wie Cybersecurity und Deep Tech anzubieten. Um das Wachstum im wichtigen britischen Markt zu beschleunigen, der bereits knapp 20 Prozent des Kundenstamms ausmacht, wurde zudem Chris Maule als neuer Head of UK an Bord geholt.
Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb. Amerikanische Schwergewichte wie iCapital und CAIS sowie europäische Plattformen wie Titanbay drängen massiv in den Wealth-Kanal. Zudem bringen große Asset Manager wie Blackrock zunehmend eigene semi-liquide Produkte auf den Markt. Moonfare reagiert darauf mit einem hybriden Ansatz und positioniert sich für Privatbanken wie Berenberg oder Quintet auch als White-Label-Infrastrukturanbieter.
Die Bafin-Zulassung markiert den endgültigen Übergang vom Startup zum regulierten Finanzdienstleister – verbunden mit höheren Anforderungen an Kapitalausstattung, Bürokratie und Haftung. Die operative Führung der neu lizenzierten Gesellschaft übernehmen Heike Hövekamp und Magnus Grufman.
„Die direkte Aufsicht erhöht die Transparenz, stärkt unsere institutionellen Standards und schafft eine solide Grundlage, um unser Private-Markets-Angebot weiter auszubauen“, erklärt Heike Hövekamp, Chief Legal & Compliance Officer bei Moonfare.
In der Praxis bedeutet dieser Schritt: Moonfare wird künftig nicht mehr nur für die Zugangsvermittlung vergütet, sondern für aktive Anlageentscheidungen und -beratung. Der langfristige Erfolg dieses Modells wird nicht zuletzt davon abhängen, ob der plattformeigene Sekundärmarkt auch in wirtschaftlich angespannten Phasen die nötige Liquidität bietet.

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