Julius Bär feiert für Anfang 2026 einen Rekord-Betriebsertrag. Doch schwache Neugeldzuflüsse von nur 1,7 Prozent und flüchtige Einmaleffekte im Handel offenbaren strukturelle Schwächen.

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Julius Bär
Die Schweizer Privatbank Julius Bär präsentiert für die ersten vier Monate des Jahres 2026 auf den ersten Blick glänzende Zahlen und feiert den stärksten Jahresauftakt der Unternehmensgeschichte. Doch hinter dem gemeldeten Allzeithoch bei den verwalteten Vermögen und dem Rekord-Betriebsertrag verbergen sich bei genauerem Hinsehen strukturelle Schwachstellen. Die hohe Profitabilität basiert in erster Linie auf einem flüchtigen Transaktionsboom, während das eigentliche Kerngeschäft – die Gewinnung neuer Kundengelder – weit hinter den eigenen Ambitionen zurückbleibt.
Zwar stiegen die verwalteten Vermögen (AuM) auf einen Rekordwert von 528 Milliarden CHF, doch dieser Zuwachs ist fast ausschließlich der guten Stimmung an den Aktienmärkten zu verdanken. Die tatsächliche Vertriebsleistung fällt mit Netto-Neugeldzuflüssen von lediglich 3 Milliarden CHF enttäuschend aus. Dies entspricht einer annualisierten Wachstumsrate von mageren 1,7 Prozent. Im zweiten Halbjahr 2025 lag dieser Wert immerhin noch bei 2,7 Prozent.
Gemessen am mittelfristigen strategischen Ziel der Bank, jährlich 4 bis 5 Prozent Neugeld anzuziehen, klafft hier eine gewaltige Lücke. Das Management rund um CEO Stefan Bollinger begründet diese Schwäche unter anderem mit der Umsetzung eines verschärften Risiko- und Compliance-Rahmens. Dies lässt tief blicken: Offenbar drosseln die internen Aufräumarbeiten nach den teuren Kredit-Eskapaden der jüngsten Vergangenheit das organische Wachstum weitaus stärker, als die Bank nach außen hin suggerieren möchte. Die Rekrutierung von über 30 neuen Kundenberatern hat sich bislang jedenfalls noch nicht in nennenswerten Zuflüssen niedergeschlagen.
Der gefeierte Anstieg der adjustierten Bruttomarge auf 90 Basispunkte ist bei näherer Betrachtung von geringer Qualität. Die Steigerung resultiert fast ausschließlich aus einem temporären Anstieg der aktivitätsabhängigen Erträge, also dem transaktionsgetriebenen Wertpapierhandel der Kundschaft im ersten Quartal. Wie volatil und unzuverlässig diese Einnahmequelle ist, räumt die Bank selbst ein: Bereits im April habe die Kundenaktivität "merklich nachgelassen".
Die wirklich verlässlichen, wiederkehrenden Erträge aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft stagnieren hingegen unverändert bei 37 Basispunkten. Auch der Beitrag aus dem Zinsgeschäft und Treasury Swaps ist rückläufig. Die verbesserte Cost/Income Ratio von 62 Prozent ist somit kein rein struktureller Erfolg der Kostendisziplin, sondern primär das Resultat eines glücklichen, aber vorübergehenden Ertrags-Peaks, der sich in den kommenden Monaten kaum wiederholen dürfte.
Auch der Umbau der Geschäftsleitung wirft kritische Fragen zur Prioritätensetzung auf. Während die Vertriebs- und Produktseite durch die Berufung von Thomas Frauenlob und Rajesh Manwani mehr Gewicht im obersten Führungsgremium erhält, wird der Posten des Group General Counsel, besetzt durch Christoph Hiestand, aus der Geschäftsleitung verbannt. Für eine Bank, die gerade erst wegen eklatanter Mängel im Risikomanagement massiv in die Kritik geraten war und den CEO auswechseln musste, ist die formelle Herabstufung des obersten Juristen und Compliance-Verantwortlichen ein strategisch höchst fragwürdiges Signal an Aufsichtsbehörden und Investoren.

Kompakter Marken-Relaunch: Die akf-Bank tritt ab Juli 2026 mit neuem Vorwerk-Design auf und benennt ihre Leasing-Tochter in akf-Mobility um. Das Kerngeschäft bleibt unverändert.