BVR-Präsidentin Marija Kolak tritt Ende 2027 nach zehn Jahren ab. Der Bundesverband der Genossenschaftsbanken sucht Nachfolge inmitten von Stützungsfällen und Reformen.

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Die deutsche Genossenschafts-Finanzgruppe regelt ihre Spitzenführung mit großem zeitlichem Vorlauf: Marija Kolak, seit Anfang 2018 Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), wird nach dem regulären Ende ihrer zweiten Amtszeit im Dezember 2027 keine dritte Amtsperiode anstreben. Die 56-Jährige, die als erste Frau an die Spitze des BVR gewählt wurde, hat den Verwaltungsrat frühzeitig über ihren Entschluss informiert. Damit verschafft sie den Gremien mehr als ein Jahr Zeit, die Nachfolge strukturiert und in aller Ruhe vorzubereiten. Kolaks Amtszeit von insgesamt zehn Jahren entspricht exakt der Dauer der Amtsperioden ihrer beiden Vorgänger.
In den vergangenen zweieinhalb Jahren war der Sektor von anspruchsvollen Herausforderungen geprägt: Rund zehn Institute gerieten in Schieflage und mussten über den institutsbezogenen Stützungsfonds des Verbunds aufgefangen werden, wobei das Volumen an Garantien und Zuschüssen fast zwei Milliarden Euro erreichte. Die Ursachen lagen im Wesentlichen in Immobilienengagements und Baufinanzierungen aus der vergangenen Niedrigzinsphase.
Dass der genossenschaftliche Verbund diese Belastungen aus eigener Kraft bewältigen konnte, belegt die Funktionsfähigkeit der genossenschaftlichen Solidargemeinschaft, die ausnahmslos alle Kundeneinlagen vollständig schützte. Flankiert wird diese Stabilität durch eine operative Ertragsstärke der Gesamtheit der Mitgliedsinstitute: Mit einem Vorsteuer-Rekordergebnis von fast zehn Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025 zeigte die große Mehrheit der mehr als 600 Volks- und Raiffeisenbanken eine historisch starke Verfassung.
Auf einzelne kritische Stimmen, die ein schnelleres Vorpreschen bei den Probleminstituten eingefordert hatten, reagierte Kolak mit einem klaren Bekenntnis zu den Besonderheiten eines dezentral organisierten Verbunds. Nachhaltige Veränderungen erfordern in einer föderalen Struktur fundierte Ursachenanalysen und kontinuierliche Überzeugungsarbeit bei den Eigentümerbanken, anstatt überhastete Einzelmaßnahmen zu verkünden.
Dieser beharrliche Moderationskurs trug im Sommer 2026 messbare Früchte: Die BVR-Mitgliederversammlung votierte geschlossen für eine historische Reform der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung. Das System verfügt nun über deutlich erweiterte Informations-, Prüf- und Durchgriffsrechte, um künftigen Fehlentwicklungen frühzeitig und wirksam entgegenzusteuern.
Mit dem Beschluss dieser Reform betrachtet Kolak ihr Kernziel als erreicht. Die Herausforderungen der vergangenen Jahre seien keineswegs der Grund für den Rückzug, sondern hätten vielmehr dafür gesprochen, die Verbundstrukturen mit langjähriger Erfahrung krisenfest zu machen. Da die rechtlichen und aufsichtsrechtlichen Voraussetzungen für ein frühzeitiges Eingreifen nun geschaffen sind, könne die Weiterentwicklung der Gruppe ideal von einer neuen Führungspersönlichkeit fortgeführt werden.
Wolfgang Altmüller, Vorsitzender des BVR-Verwaltungsrats, würdigte Kolaks Leistung und bedauerte ihr Ausscheiden ausdrücklich: Sie habe die Modernisierung der Institutssicherung mit großer Souveränität und unter enger Einbindung der Mitgliedsbanken erfolgreich zum Abschluss gebracht und hinterlasse dem Verband ein stabiles, modernisiertes Regelwerk für die kommenden Jahre.

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