Das Kölner Fintech NaroIQ erhält 6,5 Millionen US-Dollar für den Aufbau einer digitalen ETF-Infrastruktur. Die Plattform will Europas Fondsmarkt technologisch neu aufstellen – als Gegenentwurf zur US-Dominanz.

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NaroIQ
Mit einer Seed-Runde und einem klaren Ziel: Europas Fondslandschaft effizienter, günstiger und digitaler machen.
Der ETF-Markt in Europa ist groß – und dennoch schwer zugänglich für Neueinsteiger. Genau hier setzt das Fintech NaroIQ an. Das 2022 gegründete Unternehmen aus Köln hat sich auf die digitale Infrastruktur für die Verwaltung von ETFs und Investmentfonds spezialisiert – und nun in einer Seed-Finanzierungsrunde 6,5 Millionen US-Dollar eingesammelt. Angeführt wurde die Runde vom VC-Investor Magnetic, auch Redstone und der bestehende US-Investor General Catalyst beteiligten sich.
Für Co-Gründer und CEO Chris Püllen ist der Zeitpunkt gekommen, den europäischen Fondsmarkt in eine neue Ära zu führen:
„Wir sind Zeugen eines einmaligen Generationenwechsels: ETFs werden im Laufe des nächsten Jahrzehnts Investmentfonds im Privatkundenmarkt ersetzen, was bedeutet, dass die Margen erheblich schrumpfen werden.“
Püllen sieht dabei nicht nur einen technologischen Bedarf, sondern auch eine marktwirtschaftliche Schieflage. Ohne digitale Lösungen könnten künftig nur noch große Player mit Skaleneffekten überleben. Das führe zwangsläufig zu einer Konzentration von Vermögen und Einfluss in wenigen Händen – ein Szenario, das NaroIQ mit einer offenen, zugänglichen Plattform verhindern will.
Die Motivation von NaroIQ ist auch geopolitisch aufgeladen: Während US-Anbieter wie BlackRock oder Vanguard zwei Drittel des europäischen ETF-Markts dominieren, fehlt es auf dem Kontinent an unabhängiger Infrastruktur. NaroIQ will diese Lücke schließen – mit einer API-basierten, cloud-nativen Plattform, die es Asset Managern und Finanzinstituten erlaubt, eigene ETFs und Fonds effizient aufzusetzen und zu betreiben.
„Die Plattform adressiert die mühsamsten Arbeitsabläufe des Sektors", so David Rosskamp, Founding Partner von Magnetic. Er sieht in NaroIQ das Potenzial, eine neue Innovationswelle in der europäischen Fondsadministration auszulösen – weg von papierbasierten Prozessen, hin zu Echtzeit-Transparenz und operativer Skalierbarkeit.
Mit dem frischen Kapital will NaroIQ vor allem in zwei Bereiche investieren: den technologischen Ausbau der Plattform sowie den regulatorischen Lizenzerwerb, der für das Geschäft mit institutionellen Partnern unerlässlich ist. Erste Produktintegrationen mit Fondsinitiatoren und Finanzintermediären sollen noch 2025 erfolgen.
Damit positioniert sich NaroIQ als strategische Alternative im Kampf um die Infrastrukturhoheit im europäischen Fondsmarkt – ein Markt, der traditionell träge ist, aber nun immer stärker unter Innovationsdruck gerät. Das Kölner Startup bringt sich dabei nicht nur als Tech-Enabler in Stellung, sondern als potenzieller Standardsetter in einem Markt, dessen Digitalisierung gerade erst beginnt.

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