Eskalation im Übernahmekampf: Unicredit baut Commerzbank-Anteil weiter aus

Der Übernahmekampf eskaliert: Unicredit baut seine Commerzbank-Beteiligung auf 37,68 Prozent aus. Die Commerzbank spricht von Irreführung und schaltet die Finanzaufsicht ein.

Anja Amend

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Anja Amend

Veröffentlicht am

9.6.26

um

20:01

Uhr

Eskalation im Übernahmekampf: Unicredit baut Commerzbank-Anteil weiter aus

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Commerzbank AG

Die italienische Großbank Unicredit lässt im Ringen um die Kontrolle der Commerzbank nicht locker und hat ihre Beteiligung nochmals signifikant aufgestockt. Wie aus Mailand gemeldet wurde, haben Anteilseigner im Zuge der seit Mai laufenden Offerte rund 10,91 Prozent der Aktien angedient. Infolgedessen klettert der direkte Aktienbesitz der Italiener sprunghaft von bislang 26,77 auf nunmehr 37,68 Prozent.

Ein umstrittenes Angebot und der Ruf nach der Finanzaufsicht

Das Vorgehen der Italiener sorgt am Finanzmarkt für Verwunderung, denn rein rechnerisch ist der Deal für die Aktionäre kaum lukrativ. Unicredit offeriert lediglich 0,485 eigene Aktien für ein Commerzbank-Papier. Dieser Umtauschkurs liegt gut zwei Euro unter dem aktuellen Börsenwert der Frankfurter von 36,80 Euro. Dass dennoch bereits bis Anfang Juni über sieben Prozent der Anteile den Besitzer wechselten, lässt bei der Commerzbank die Alarmglocken schrillen. Die Frankfurter wittern ein abgekartetes Spiel und haben die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet. Sie vermuten, dass die angedienten Papiere primär von Geschäftspartnern der Italiener, wie etwa der japanischen Investmentbank Nomura, stammen und nicht aus dem Kreis klassischer institutioneller Anleger.

Ein Sprecher der Commerzbank untermauerte diesen Verdacht am Dienstag mit Nachdruck. Dem Institut lägen bislang keinerlei Informationen darüber vor, dass auch nur ein einziger institutioneller Investor das Angebot angenommen habe. Zudem belaufe sich der Anteil der von Privatanlegern angedienten Papiere auf eine verschwindend geringe Quote von lediglich rund 0,05 Prozent.

Unicredit wehrt sich gegen Irreführungsvorwürfe

Die Mailänder Konzernzentrale ließ diese harschen Vorwürfe nicht lange auf sich sitzen und holte postwendend zum verbalen Gegenschlag aus. Man verwies darauf, stets im engen und transparenten Austausch mit der BaFin zu stehen und sämtliche rechtlichen Vorgaben des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes penibel einzuhalten. Gäbe es unzulässige Absprachen mit Dritten, hätte die Aufsichtsbehörde längst interveniert.

Die Unicredit wies die Anschuldigungen in einer scharfen Stellungnahme zurück. Die Schwere der Vorwürfe sowie die fortgesetzten Hintergrundgespräche mit der Presse durch Kreise, die der Commerzbank nahestehen, machten eine klare Positionierung unumgänglich. Das italienische Institut beklagte in diesem Zusammenhang die anhaltende Verbreitung von zunehmend gravierenden und völlig unbegründeten Fehlinformationen. Die Frankfurter Bankführung dürfe das Angebot zwar ablehnen, sei aber keinesfalls berechtigt, die Integrität des Prozesses durch haltlose Anschuldigungen zu torpedieren.

Versteckte Macht durch ein weitreichendes Derivate-Netz

Neben dem reinen Aktienbesitz hat sich das Institut von CEO Andrea Orcel über komplexe Finanzinstrumente weitere weitreichende Zugriffsrechte gesichert. So hält Unicredit zusätzliche Instrumente im Umfang von 3,22 Prozent, die sich jederzeit in echte Commerzbank-Aktien umwandeln lassen. Darüber hinaus verfügt die Bank über Derivate in Höhe von 13,19 Prozent, die auf einen reinen Barausgleich ausgelegt sind. Diese Konstruktion bietet den Italienern laut eigener Aussage die nötige strategische Flexibilität, um den endgültigen Beteiligungsgrad exakt nach den Interessen der eigenen Aktionäre auszusteuern. Abgerundet wird dieses finanzielle Geflecht durch zusätzliche, nicht-meldepflichtige Derivatgeschäfte, die laut Unicredit primär der Absicherung der aufgebauten Position gegen mögliche Kursverluste dienen.

Die hohe Hürde auf dem Weg zur Vollintegration

Trotz des wachsenden Einflusses der Mailänder stößt das Vorhaben, das 156-jährige Traditionshaus komplett zu schlucken, auf massiven Widerstand. Sowohl der Vorstand um Chefin Bettina Orlopp als auch die Arbeitnehmervertreter und die Bundesregierung, die weiterhin 13 Prozent der Anteile hält, blockieren die Pläne vehement.

Zwar hat Unicredit durch das aktuelle, formell freiwillige Angebot die rechtliche Pflicht zu einer allgemeinen Übernahmeofferte vorerst elegant umschifft und hält sich alle Optionen für weitere Zukäufe offen. Um auf der Hauptversammlung im Jahr 2027 die einfache Mehrheit zu dominieren, wären Schätzungen zufolge jedoch rund 40 Prozent der Stimmrechte nötig. Doch selbst mit einem solchen Anteil bliebe ein entscheidendes Hindernis bestehen: Für einen echten unternehmerischen Durchgriff, etwa in Form eines Gewinnabführungsvertrags oder einer kompletten Fusion, schreibt das Gesetz eine Dreiviertelmehrheit von 75 Prozent vor.

Vor genau diesem Szenario warnte Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp bereits vergangene Woche auf einer Investorenkonferenz. Solange der deutsche Staat und andere Großanleger ihre Anteile nicht veräußern, sei diese Hürde schier unerreichbar. Orlopp betonte dabei unmissverständlich, dass dies für die Italiener ein äußerst leidvoller Weg werden würde.

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