Trotz Rekordgewinn und angehobener Jahresprognose baut American Express rund 3.500 Arbeitsplätze ab. Der Kreditkartenkonzern folgt damit einem Trend im Finanzsektor, bei voller Kasse die Kostenbasis zu straffen.

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American Express
Der US-Kreditkartenriese American Express demonstriert ein bemerkenswertes finanzpolitisches Paradoxon: Während die New Yorker Konzernzentrale ihre Gewinnziele für das Gesamtjahr 2026 nach oben schraubt, greift das Management zum personellen Rotstift.
Weltweit sollen rund 3.500 Arbeitsplätze wegfallen, knapp fünf Prozent der aktuell 78.000 Mitarbeiter zählenden Belegschaft. Konzernchef Steve Squeri bestätigte den Schritt in einem Interview mit dem US-Sender Bloomberg TV und begründete den Aderlass mit dem Ziel, der allgemeinen Kosteninflation im operativen Geschäft frühzeitig den Riegel vorzuschieben. Der Schritt verdeutlicht, dass selbst hochprofitable Finanzkonzerne derzeit keine Scheu vor tiefen Einschnitten haben, um ihre Margen vor einer möglichen konjunkturellen Eintrübung zu schützen.
Aus rein bilanzieller Sicht präsentiert sich American Express in glänzender Verfassung. Im dritten Quartal kletterte der Konzernumsatz im Vorjahresvergleich um neun Prozent auf 20,1 Milliarden US-Dollar, während der Nettogewinn um 28 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar nach oben schoss. Maßgeblich befeuert wurde das Ergebnis durch einen Sondereffekt: Die Veräußerung von Anteilen an der Global Business Travel Group spülte nach Steuern mehr als 750 Millionen Dollar in die Kassen. Einen signifikanten Teil dieser Sonderliquidität leitete das Institut in ein konzernweites Effizienz- und Umstrukturierungsprogramm um.
Gestützt auf das solide Quartal hob Squeri die Erwartungen für das Gesamtjahr 2026 an: Der bereinigte Gewinn je Aktie soll nun 18,30 bis 18,60 Dollar erreichen – mindestens 40 Cent mehr am oberen Ende des Zielkorridors. An der Wall Street verpuffte der Optimismus jedoch: Die Amex-Aktie gab zum Handelsauftakt um rund drei Prozent nach. Verantwortlich für den Dämpfer war die Ernüchterung der Analysten über das Volumen der tatsächlichen Kartentransaktionen. Zwar konsumierten die Kunden auf hohem Niveau, das Ausgabentempo blieb jedoch hinter den hochgesteckten Markterwartungen zurück.
Die Zurückhaltung an den Märkten trifft den Konzern an einem neuralgischen Punkt. Anders als die reinen Netzwerk- und Transaktionsdienstleister Visa und Mastercard agiert American Express als geschlossenes System: Das Institut gibt Karten selbst aus, refinanziert das Kreditbuch eigenständig und trägt das volle Ausfallrisiko. Um dieses Modell hochprofitabel zu halten, setzt Amex traditionell auf eine besonders einkommensstarke Klientel im Privat- und Firmenkundenumfeld, die bereit ist, für Status-Kreditkarten teils vierstellige Jahresgebühren zu entrichten.
Genau dieses Premium-Versprechen gerät jedoch zunehmend unter Druck. In der anspruchsvollen Kernzielgruppe regt sich spürbarer Unmut über das Leistungsangebot: besonders im europäischen und deutschsprachigen Markt sorgten in jüngerer Vergangenheit Einschränkungen und der Wegfall exklusiver Partnerschaften für Unverständnis – allen voran die wiederkehrende Kritik an fehlenden oder spürbar ausgedünnten Zugangsrechten zu den Lounges der Lufthansa Group. Für viele wohlhabende Vielflieger stellte der nahtlose Zutritt zu den Senator- und Business-Lounges das zentrale Verkaufsargument für die kostspielige Platinum- oder Centurion-Karte dar. Wenn bei steigenden oder gleichbleibend hohen Kartengebühren zentrale Kernvorteile wegbrechen, wächst das Risiko, dass einkommensstarke Kunden ihre Konten kündigen oder Kartenumsätze zu Mitbewerbern verlagern.
Mit dem Schritt, 3.500 Planstellen zu streichen, steht American Express in der globalen Finanzbranche keineswegs allein da. Der Schritt fügt sich in eine Serie von Maßnahmen ein, bei denen Institute trotz solider Quartalsergebnisse ihre Personalkapazitäten zusammenstreichen. Erst kürzlich gab die britische Großbank Barclays den Abbau von 5.000 Stellen bekannt, während auch die Citigroup ihren weltweiten Mitarbeiterstab verkleinert und Versicherer wie Generali über Digitalisierung und Fluktuation hunderte Jobs abbauen.
Finanzdienstleister nutzen die aktuellen Rekordstände, um ihre Strukturen schlanker und automatisierter aufzustellen. Für American Express wird der Spagat nun darin bestehen, die operative Kostenbasis drastisch zu senken, ohne das von den Kunden teuer bezahlte Qualitäts- und Serviceversprechen weiter zu beschädigen.

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