Tarifkonflikt im privaten Bankgewerbe eskaliert: Verdi ruft rund 150.000 Beschäftigte zu bundesweiten Warnstreiks auf. Vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November fordert die Gewerkschaft sechs Prozent mehr Gehalt und Schutzregeln beim KI-Einsatz.

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Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) verschärft im Tarifkonflikt des privaten Bankgewerbes den Ton und ruft die Beschäftigten für die kommende Woche zu ersten bundesweiten Warnstreiks auf. Mit den Arbeitsniederlegungen will die Gewerkschaft den Druck auf den Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. November massiv erhöhen.
Zum Auftakt der Tarifgespräche am 8. Oktober hatten die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt und zentrale Forderungen der Gewerkschaftssektion zurückgewiesen. Von den laufenden Tarifverhandlungen sind bundesweit rund 150.000 Angestellte betroffen.
Verdi zieht mit einem Bündel aus finanziellen und strukturellen Forderungen in die Auseinandersetzung. Neben einem Gehaltsplus von sechs Prozent verlangt die Gewerkschaft für Nachwuchskräfte 300 Euro mehr pro Monat bei einer kurzen Laufzeit von zwölf Monaten. Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck verwies angesichts der soliden Ertragslage vieler Institute auf die Diskrepanz zwischen Bankbilanzen und Vergütung:
Bei den Gewinnen werde geliefert, doch beim Gehalt blieben die Institute ihren Angestellten ein Angebot schuldig. Wer täglich zum Branchenerfolg beitrage, habe Anspruch auf eine faire Beteiligung. Die Warnstreiks sollten den Arbeitgebern verdeutlichen, dass am 2. November ein substanzielles und verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch müsse.
Über die monetären Komponenten hinaus rückt Verdi die digitale Transformation in den Mittelpunkt der Verhandlungen. Angesichts von Automatisierungswellen und Effizienzprogrammen fordert die Gewerkschaft verbindliche tarifliche Regelungen zu Beschäftigungsschutz und Qualifizierungsmaßnahmen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Wer in neue Technologien investiere, müsse zwingend auch in die Menschen investieren, die mit diesen Systemen arbeiteten, so Duscheck. Zudem pocht die Gewerkschaft auf eine unbefristete Übernahme von Auszubildenden in Vollzeit.
Auf scharfen Widerstand der Arbeitgeberseite stößt insbesondere eine geforderte Wahloption, mit der Beschäftigte Teile ihres Gehalts in bis zu 20 zusätzliche freie Tage im Jahr umwandeln können sollen. Der AGV Banken lehnt dieses Modell strikt ab und hält Verdi vor, damit eine verdeckte Arbeitszeitverkürzung von nahezu zehn Prozent durchsetzen zu wollen. Eine derartige Regelung führe jede seriöse Personal- und Einsatzplanung in den Filialen sowie in den operativen Einheiten ad absurdum.
Mit den angekündigten Arbeitsniederlegungen dürften sich Kundinnen und Kunden in der kommenden Woche bundesweit auf Einschränkungen im Filialbetrieb sowie Verzögerungen im Servicegeschäft der privaten Geschäftsbanken einstellen. Ob die Fronten vor dem zweiten Zusammentreffen am 2. November aufweichen, hängt davon ab, ob die Arbeitgeberseite auf den Streikdruck mit einem ersten bezifferten Angebot reagiert.

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