EZB-Direktorin Isabel Schnabel wechselt Anfang 2027 vorzeitig zum IWF. Ihr Abgang eröffnet ein Personalpaket für drei Spitzenposten bei der Europäischen Zentralbank.

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Europäische Zentralbank (EZB)
Die deutsche Spitzenökonomin Isabel Schnabel legt ihr Amt im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) vorzeitig nieder. Wie die Notenbank offiziell bestätigte, wechselt die 53-Jährige zum 4. Januar 2027 als Abteilungsleiterin für Geld- und Kapitalmärkte zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington. Ihre ursprünglich auf acht Jahre angelegte, nicht verlängerbare Amtszeit im obersten Führungsgremium der Euro-Hüter hätte regulär erst Ende 2027 geendet.
Schnabel, die bei der EZB federführend das Ressort Marktoperationen verantwortet, wird ihre derzeitigen Aufgaben bis zum Wirksamwerden des Wechsels Anfang Januar vollumfänglich weiterführen. Da das interne Ethik-Gremium der Zentralbank entschieden hat, dass für diesen Karriereschritt keine formale Übergangsphase ("Cooling-off-Periode") erforderlich ist, bedarf es keines sofortigen Rückzugs. Allerdings wird Schnabel während ihrer verbleibenden Amtszeit im EZB-Rat nicht mehr in Entscheidungen eingebunden, die direkte Bezüge zum IWF aufweisen. Sollte die Nachfolge bis zu ihrem Ausscheiden nicht abschließend geklärt sein, werden Schnabels Aufgaben vorübergehend auf die verbleibenden fünf Mitglieder des Direktoriums aufgeteilt.
Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2020 hat sich Schnabel als einflussreiche intellektuelle Kraft im EZB-Rat positioniert. Sie etablierte sich als profilierte Verfechterin robuster Krisenbekämpfungsinstrumente, insbesondere beim Ankauf von Staatsanleihen. Um eine finanzielle Fragmentierung des Währungsraums und damit ein Auseinanderdriften der Renditen europäischer Staatsanleihen abzuwenden, plädierte sie vehement für gezielte Marktinterventionen.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde würdigte Schnabel in einer Stellungnahme für ihren "herausragenden Beitrag" und betonte, die Deutsche habe maßgeblich zur Modernisierung der geldpolitischen Arbeitsweise der Notenbank beigetragen.
Schnabels vorzeitiger Wechsel zum IWF wirbelt die mittelfristige Personalplanung der europäischen Finanzdiplomatie erheblich durcheinander. Im Jahr 2027 stehen nun gleich drei zentrale Spitzenposten der EZB zur Neubesetzung an: Neben Schnabels Mandat (Januar) endet im Juni 2027 die Amtszeit des irischen Chefvolkswirts Philip Lane und im Oktober 2027 jene von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Seit Monaten kursieren Spekulationen, dass Lagarde ihren Posten möglicherweise sogar noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen im April 2027 räumen könnte, um eine politisch aufgeladene Nachfolgesuche zu entzerren. Als mögliches neues Betätigungsfeld für die Französin wird in Medienberichten die Präsidentschaft des Weltwirtschaftsforums (WEF) gehandelt.
Diese zeitliche Bündelung erhöht die Wahrscheinlichkeit einer großen „Paketlösung“ unter den Regierungsspitzen der Euro-Länder. Zwar kann theoretisch jedes Land Anspruch auf Schnabels frei werdenden Sitz erheben, de facto verfügen Deutschland, Frankreich und Italien jedoch traditionell über ständige Sitze im sechsköpfigen Direktorium. Würde die Bundesregierung im Januar 2027 Schnabel lediglich durch einen neuen deutschen Kandidaten ersetzen, käme dies implizit dem Verzicht auf eine mögliche deutsche Kandidatur für den EZB-Vorsitz bei Lagardes Ausscheiden gleich. In politischen Kreisen wird daher erwartet, dass eine Einigung über die deutsche Vertretung im Direktorium untrennbar mit den Entscheidungen über die Ämter der Präsidentin und des Chefvolkswirts verknüpft sein wird.
Für die künftige Besetzung bringen sich die Mitgliedsstaaten bereits in Stellung: Spanien favorisiert Pablo Hernández de Cos, den Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, für das Amt des EZB-Präsidenten. Die Niederlande forcieren die Kandidatur ihres langjährigen Notenbankchefs Klaas Knot, während in Deutschland Bundesbankpräsident Joachim Nagel als ernsthafter Anwärter auf das Spitzenamt gehandelt wird. Frankreich wiederum hofft dem Vernehmen nach, den strategisch wichtigen Posten des Chefvolkswirts für sich zu sichern.
Mit ihrem vorzeitigen Rückzug fügt sich Schnabel, die neben Lagarde die einzige Frau im aktuellen Führungsgremium ist, in ein auffälliges Muster früherer deutscher EZB-Vertreter ein. Auch ihre Vorgänger vollendeten ihre Amtszeiten nicht: Jürgen Stark stieg Ende 2011 aus, Jörg Asmussen verließ den Posten nach weniger als zwei Jahren, und Sabine Lautenschläger räumte Ende Oktober 2019 frühzeitig ihren Stuhl.

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