Kein Deal mit Acathia Capital: R+V führt Condor-Bestände intern weiter

Überraschende Wende: Die R+V Versicherung verkauft ihre Tochter Condor Leben nun doch nicht an Acathia Capital und führt die rund 219.000 Verträge intern weiter.

Anja Amend

Ein Beitrag von

Anja Amend

Veröffentlicht am

3.8.26

um

10:54

Uhr

Kein Deal mit Acathia Capital: R+V führt Condor-Bestände intern weiter

Bildnachweis:

R+V

Überraschende Kehrtwende auf dem deutschen Versicherungsmarkt: Die R+V Versicherung hat die Gespräche über den Verkauf ihrer Tochtergesellschaft Condor Lebensversicherungs-AG an die Investmentgesellschaft Acathia Capital ergebnislos beendet. Wie ein Unternehmenssprecher mitteilte, wird der genossenschaftliche Versicherer keinen alternativen Käufer suchen. Nach Abwägung aller Optionen habe man sich entschieden, die etwa 219.000 Lebensversicherungsverträge der Condor intern im eigenen Konzern weiterzuführen.

Gescheiterte Gespräche nach Absichtserklärung im Frühjahr

Noch im März hatte die R+V eine Absichtserklärung (Letter of Intent) für den Verkauf der Condor Leben unterzeichnet. Ursprünglich war ein Abschluss der Transaktion für das zweite oder dritte Quartal angestrebt worden. Zu jenem Zeitpunkt sah die R+V-Führung einen Bestandsverkauf als vorteilhaft an, um sich stärker auf die Kernmarke zu konzentrieren und teure IT-Migrationen alter Versicherungsbestände auf neuere IT-Systeme zu vermeiden.

Über die konkreten Ursachen für das Scheitern der Verhandlungen machten weder die R+V noch Acathia Capital nähere Angaben. Der Verbleib in der R+V-Gruppe habe sich im Nachgang aller Prüfungen als die sinnvollste Lösung für den Konzern erwiesen.

Dämpfer für den Abwicklungsmarkt und künftige Ausrichtung

Die Entscheidung sendet ein spürbares Signal an die gesamte Branche. Beobachter hatten gehofft, dass die Transaktion den Markt für die Konsolidierung und Abwicklung von Lebensversicherungsbeständen (Run-off) neu beleben könnte – zumal etablierte Bestandsabwickler wie Viridium fortlaufend Interesse an Portfolio-Zukäufen signalisieren.

Die R+V hatte die Condor-Gruppe im Jahr 2008 von der Oetker-Gruppe erworben. Während das Sachversicherungsgeschäft der Condor Allgemeine bereits in der R+V Allgemeine aufgegangen ist, blieb die Condor Leben stets als separate Einheit im Konzernverbund bestehen.

Obwohl das Neugeschäft in der privaten Altersvorsorge bei der Condor Leben seit Jahresanfang eingestellt ist, stellt die Tochtergesellschaft ihren Betrieb nicht vollständig ein: Sie bleibt weiterhin in den Segmenten der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) sowie der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) aktiv.

Ähnliche Beiträge