Die Europäische Zentralbank hält den Einlagensatz bei 2,5 Prozent, warnt jedoch vor einem neuen Energieschock. Warum steigende Gaspreise, Lagardes Rücktritt und Rekordrenditen in Frankreich die Zinspause trüben.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht die geldpolitische Bremse und legt eine Atempause ein. Wie tags zuvor die US-Notenbank Federal Reserve belässt auch das Frankfurter Direktorium den für den EU-Finanzsektor maßgeblichen Einlagensatz vorerst unverändert bei 2,5 Prozent. Die Entscheidung fällt in eine Phase sprunghaft steigender Unsicherheit: Während die Teuerungsrate im Euro-Raum den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht hat, wird der Beschluss von Christine Lagardes Ankündigung überlagert, ihr Amt als Notenbankpräsidentin im Februar 2027 vorzeitig niederzulegen.
Die Zinspause ist kein Signal für eine dauerhafte Entwarnung, sondern ein vorsichtiges Innehalten in einem stagflationären Spannungsfeld. Vor allem die drastische Verteuerung von Energierohstoffen droht die Teuerung erneut in der Breite der Wirtschaft festzusetzen: Seit dem EZB-Treffen im September kletterte der Preis für europäisches Brent-Öl von 102 auf 115 US-Dollar pro Barrel. Noch deutlicher fällt der Preisschub beim europäischen Erdgas aus, das mit über 100 Euro je Megawattstunde erstmals seit vier Jahren wieder ein dreistelliges Niveau erreicht – nach weniger als 70 Euro im Vormonat.
In ihrem Statement warnt die EZB unmissverständlich vor den Folgen dieses Angebotsschocks. Der Preisschub verschärfe nicht nur den Inflationsdruck, sondern bringe spürbare "Abwärtsrisiken für die Wachstumsaussichten" mit sich, wobei die "volle Wirkung" des Schocks noch gar nicht in den Wirtschaftsdaten angekommen sei.
Marktteilnehmer werten die Entscheidung daher als reine Übergangsphase: An den Terminmärkten wird fest damit gerechnet, dass sowohl die Fed als auch die EZB kurz vor Weihnachten mit weiteren Zinsschritten nachlegen müssen, um eine Entankerung der Inflationserwartungen zu verhindern.
Zusätzliche Brisanz erhält die Notenbanksitzung durch die Verwerfungen an den europäischen Staatsanleihemärkten. Neben der allgemeinen Inflation treibt die Währungshüter der massive Zinsanstieg in Lagardes Heimatland Frankreich um: Die Rendite zehnjähriger französischer Staatspapiere durchbrach erstmals seit dem Jahr 2002 die Marke von fünf Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen hat das höchste Niveau seit den Hochzeiten der Euro-Schuldenkrise erreicht – ein deutlicher Beleg für die wachsende Skepsis der Investoren gegenüber der haushaltspolitischen Stabilität in Paris.
Die EZB verwies in ihrer Begründung explizit darauf, dass sich die Finanzierungsbedingungen zuletzt spürbar verschärft hätten, was dämpfend auf Konjunktur und Teuerung wirke. Die steigenden Marktzinsen übernehmen damit faktisch einen Teil der monetären Straffung. Für die Notenbank erhöht dies jedoch die Fallhöhe: Hebt der EZB-Rat die Leitzinsen im Dezember weiter an, droht sich die fiskalische Fragmentierung der Euro-Zone weiter zu verschärfen, während ein Zögern angesichts des Energieschocks die Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Teuerung untergräbt.

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