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Staatsanwaltschaft durchsucht Deutsche Finance Büros in München

Razzia bei der Deutschen Finance in München: Mehr als 60 Ermittler prüfen den Verdacht auf mögliche Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit den riskanten US-Immobiliendeals der Bayerischen Versorgungskammer und drohenden 850 Millionen Euro Verlust.

Harry Dörsam

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Harry Dörsam

Veröffentlicht am

4.11.26

um

14:07

Uhr

Staatsanwaltschaft durchsucht Deutsche Finance Büros in München

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Deutsche Finance Group

Der milliardenschwere Immobilienskandal um die Bayerische Versorgungskammer (BVK) hat mgölicherweise eine strafrechtliche Dimension von erheblichem Ausmaß erreicht. Mehr als 60 Beamte der Staatsanwaltschaft München I und der Polizei haben am Dienstag Geschäftsräume des Münchner Vermögensverwalters Deutsche Finance durchsucht, worüber Bloomberg zuerst berichtete.

Im Zentrum des Verfahrens steht der Verdacht der potentiellen Bestechung im geschäftlichen Verkehr: Manager des Fondshauses sollen angeblich Mitarbeitende der BVK mit Luxusreisen und weiteren Vergünstigungen versorgt haben, um riskante US-Immobilieninvestments zu platzieren. Die Ermittlungen richten sich nach Justizinformationen auch direkt gegen den Geschäftsführer der Deutschen Finance. Während der Vermögensverwalter mitteilte, man kooperiere vollumfänglich und sei lediglich als Dritter durchsucht worden, lehnte die BVK eine offizielle Stellungnahme ab.

Riskante US-Investments und ein 850-Millionen-Loch

Die Razzia bildet die Zuspitzung einer seit über einem Jahr schwelenden Krise bei Deutschlands größter öffentlich-rechtlicher Versorgungsgruppe. Die BVK verwaltet als Dachorganisation das Altersvorsorgevermögen von über 2,8 Millionen Versicherten aus zwölf berufsständischen und kommunalen Versorgungswerken, darunter Ärzte, Rechtsanwälte, Notare und Orchestermusiker. Rund 1,6 Milliarden Euro an Versichertengeldern flossen in spekulative US-Projektentwicklungen. Teile dieser Mittel wurden über mehrstufige Fondsvehikel Projekten zugeführt, an denen ein verurteilter Steuerbetrüger beteiligt war.

Wurde der drohende Abschreibungsbedarf im Frühjahr noch auf 690 Millionen Euro beziffert, beziffert die BVK die möglichen Gesamtverluste mittlerweile auf mehr als 850 Millionen Euro. Zwar betont die Versorgungskammer wiederholt, dass die laufenden und künftigen Rentenzahlungen institutionell garantiert seien, doch der Vertrauensverlust bei den Beitragszahlern wiegt schwer. In Bayern verfügt statistisch gesehen etwa jeder fünfte Haushalt über Pensionsansprüche an eine der betroffenen Kammern.

Gegenseitige Klagen und ein unzulässiges Näheverhältnis

Die juristische Aufarbeitung der Fehlallokationen mündete bereits in den vergangenen Monaten in einen beispiellosen Streit zwischen Großkunde und Dienstleister. Die BVK hatte nach internen Prüfungen ein Sanierungsprogramm aufgelegt und die Deutsche Finance öffentlich für mangelnde Kontrollmechanismen bei den Deals in Übersee verantwortlich gemacht. Der Vermögensverwalter schlug daraufhin mit einer Klage vor einem US-Gericht zurück: Das Fondshaus warf der BVK geschäftsschädigende Falschbehauptungen vor und verlangte Schadenersatz für entgangene Vergütungen und Reputationsschäden. Die BVK wies die Vorwürfe umgehend als durchschaubare Nebelkerze zurück.

Die nun eingeleiteten Durchsuchungen stützen jedoch den Verdacht institutioneller Verflechtungen abseits regulärer Geschäftspraktiken. Bereits im Spätsommer 2025 hatte BVK-Chef Axel Uttenreuther eingeräumt, dass externe Sonderprüfer auf Unregelmäßigkeiten und ein nicht angemessenes Näheverhältnis zwischen Kammermitarbeitern und dem Dienstleister gestoßen waren, woraufhin die BVK selbst Unterlagen an die Justiz übergab.

BaFin-Sonderbeauftragter und Insolvenzen belasten den Vermögensverwalter

Für die Deutsche Finance kommt der Zugriff der Ermittlungsbehörden zur denkbar ungünstigsten Phase. Das Unternehmen operiert bereits unter verschärfter aufsichtsrechtlicher Beobachtung: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) entsandte im Juni einen Sonderbeauftragten in das Unternehmen, um die Ordnungsmäßigkeit der Verwaltung geschlossener Publikumsfonds zu kontrollieren.

Zudem geriet das operative Fondsgeschäft ins Wanken. Im Spätsommer musste eine Beteiligungsgesellschaft der Gruppe Zahlungsunfähigkeit anzeigen, das zuständige Amtsgericht bestellte im September den renommierten Sanierungsexperten Michael Jaffé zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Mit den Vorwürfen mutmaßlicher Korruption verlagert sich der Konflikt endgültig von einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung über gescheiterte Marktwetten zu einem handfesten Wirtschaftskrimi, der das Geschäftsmodell des Vermögensverwalters an den Grundfesten erschüttert.

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