BaFin stoppt Negativkampagne der UniCredit gegen die Commerzbank. Kritik an „reißerischen“ Anzeigen und Orcels Rhetorik. Analyse der Folgen für die Hauptversammlung am 4. Mai.

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Der Übernahmekampf um die Commerzbank erreicht eine neue Eskalationsstufe, die nun auch die Finanzaufsicht auf den Plan gerufen hat. In einer ungewöhnlich deutlichen Intervention hat die BaFin der italienischen UniCredit untersagt, ihre Kampagne gegen das Frankfurter Traditionshaus in der bisherigen Form fortzusetzen. Die Behörde rüffelte das Mailänder Institut wegen Werbeanzeigen in „reißerischer und unsachlicher Aufmachung“, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden. In diesen Darstellungen wurde die Commerzbank unter ihrer aktuellen Führung als „vernachlässigt“ und „unsicher“ stigmatisiert, während eine Übernahme durch die Italiener als einziger Weg zu Stärke und Wettbewerbsfähigkeit angepriesen wurde.
Die Aufseher stützen ihr Eingreifen auf das Wertpapierübernahmegesetz (WpÜG), das während eines laufenden Akquisitionsverfahrens strikte Regeln für die Kommunikation vorschreibt. Neben den Online-Anzeigen gerieten auch die verbalen Attacken von UniCredit-Chef Andrea Orcel ins Visier der Behörde. Orcel hatte in einer Telefonkonferenz die wirtschaftliche Lage und die Strategie der Commerzbank-Spitze scharf angegriffen. Die BaFin stellte klar, dass unsachliche Äußerungen und suggestive Prognosen, die den wirtschaftlichen Kern einer Transaktion verschleiern, im deutschen Übernahmerecht keinen Platz haben. Sollte sich das Mailänder Geldhaus nicht an diese Vorgaben halten, drohen empfindliche Bußgelder.
In der Mailänder Konzernzentrale reagierte man mit einer Mischung aus Überraschung und diplomatischer Rechtfertigung auf den Rüffel aus Bonn. Ein Sprecher der UniCredit räumte zwar eine gewisse „Mehrdeutigkeit“ ein, schob diese jedoch auf eine unglückliche Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Man habe lediglich eine positive Vision für die Commerzbank vermitteln wollen und die fragwürdigen Inhalte umgehend entfernt. Dennoch konnte sich die UniCredit eine Spitze in Richtung Frankfurt nicht verkneifen. Die Rhetorik der Übernahmegegner sei von Beginn an „überzogen, übermäßig aggressiv und stark personalisiert“ gewesen, hieß es aus Mailand. Damit spielt die Bank den Ball zurück an das Commerzbank-Management und die politischen Akteure in Berlin.
Tatsächlich agiert die UniCredit in einem hochendzündlichen politischen Umfeld. Die Bundesregierung, die nach wie vor rund zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile hält, lehnt die Übernahmeabsichten der Italiener strikt ab. Für das Kabinett in Berlin steht nicht nur die Unabhängigkeit eines der wichtigsten Kreditgeber für den deutschen Mittelstand auf dem Spiel, sondern auch die Souveränität des heimischen Finanzplatzes. Die Intervention der BaFin wird daher in Finanzkreisen auch als Signal gewertet, dass der regulatorische Rahmen in Deutschland voll ausgeschöpft wird, um einen geordneten und sachlichen Ablauf des Verfahrens sicherzustellen.
Die strategische Ausgangslage bleibt trotz des regulatorischen Dämpfers für Orcel äußerst komfortabel. Mit einer direkten Beteiligung und Zugriffen über Finanzinstrumente kontrolliert die UniCredit faktisch 29,99 Prozent der Stimmrechte – punktgenau unter der Schwelle, die ein Pflichtangebot auslösen würde. Der nächste entscheidende Meilenstein ist die außerordentliche Hauptversammlung der UniCredit am 4. Mai 2026. Dort sollen die Aktionäre grünes Licht für die notwendige Kapitalerhöhung geben, um das offizielle Tauschangebot an die Commerzbank-Aktionäre zu finanzieren.
Die BaFin hat mit ihrem Eingreifen zwar für den Moment die kommunikativen Leitplanken neu justiert, am grundlegenden Konflikt ändert dies jedoch wenig. Das Frankfurter Management muss nun beweisen, dass seine „Stand-alone“-Strategie den Aktionären mehr Wert bietet als das Angebot aus Mailand, während die Bundesregierung vor der Herausforderung steht, ihre ablehnende Haltung marktwirtschaftlich und europarechtlich sauber zu begründen. Klar ist: Der Ton im Übernahmekampf ist durch den BaFin-Rüffel zwar formal diszipliniert worden, die Fronten zwischen Mailand, Frankfurt und Berlin sind jedoch so verhärtet wie selten zuvor in der europäischen Bankengeschichte.

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Thorsten Schrieber (ex-DJE) wechselt im Juli 2026 zu ACATIS Investment. Als künftiger Sprecher der Geschäftsführung soll er den Generationswechsel einleiten und die Expansion des Value-Managers vorantreiben.

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