Demografische Klippe als Effizienz-Hebel: LBBW setzt auf KI-Kompensation

LBBW-Vorständin Stefanie Münz plant, altersbedingte Vakanzen dank KI nur noch zur Hälfte nachzubesetzen. Erfahren Sie, wie die Landesbank den demografischen Wandel als Effizienz-Hebel nutzt.

Anja Amend

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Anja Amend

Veröffentlicht am

18.4.26

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8:03

Uhr

Demografische Klippe als Effizienz-Hebel: LBBW setzt auf KI-Kompensation

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LBBW

Der demografische Wandel erreicht die deutschen Kreditinstitute mit voller Wucht. Während die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in den Ruhestand treten, verschärft der grassierende Fachkräftemangel die Situation am Arbeitsmarkt. Die LBBW wählt nun die Flucht nach vorn: Anstatt im Kampf um knappe Talente zu resignieren, soll die technologische Transformation zur tragenden Säule der Personalplanung werden.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg skizzierte Stefanie Münz, im LBBW-Vorstand zuständig für Finanzen, Strategie, Operations und Digitalisierung, die künftige Marschroute. KI werde der Bank demnach maßgeblich „beim Umgang mit dem demografischen Wandel helfen“. Das Kalkül der Bank ist präzise:

„Wir gehen davon aus, dass wir die Stellen nicht komplett nachbesetzen müssen, sondern nur etwa zur Hälfte.“

Risk und Operations im Fokus der Automatisierung

Besonders in datenintensiven und prozessorientierten Bereichen sieht das Institut erhebliches Substitutionspotenzial. Hierzu zählen primär die Risikoüberwachung sowie das Backoffice (Operations). In diesen Feldern kann die KI durch Mustererkennung und automatisierte Analysen Aufgaben übernehmen, die bisher einen hohen personellen Ressourceneinsatz erforderten.

Münz sieht in der aktuellen Entwicklung weit mehr als nur einen vorübergehenden Trend. Sie zieht einen historischen Vergleich, um die Tragweite der Veränderung zu verdeutlichen: „KI ist ein Gamechanger. Und ist gekommen, um zu bleiben. Es ist ähnlich wie einst beim Smartphone, ohne das es heute auch nicht mehr geht“, so die Vorständin gegenüber Bloomberg.

Grenzen der Technologie: Analytik ja, Einwertung nein

Trotz der ambitionierten Pläne warnt die LBBW-Führung vor einer technologischen Überreizung. KI werde zwar „standardisierte analytische Aufgaben abnehmen“, könne jedoch die „Einwertung durch Menschen nicht komplett ersetzen“. Die Bank verweist hierbei auf die strukturellen Schwächen heutiger KI-Modelle, die auf öffentlich zugänglichen Internetquellen basieren und damit anfällig für Halluzinationen oder gezielte Manipulationen bleiben.

Für die verbleibende Belegschaft bedeutet der Einzug der Algorithmen daher keine Entlassungswelle, sondern eine qualitative Verschiebung des Anforderungsprofils. Die Angst vor Jobverlusten, die viele Bankmitarbeiter derzeit umtreibt, versucht Münz zu entkräften: „Ich glaube nicht, dass KI im großen Stil zum Abbau von Jobs führen wird. Es findet viel mehr eine Verlagerung von Tätigkeiten statt“, erklärt sie im Interview.

Vom Sachbearbeiter zum Steuerungsexperten

Die Strategie der LBBW zielt darauf ab, die freiwerdenden Kapazitäten in höherwertige Aufgabenbereiche zu lenken. Benötigt würden künftig vor allem Steuerungskapazitäten und Experten, welche die Bank in einem zunehmend komplexen Umfeld strategisch weiterentwickeln. „Da werden wir dankbar sein, wenn uns die KI Basisarbeiten, Vorbereitungen und Analysen abnimmt“, so Münz.

Mit diesem Vorstoß positioniert sich die LBBW als Vorreiter einer neuen Realpolitik im Banking. Die Erkenntnis, dass sich die demografische Lücke ohnehin nicht mehr vollständig mit Fachkräften schließen lässt, wird hier proaktiv in ein Effizienzprogramm übersetzt. Damit setzt die Landesbank einen Standard, an dem sich auch private Institute und Versicherungen im Wettbewerb um Effizienz und Rentabilität künftig messen lassen müssen.

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