Alarmstufe Rot bei der Finanzierung: Fast 38 Prozent der Mittelständler berichten von erschwertem Kreditzugang – ein Rekordwert. Trotz sinkender Zinsen bleiben die Banken extrem vorsichtig.

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Für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft wird die Luft dünner. Wer als mittelständischer Unternehmer derzeit bei seiner Hausbank vorstellig wird, um frisches Kapital für Investitionen oder den laufenden Betrieb zu besorgen, beißt immer öfter auf Granit. Das zeigt die aktuelle Auswertung von KfW Research für das vierte Quartal 2025. Die sogenannte Kredithürde hat ein neues Rekordniveau erreicht und sendet damit ein deutliches Warnsignal an die Konjunktur.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 37,8 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die Kreditverhandlungen führten, berichteten von erschwerten Bedingungen. Das ist ein Anstieg von fast vier Prozentpunkten im Vergleich zum Vorquartal und markiert einen historischen Höchststand. Auch bei den Großunternehmen hat sich die Stimmung spürbar eingetrübt. Zwar liegt der Wert hier mit 29,4 Prozent noch unter dem absoluten Spitzenwert, doch der sprunghafte Anstieg um neun Prozentpunkte zeigt, dass die Risikoaversion der Finanzinstitute inzwischen auch die großen Player trifft.
Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, sieht die Ursache in einer tiefsitzenden Skepsis der Geldhäuser:
"Die bislang ausbleibende Wirtschaftsbeschleunigung wirkt wie ein Hemmschuh auf das Kreditinteresse der Unternehmen. Die gesunkenen Kreditzinsen zeigen nur begrenzte Wirkung. Zeitgleich erhöhen sich aufgrund konjunktureller und struktureller Herausforderungen die Anforderungen für Unternehmen, überhaupt einen Kredit zu erhalten. Um diesen Trend umzukehren, ist für 2026 eine positive wirtschaftliche Entwicklung unerlässlich"
Die Banken scheinen aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen schlichtweg von einer Verschlechterung der fundamentalen Daten ihrer Firmenkunden auszugehen. Die Folge ist eine extrem vorsichtige Vergabepolitik, die seit nunmehr drei Jahren überdurchschnittlich streng ausfällt.
Ein Blick in die Branchen offenbart, wo der Schuh am meisten drückt. Besonders düster sieht es im Einzelhandel und im Dienstleistungssektor aus. Fast jeder zweite große Einzelhändler (49,7 Prozent) und 45,2 Prozent der mittelständischen Händler klagen über Hürden bei der Kreditvergabe. Hier scheinen die Banken die größten Ausfallrisiken zu verorten, was angesichts der Konsumflaute kaum verwundert.
Das Problem ist jedoch nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage. Die Unsicherheit über die künftige Wirtschaftsentwicklung lähmt die Investitionsbereitschaft. Nur noch rund jeder fünfte Mittelständler führte im letzten Quartal überhaupt Kreditverhandlungen – ein Wert deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. Die Unternehmen halten ihr Geld zusammen, statt zu expandieren.
Chefvolkswirt Schumacher warnt davor, dass die gesunkenen Marktzinsen allein nicht ausreichen werden, um diesen Trend zu brechen. Solange die konjunkturelle Beschleunigung ausbleibt, wirkt die wirtschaftliche Lage wie ein Hemmschuh. Um die Kredithürde wieder zu senken und die Investitionsblockade zu lösen, ist für 2026 eine spürbare positive wirtschaftliche Entwicklung unerlässlich. Ohne Wachstum, so die Botschaft, wird der Geldhahn wohl weiter klemmen.

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