Das Erbe von Hauck Aufhäuser Lampe formiert sich neu: Bethmann HAL zieht finale Integrationslinien

Großfusion vor dem Abschluss: Bethmann HAL ernennt Johanna Handte zur CIO und ordnet das Wealth Management in acht Regionen neu.

Anja Amend

Ein Beitrag von

Anja Amend

Veröffentlicht am

12.6.26

um

9:00

Uhr

Das Erbe von Hauck Aufhäuser Lampe formiert sich neu: Bethmann HAL zieht finale Integrationslinien

Bildnachweis:

Johanna Handte, künftige CIO des Wealth Managements von Bethmann HAL | Bildnachweis: Bethmann HAL

Ein Jahr nach der Megafusion schafft die ABN-Amro-Tochter Bethmann HAL klare Verhältnisse in Führung und Vertrieb. Mit der Ernennung von Johanna Handte zur gesamtverantwortlichen Chefanlagestrategin und einer neuen, straffen Regionalstruktur im Wealth Management ist die Integration organisatorisch abgeschlossen. Damit schrumpft die Eigenständigkeit der alten HAL-Strukturen endgültig in ein zentral gesteuertes Großbanken-Modell.  

Es ist der logische nächste Schritt nach dem Paukenschlag im Sommer vergangenen Jahres. Seit Ende Juni 2025 agieren die Bethmann Bank und Hauck Aufhäuser Lampe (HAL) offiziell unter einem Dach. Mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 70 Milliarden Euro und 17 Standorten hat sich das Institut unter der Leitung von Hans Hanegraaf zur drittgrößten Privatbank Deutschlands aufgeschwungen. Doch nackte Zahlen machen noch kein funktionierendes Geschäftsmodell. Um die versprochenen Synergien im anspruchsvollen B2B- und Private-Banking-Segment tatsächlich zu heben, setzt das Haus nun zum 15. Juni 2026 auf eine personelle und strukturelle Neuordnung.  

Kontinuität an der Investment-Spitze: Eine interne Lösung mit Signalwirkung

Inmitten des Fusionswirbels setzt die Bank bei der so wichtigen Investmentstrategie auf eine bewährte Kraft aus den eigenen Reihen. Johanna Handte, die bereits seit Januar 2024 als CIO das Asset Management der alten Bethmann Bank steuerte, rückt zur Chefanlagestrategin (Chief Investment Officer) der gesamten, kombinierten Organisation auf. Sie verantwortet damit ab Mitte Juni die strategische und taktische Asset Allocation sowie die Steuerung der Investmentprozesse für das gesamte fusionierte Vermögen.  

Die Entscheidung für Handte ist ein kluger und beruhigender Schachzug in Richtung der Belegschaft und der vermögenden Kundschaft. In Fusionsphasen neigen Kunden aufgrund von Verunsicherungen oft zur Abwanderung. Handte steht für die Fortführung der bewährten Investmentphilosophie der Bethmann Bank. Agnes Brelik, Mitglied der Geschäftsleitung der ABN Amro Deutschland, unterstrich diese Personalie entsprechend und bezeichnete die Ernennung als „Ausdruck des Vertrauens in ihre Kompetenz und ihre Fähigkeit, die Investmentorganisation von Bethmann HAL erfolgreich in die Zukunft zu führen“.  

Das neue Machtgefüge: Sechs Fürstentümer und zwei Großregionen

Parallel zur Besetzung der CIO-Position räumt Bethmann HAL in der Fläche auf. Die bisherige Struktur der 17 Standorte wird gestrafft und in ein klar hierarchisches System aus sechs Hauptniederlassungen und zwei Clustern überführt:  

  • Die Kernstandorte: Die sechs größten Plätze werden als eigenständige Hauptniederlassungen geführt. Hier setzen die Frankfurter auf namhafte Köpfe. Jan Oliver Bell (Ex-HAL) behält Bielefeld, Arndt Sauer führt Düsseldorf (Ex-HAL), Axel Rogge leitet Hamburg, Michael Di Martino bleibt in Köln (Ex-HAL) und Thomas Jäger besetzt München (Ex-HAL). Eine spannende Personalie zeigt sich in der Zentrale: Oliver Bormann wechselt vom kleineren Standort Wuppertal nach Frankfurt.
  • Die Cluster-Regionen: Die verbleibenden elf Standorte verlieren ihre direkte Eigenständigkeit und werden regional gebündelt. Patric Wilhelm übernimmt die Region Nord (unter anderem Berlin, Bremen, Hannover), während Manfred Richtarsky die Region Süd (Bonn, Mannheim, Stuttgart, Nürnberg, Würzburg) verantwortet.  

Auch die Berichtslinien spiegeln die internen Machtverhältnisse der Alt-Banken wider: Während Oliver Plaack den Norden und Westen (Bielefeld, Düsseldorf, Hamburg, Region Nord) kontrolliert, unterstehen Frankfurt, Köln, München sowie die Region Süd dem Manager Stefan Meine.  

Diese neue Regionalstruktur ist aus Effizienzgründen nachvollziehbar, birgt jedoch Zündstoff. Die Degradierung von elf Standorten zu nachgeordneten Satelliten der Regionalköpfe könnte den traditionell stark ausgeprägten Stolz der lokalen Beraterteams vor Ort verletzen. Im Wealth Management hängen Kundenzugehörigkeiten fast ausschließlich an einzelnen Personen. Wenn sich lokale Berater durch die neue Berliner oder Frankfurter Brille bevormundet fühlen, droht der Verlust wertvoller Mandate an die agile Privatbanken-Konkurrenz.

Die Zerreißprobe zwischen Größe und Exklusivität

Unter dem Strich zeigt der finale Umbau von Bethmann HAL, dass die Schonfrist des Zusammenwachsens vorbei ist. Die neue Struktur atmet den Geist einer Großbank – straff organisiert, klar hierarchisch und prozessoptimiert. Für den Mutterkonzern ABN Amro ist das Erreichen der kritischen Größe von 70 Milliarden Euro ein strategischer Meilenstein auf dem deutschen Markt.  

Die eigentliche Herausforderung für CEO Hans Hanegraaf und sein Team beginnt jedoch jetzt. Sie müssen beweisen, dass die neu formierte „Bethmann HAL“ trotz ihrer beachtlichen Größe die sprichwörtliche Intimität und maßgeschneiderte Manufaktur-Qualität einer Privatbank beibehalten kann. Wenn der Umbau dazu führt, dass Prozesse standardisiert werden und die Individualität auf der Strecke bleibt, ist der Titel „drittgrößte Privatbank Deutschlands“ bald nur noch eine hohle Phrase. Der Markt wird die Neuausrichtung ab dem 15. Juni sehr genau beobachten.

Ähnliche Beiträge