ING holt Transformationsexpertin Hilde Garssen für den Kulturwandel in den Bankvorstand

ING befördert HR in den Vorstand: Hilde Garssen wird neue CHRO und soll den personellen Wandel der Digitalbank ab September 2026 maßgeblich prägen.

Anja Amend

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Anja Amend

Veröffentlicht am

15.6.26

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14:19

Uhr

ING holt Transformationsexpertin Hilde Garssen für den Kulturwandel in den Bankvorstand

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Die niederländische ING Groep vollzieht eine bemerkenswerte strukturelle Weichenstellung und befördert das Personalressort auf die höchste Führungsebene. Wie das Institut bekannt gab, wird Hilde Garssen zum 1. September 2026 zur neuen Personalvorständin (Chief Human Resources Officer, CHRO) berufen. Mit diesem Schritt füllt die Großbank nicht nur eine monatelange Vakanz, sondern setzt in Zeiten von Fachkräftemangel und digitaler Transformation ein klares strategisches Signal: HR ist im modernen Banking kein reiner Verwaltungsapparat mehr, sondern ein entscheidender Treiber für den Unternehmenserfolg.  

Die Position im Management Board Banking war seit November 2025 vakant, nachdem Ruth McGill das Haus verlassen hatte; interimistisch wurde das Ressort seither von Isaac Vitini geleitet. Dass die ING die Rolle der CHRO mit dem Eintritt von Garssen nun fest im obersten Führungsgremium verankert, ist eine überfällige und marktpolitisch folgerichtige Entscheidung. In einer Branche, die sich in einem permanenten Restrukturierungs- und Digitalisierungsmodus befindet, entscheidet die Kulturentwicklung maßgeblich darüber, ob strategische Wachstumsziele erreicht werden oder auf der Strecke bleiben.  

Eine erfahrene Transformationsexpertin mit ABN AMRO Stallgeruch

Mit Hilde Garssen holt sich die ING eine hochkarätige Führungskraft an Bord, die über mehr als 25 Jahre Erfahrung an der Schnittstelle zwischen der Finanz- und der Telekommunikationsbranche verfügt. Seit 2018 verantwortete sie als Chief People Officer das Personalressort beim niederländischen Telekommunikationskonzern KPN, seit 2019 zudem als Mitglied des dortigen Vorstands.  

Für die ING besonders wertvoll ist jedoch ihre tiefe Verwurzelung im Bankensektor: Vor ihrer Zeit bei KPN verbrachte Garssen 19 Jahre bei der heimischen Konkurrentin ABN AMRO in verschiedenen hochrangigen HR- und Transformationsrollen. Sie kennt die komplexen regulatorischen und kulturellen Herausforderungen eines europäischen Großkonzerns also aus dem Effeff.  

ING-CEO Steven van Rijswijk spart daher nicht mit Vorschusslorbeeren und stellt klar, dass man sich freue, Garssen für die ING gewonnen zu haben. Ihre breite Erfahrung in der Personalführung, der Transformation und der Organisationsentwicklung sei von unschätzbarem Wert für die weitere Stärkung der Unternehmenskultur und die Umsetzung der Gesamtstrategie. Die Hebung der CHRO-Rolle in den Vorstand spiegele die tiefe Überzeugung des Hauses wider, dass Menschen und Kultur das Fundament für nachhaltiges Wachstum, starke Performance und langfristige Wertschöpfung bilden.  

Mensch und Maschine in der Zerreißprobe der digitalen Transformation

Die Ernennung Garssens erfolgt vor dem Hintergrund ambitionierter Konzernziele. Die ING hat sich nichts Geringeres vorgenommen, als durch beschleunigtes Wachstum und gesteigerte Effizienz zur besten europäischen Bank aufzusteigen. Dies erfordert angesichts rasanter technologischer Entwicklungen und sich permanent verändernder Kundenerwartungen eine tiefgreifende Transformation der Belegschaft.  

Garssen selbst betont mit Blick auf ihre neue Aufgabe, dass sie die ING schon immer dafür bewundert habe, eine Digitalbank zu sein, bei der Mensch und Technologie zusammenkommen. Dies seien zwei Bereiche, für die sie eine echte Leidenschaft hege. Sie freue sich darauf, gemeinsam mit den Kollegen die Personalstrategie, die Kultur und die HR-Funktion für die Zukunft weiterzuentwickeln.  

Hinter diesen harmonischen Worten verbirgt sich jedoch eine immense Management-Herausforderung. Die Digitalisierung des Bankgeschäfts – getrieben durch künstliche Intelligenz und automatisierte Prozesse – bedeutet für die Belegschaft meist auch harten Stellenabbau auf der einen und den akuten Mangel an Tech-Talenten auf der anderen Seite. Garssen muss den Spagat meistern, die Belegschaft bei diesem schmerzhaften Kulturwandel mitzunehmen, ohne die Leistungsfähigkeit der Bank zu gefährden.

HR im Vorstand als Blaupause für die europäische Bankenwelt

Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits abgesegnete Personalie zeigt, dass die ING verstanden hat: Wer die beste Digitalbank Europas werden will, darf den Faktor Mensch nicht stiefmütterlich behandeln. Technik und Algorithmen sind austauschbar, die Köpfe dahinter nicht.  

Die Aufwertung des HR-Ressorts in den Kernvorstand ist ein starkes Signal, das als Blaupause für andere europäische Großbanken dienen könnte. Ob es Garssen ab September gelingt, die traditionelle Bankenstruktur agil genug für die digitale Zukunft aufzustellen, wird eine der spannendsten Personalien des Jahres im europäischen Banking.

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