Die Schweizer Privatbank Julius Bär erzielt im ersten Halbjahr 2026 einen Rekordgewinn von 673 Millionen Franken. Die verwalteten Vermögen steigen auf 547 Milliarden.

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Julius Bär Zürich
Die Schweizer Privatbank Julius Bär meldet sich mit einem Paukenschlag an der Spitze des europäischen Wealth Managements zurück. Nach den Erschütterungen der jüngeren Vergangenheit legt das Zürcher Traditionshaus für das erste Halbjahr 2026 operative Zahlen vor, die selbst Optimisten überraschen. Angetrieben von einer wahren Welle an Kundenaktivität im ersten Quartal und getragen von sprudelnden Provisions- und Zinserträgen verdoppelte das Institut seinen IFRS-Konzerngewinn auf die historische Rekordmarke von 673 Millionen Schweizer Franken (CHF). Im Vorjahreszeitraum hatten hier noch magere 295 Millionen gestanden.
Für den neuen Konzernchef Stefan Bollinger liefert das erste Halbjahr die rhetorische und finanzielle Munition, um den eingeleiteten Kultur- und Strategiewechsel der Bank selbstbewusst nach außen zu tragen. Bollinger ordnete den operativen Befreiungsschlag wie folgt ein:
"Insgesamt haben wir im ersten Halbjahr 2026 eine starke operative Leistung erzielt und konnten einen Konzerngewinn auf Rekordniveau ausweisen. Dies ist auf eine deutlich erhöhte Kundenaktivität, ein Allzeithoch bei den verwalteten Vermögen, anhaltende Netto-Neugeldzuflüsse sowie eine weitere Verbesserung des operativen Hebels zurückzuführen. Diese Entwicklung unterstreicht die Stärke unseres Geschäftsmodells und die Fähigkeit unseres Teams, unsere Kundinnen und Kunden auch in einem anspruchsvollen und volatilen Marktumfeld effektiv zu unterstützen."
In der Tat kletterte das von Julius Bär betreute Kundenvermögen (Assets under Management) um fünf Prozent auf den nie dagewesenen Höchststand von 547 Milliarden CHF. Rechnet man die reinen Custody-Vermögen hinzu, verwaltet die Bank inzwischen gewaltige 649 Milliarden Franken.
Der Blick auf die Ertragsmechanik zeigt, wie effizient die Zürcher die Marktvolatilität der ersten drei Monate zu Geld gemacht haben. Der gesamte IFRS-Betriebsertrag schoss um 26 Prozent auf 2,28 Milliarden CHF nach oben. Wichtigster Treiber war neben dem klassischen Kommissionsgeschäft (+12 Prozent auf 1,28 Milliarden CHF) vor allem eine spektakuläre Dynamik im Zinsbereich: Der Nettoerfolg aus dem Zinsgeschäft schoss um 80 Prozent auf 130 Millionen CHF empor. Möglich machte diesen Sprung ein drastischer Rückgang beim Zinsaufwand für Kundeneinlagen um 22 Prozent, da die Bank die gesunkenen Zinsen im Markt konsequent an ihre Kundschaft weiterreichte.
Gleichzeitig bewies die Bank Disziplin auf der Kostenseite. Die adjustierte Cost/Income Ratio - die branchenweit anerkannte und zentrale Messgröße für die operative Effizienz einer Bank - verbesserte sich von 68,2 Prozent im Vorjahr auf hervorragende 62,6 Prozent. Ein Stellenabbau bei den Kundenberatern, wo netto 14 Vollzeitstellen im Zuge von Performance-Überprüfungen gestrichen wurden, unterstreicht den geschärften Leistungsanspruch im Konzern.
Doch bei aller berechtigten Freude über die sprudelnden Gewinne offenbart das Zahlenwerk eine deutliche Schwachstelle: Der Motor beim organischen Neugeld stottert weiterhin. Zwar verzeichnete Julius Bär im Halbjahr Netto-Neuzugänge von 5,7 Milliarden CHF, doch das entspricht auf das Jahr hochgerechnet lediglich einem Wachstum von 2,2 Prozent.
Damit hinkt die Bank ihrem eigenen mittelfristigen Zielkorridor von 4 bis 5 Prozent deutlich hinterher. Der Grund für diese Zurückhaltung liegt auf der Hand: Die Nachwehen früherer Verfehlungen zwingen Julius Bär zur lückenlosen Implementierung eines radikal verschärften Risiko- und Compliance-Regelwerks. Die strengeren Prüfprozesse bei der Kundenannahme bremsen das Neugeschäft spürbar aus – ein Zustand, den das Management offen einräumt und der sich voraussichtlich noch bis ins Jahr 2027 ziehen dürfte.
Stefan Bollinger zeigt sich dennoch unbeeindruckt und richtet den Blick nach vorn:
"Die heutigen Ergebnisse stellen einen soliden Start in unseren neuen dreijährigen Strategiezyklus dar. Durch disziplinierte und konsequente Umsetzung erzielen wir bei allen unseren Prioritäten stetige Fortschritte, wobei unser Fokus besonders auf der Beschleunigung des organischen Wachstums liegt."
Die Zwischenbilanz für Julius Bär fällt eindeutig aus. Das Institut hat bewiesen, dass seine Ertragsmaschine auch unter neuem Management hochprofitabel läuft und Schocks bravourös wegsteckt. Die eigentliche Herkulesaufgabe für Bollinger beginnt jedoch jetzt: Er muss den Beweis antreten, dass Julius Bär wieder dynamisch wachsen kann, während der Compliance-Kordon im Hintergrund die Zügel strammgezogen hält.

Lars Jungemann übernimmt zum 1. September 2026 die Leitung des Bereichs People & Culture bei der HypoVereinsbank. Er folgt auf Georgiana Lazar-O’Callaghan.