Deutsche Bank plant Steigerung der Aufsichtsratsvergütung

Deutsche Bank plant deutliche Erhöhung der Aufsichtsratsvergütung: Chef Alexander Wynaendts soll bis zu 1,4 Mio. Euro erhalten. Erfahren Sie alles über die Hintergründe der neuen Governance-Strategie zur HV 2026.

Harry Dörsam

Ein Beitrag von

Harry Dörsam

Veröffentlicht am

8.4.26

um

19:39

Uhr

Deutsche Bank plant Steigerung der Aufsichtsratsvergütung

Bildnachweis:

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank zieht die Zügel bei der Governance-Vergütung an. Zur kommenden Hauptversammlung im Mai schlägt das größte deutsche Kreditinstitut eine deutliche Anhebung der Bezüge für sein Kontrollgremium vor. Besonders im Fokus steht Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts, dessen Salär deutlich siebenstellig werden könnte. Ein Schritt, den die Bank mit dem internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe begründet.

Wenn die Aktionäre der Deutschen Bank am 28. Mai 2026 erstmals seit sieben Jahren wieder physisch in Frankfurt zur Hauptversammlung zusammenkommen, dürfte ein Tagesordnungspunkt für besonders intensiven Gesprächsstoff sorgen: die Neuregelung der Aufsichtsratsvergütung. Nach Jahren der relativen Zurückhaltung sieht die Bank nun die Notwendigkeit, die monetären Anreize für ihre Kontrolleure massiv nachzubessern.

Vorstand und Aufsichtsrat begründen diesen Vorstoß in der Einladung zur Hauptversammlung mit einem klaren Blick auf den Markt. Die aktuelle Vergütung sei demnach „nicht mehr wettbewerbsfähig ist mit Blick auf die Gewinnung und Bindung hochqualifizierter Aufsichtsratsmitglieder”. In einem Umfeld, in dem globale Großbanken (G-SIBs) um die erfahrensten Experten für Risikomanagement, ESG und Digitalisierung buhlen, will das Frankfurter Institut nicht ins Hintertreffen geraten.

Alexander Wynaendts: Sprung über die Millionen-Hürde

Der markanteste Anstieg ist an der Spitze des Gremiums geplant. Die feste jährliche Grundvergütung für Alexander Wynaendts soll von derzeit 950.000 Euro auf 1,15 Millionen Euro steigen – ein Plus von rund 21 Prozent. Damit rückt Wynaendts in die Gehaltsregionen vor, die bei internationalen Instituten für den Vorsitz in einem so komplexen Kontrollorgan üblich sind.

Doch bei der Grundvergütung bleibt es nicht. Durch eine strukturelle Änderung in der Ausschussvergütung – bisherige Ausnahmeregelungen für den Vorsitzenden sollen entfallen – summieren sich die Bezüge weiter auf. Wie das Handelsblatt berichtet, dürfte Wynaendts für seine zusätzlichen Aufgaben in den Ausschüssen weitere 150.000 beziehungsweise 100.000 Euro erhalten. Damit würde seine Gesamtvergütung die Marke von 1,4 Millionen Euro erreichen.

Breite Anhebung der Fixbezüge

Nicht nur die Spitze, auch die Breite des Gremiums soll profitieren. Die Deutsche Bank plant folgende Anpassungen der jährlichen Grundvergütung:

  • Einfache Mitglieder: Anstieg von 300.000 Euro auf 350.000 Euro.
  • Stellvertretende Vorsitzende: Anstieg von 475.000 Euro auf 550.000 Euro.

Die Bank argumentiert, dass die Komplexität der Überwachungsaufgaben und die persönliche Haftung der Aufsichtsräte in den letzten Jahren massiv zugenommen haben. Insbesondere die regulatorischen Anforderungen der EZB-Aufsicht erfordern einen zeitlichen Einsatz, der weit über klassische vierteljährliche Sitzungen hinausgeht.

Präsenz-HV als Bühne für die neue Governance

Die Abstimmung über das neue Vergütungssystem findet in einem besonderen Rahmen statt. Es ist die erste Präsenz-Hauptversammlung der Bank seit 2019. In der Frankfurter Festhalle wird sich das Management nicht nur den Fragen zur Dividende und zur neuen Vorstandsstruktur stellen müssen – die Bank beruft zeitgleich zwei neue Mitglieder in das Führungsgremium –, sondern auch die Angemessenheit der Aufsichtsratsbezüge verteidigen.

Kritik von Aktionärsschützern scheint programmiert, da Gehaltssprünge in dieser Größenordnung bei institutionellen Anlegern oft kritisch hinterfragt werden. Die Bank setzt jedoch darauf, dass die Investoren die Notwendigkeit einer hochkarätigen Besetzung anerkennen, um die langfristige Stabilität und den Transformationskurs des Hauses abzusichern. In einem Sektor, der sich in Richtung Konsolidierung und technologischer Aufrüstung bewegt, wird "Cheap Governance" zunehmend als Klumpenrisiko wahrgenommen.

Ähnliche Beiträge