Angriff auf den Schweizer Bankenmarkt: Revolut beantragt Finma-Vollbanklizenz

Revolut beantragt Schweizer Banklizenz bei der Finma: Die britische Neobank plant 150 Millionen Franken Investitionen, Personalaufbau und lokale IBANs.

Harry Dörsam

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Veröffentlicht am

16.9.26

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10:26

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Angriff auf den Schweizer Bankenmarkt: Revolut beantragt Finma-Vollbanklizenz

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Revolut

Die britische Digitalbank Revolut forciert ihre Expansion im europäischen Wealth- und Retail-Markt und strebt eine eigenständige Regulierung im Schweizer Bankensektor an. Das Finanztechnologieunternehmen hat bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) eine Banklizenz beantragt. Mit einer eigenen Lizenz will Revolut den Schritt von einer Zweitkarten- und Reisedevisenlösung zur vollwertigen Erstbank vollziehen. Geplant sind substantielle Investitionen, der Ausbau lokaler Gehaltskonten, die Anbindung an die Schweizer Einlagensicherung sowie die Ausgabe von CH-IBAN-Kontonummern.

Schritt zur Vollbank soll strukturelles Vertrauensdefizit lösen

Bislang operiert Revolut im Schweizer Markt über seine in Vilnius ansässige Einheit Revolut Bank UAB, die der Aufsicht der Bank von Litauen und der Europäischen Zentralbank untersteht. Diese grenzüberschreitende EU-Pass-Struktur setzte dem Fintech im Nicht-EU-Land Schweiz jedoch enge Grenzen: Mangels lokaler Banklizenz konnte das Haus bisher weder vollwertige Gehaltskonten noch auf Schweizer Franken lautende Anlagekonten anbieten.

Trotz dieser regulatorischen Schranken zählt Revolut nach eigenen Angaben bereits mehr als 1,3 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in der Eidgenossenschaft, was einer Marktdurchdringung von rund 24 Prozent entspricht. Mehr als die Hälfte dieses Bestands nutzt das Angebot monatlich. Vertriebschef David Tirado bezeichnete die Finma-Lizenzierung als entscheidendes Puzzleteil im Verdrängungswettbewerb mit den etablierten Schweizer Universalbanken und Kantonalbanken. Mit der direkten Aufsicht durch die Finma und der damit verbundenen institutionellen Validierung soll das im traditionellen Schweizer Markt notwendige Vertrauen geschaffen werden, um innerhalb von zwei bis drei Jahren die Schwelle von 40 Prozent Marktdurchdringung zu überschreiten.

Investitionsoffensive und Personalverdreifachung in Zürich

Um den operativen Anforderungen der Finma an eine eigenständige Bankorganisation gerecht zu werden, kündigte das Unternehmen ein umfassendes Ausbauprogramm an. In den kommenden fünf Jahren sollen über 150 Millionen Franken in den Schweizer Markt fließen. Schweiz-Chef Julian Biegmann stellte zudem eine Verdreifachung der aktuellen Belegschaft von rund 30 Beschäftigten bis Ende des kommenden Jahres in Aussicht, um sämtliche bankspezifischen Steuerungs-, Risiko- und Compliance-Funktionen lokal zu verankern.

Strategisch zielt das Institut darauf ab, die bestehende Nutzerbasis durch ein überlegenes Preis-Leistungs-Verhältnis und digitale Nutzerführung dauerhaft als Primärbankbeziehung im Zahlungsverkehr zu monetarisieren. Ein Einstieg in das renditestarke Schweizer Wealth Management wird zwar konzernweit evaluiert, besitzt am Standort Schweiz kurzfristig jedoch keine Priorität.

Globale Lizenzierungsrallye untermauert Rekordbewertung

Der Zulassungsantrag in Bern reiht sich in eine weltweite Konsolidierungs- und Lizenzierungswelle des Fintechs ein. Nach dem Erhalt der Lizenzen im Vereinigten Königreich und in Frankreich sowie einer vorläufigen Genehmigung für eine nationale Banklizenz in den USA würde die Schweiz die vierte eigenständige Bankgesellschaft von Revolut auf europäischem Boden markieren.

Mit weltweit rund 80 Millionen Kunden untermauert das Unternehmen seine Ambitionen auch auf Gesellschafterebene: Im Rahmen einer aktuellen Sekundärmarkt-Platzierung, bei der Mitarbeiter Anteile an Neuinvestoren veräußern, wird Revolut mit 150 Milliarden US-Dollar bewertet. Damit festigt das Institut seinen Status als wertvollstes privates Technologieunternehmen Europas und demonstriert die nötige finanzielle Feuerkraft, um selbst den stark regulierten und ertragsstarken Schweizer Bankenplatz frontal herauszufordern.

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