EZB erhöht Leitzins auf 2,5 Prozent: Zweiter Zinsschritt 2026 infolge des Energiepreisschocks. Renditen zehnjähriger Bundesanleihen klettern auf 15-Jahres-Hoch.

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EZB | Pressekonferenz vom 11. Juni 2026
Die Europäische Zentralbank verschärft ihren geldpolitischen Kurs im Kampf gegen den anhaltenden Preisdruck: Im Anschluss an ihre auswärtige Sitzung in Berlin hat die Notenbank am Donnerstag die Zinsen im Euro-Raum zum zweiten Mal im laufenden Jahr angehoben. Der Leitzins klettert wie von den Finanzmärkten weitgehend vorweggenommen um 25 Basispunkte auf nunmehr 2,5 Prozent. Die Währungshüter begründeten den Schritt mit der Erwartung, dass die Inflation über einen längeren Zeitraum deutlich über dem mittelfristigen Zielwert verharren dürfte. Mit dem erneuten Zinsschritt unterstreicht das Direktorium seine Entschlossenheit, die Teuerung einzudämmen.
Haupttreiber für die geldpolitische Straffung sind massive Verwerfungen an den internationalen Rohstoffmärkten infolge des Irankriegs. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent durchbrach in dieser Woche erstmals seit Mai wieder die Marke von 100 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig verteuerte sich Erdgas angesichts akuter Sorgen vor Versorgungsengpässen auf das Zweieinhalbfache des Vorkriegsniveaus. Im August zog die Teuerung im Euro-Währungsraum auf eine Jahresrate von 3,3 Prozent an.
An den Terminmärkten preisen Anleger infolge dieser geopolitischen Eskalation bereits weitere Zinsschritte im Dezember sowie im Frühjahr ein. Die wachsende Zinserwartung schlägt unmittelbar auf die Rentenmärkte durch: Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe markierte unmittelbar vor dem Zinsentscheid ein neues 15-Jahres-Hoch von 3,45 Prozent – ein Anstieg um knapp 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Niveau vom Februar. Parallel dazu zogen auch die Renditen anderer Euro-Staatsanleihen spürbar an.
Parallel zum Zinsbeschluss legten die Notenbankökonomen ihre aktualisierten Projektionen vor, wenngleich deren Belastbarkeit durch die hohe Volatilität der fossilen Brennstoffmärkte limitiert bleibt. Für das laufende sowie das kommende Jahr rechnet die EZB mit einem leichten Wirtschaftswachstum von 0,9 beziehungsweise 1,4 Prozent. Die Inflationsaussichten wurden derweil nach oben korrigiert: Für das Jahr 2027 prognostizieren die Experten eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,5 Prozent, für 2028 wird ein Wert von 2,1 Prozent veranschlagt.
Mit den dosierten Zinsanhebungen beabsichtigt die Notenbank, eine überbordende binnenwirtschaftliche Nachfrage zu dämpfen und das Entstehen von Zweitrundeneffekten über steigende Löhne und Produktpreise präventiv zu verhindern. Zwar sind die langfristigen Inflationserwartungen bislang weitgehend stabil geblieben, doch die Währungshüter wollen einer Verfestigung des Preisdrucks entschieden vorbeugen.
Nachdem die EZB den für die Banken- und Sparzinsen maßgeblichen Einlagensatz im Juni erstmals seit drei Jahren wieder angehoben und im Juli pausiert hatte, steht nun die geldpolitische Orientierung für die kommenden Monate im Fokus. Während Marktteilnehmer auf eine Serie weiterer Zinsanhebungen setzen, agieren viele Bankanalysten mit Blick auf das künftige Zinstempo deutlich zurückhaltender.

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