BVR warnt EZB vor Verdopplung der Mindestreserve: 4 Mrd. Euro Ertragsverlust drohen den Banken. Verband kritisiert Zweckentfremdung des Geldpolitik-Instruments.

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Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) schlägt angesichts der Debatte über eine Anhebung der Mindestreserve im Euroraum Alarm. Eine Verdopplung des Mindestreservesatzes von derzeit 1 auf 2 Prozent würde die Ertragskraft der Geschäftsbanken um rund vier Milliarden Euro pro Jahr schwächen – exakt um den Betrag, den die europäischen Währungshüter an Zinsaufwendungen einsparen würden. Der genossenschaftliche Spitzenverband warnt vor gravierenden Folgen für den Finanzsektor und wirft den Notenbanken eine ordnungspolitische Zweckentfremdung ihrer Instrumente vor.
"Damit würde die Maßnahme der EZB der aktuellen Zielsetzung der Europäischen Kommission entgegenlaufen, die Wettbewerbsfähigkeit der Kreditwirtschaft zu stärken“, erklärt BVR-Präsidentin Marija Kolak.
"Ziel der Geldpolitik ist die Gewährleistung von Preisstabilität, nicht die Deckung von finanziellen Defiziten der Notenbank. Die Mindestreserve ist als Instrument der Geldpolitik kein Reparaturwerkzeug für Notenbankbilanzen. Die heutigen Verluste der Notenbanken sind vor allem eine Spätfolge der außergewöhnlichen Geldpolitik der vergangenen Jahre. Es wäre der falsche Weg, diese Kosten nun über eine höhere unverzinste Mindestreserve dem Bankensystem aufzubürden.“
Hintergrund des Vorstoßes sind die massiven Defizite im Eurosystem infolge der Zinswende. Aktuell verzinsen die Europäische Zentralbank (EZB) und die 21 nationalen Zentralbanken eine Überschussliquidität von rund 2,12 Billionen Euro zum Einlagensatz von 2,25 Prozent. Daraus resultiert für das Notenbanksystem eine jährliche Zinslast von etwa 48 Milliarden Euro.
Seit September 2023 wird die Mindestreserve der Kreditinstitute von der EZB bereits mit null Prozent verzinst. Eine Verdopplung der Reservequote würde den Notenbanken zwar eine kurzfristige Entlastung von vier Milliarden Euro verschaffen, den Banken diesen Ertrag jedoch unmittelbar entziehen.
Aus Sicht des BVR birgt eine Erhöhung der unrentierlichen Reservepflicht erhebliche Risiken für den europäischen Bankenmarkt. Höhere Sätze drohen nicht nur die Kreditvergabekapazitäten der Institute einzuschränken, sondern könnten auch zu Wettbewerbsverzerrungen gegenüber internationalen Finanzplätzen führen und eine Verlagerung von Einlagen außerhalb des Euroraums provozieren.
Als ordnungspolitisch sauberen und sachgerechten Weg zur Reduzierung der Notenbankverluste fordert der BVR daher, die bestehenden Anleihebestände im Eurosystem zügig und strukturiert abzubauen, um so die Überschussliquidität im Markt nachhaltig zu verringern, statt die Zeche einseitig den Geschäftsbanken aufzubürden.

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