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ODDO BHF verkauft deutsches Firmenkundengeschäft an Bred Group

ODDO BHF stößt das deutsche Firmenkunden- und Außenhandelsgeschäft ab und verkauft die Sparte an die französische Bred Group. Die deutsch-französische Privatbank konzentriert sich künftig ganz auf die Vermögensverwaltung.

Anja Amend

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Anja Amend

Veröffentlicht am

20.10.26

um

15:23

Uhr

ODDO BHF verkauft deutsches Firmenkundengeschäft an Bred Group

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ODDO BHF | Exemplarische Darstellung des Standorts Bremen

Philippe Oddo zieht einen Schlussstrich unter die industrielle Vergangenheit seines deutschen Hauses. Rund ein Jahrzehnt nach der spektakulären Übernahme der Frankfurter BHF-Bank verkauft der geschäftsführende Gesellschafter der deutsch-französischen Finanzgruppe ODDO BHF das deutsche International-Banking- und Corporate-Banking-Geschäft an die französische Bred Group. Was vordergründig wie eine gewöhnliche Spartenveräußerung wirkt, ist in Wahrheit die Vollendung einer grundlegenden Metamorphose: Das Traditionshaus verabschiedet sich endgültig von seiner historischen Rolle als klassischer Außenhandelsfinanzierer für den deutschen Mittelstand, um sich ganz als margenstarker europäischer Vermögensverwalter und Berater zu positionieren.

Abschied von der kapitalintensiven Kreditvergabe

Seit dem Einstieg der französischen Unternehmerfamilie Oddo im Jahr 2016 befand sich die traditionsreiche Frankfurter Privatbank im Dauerumbau. Während die alte BHF-Bank einst als Inbegriff der hanseatisch-hessischen Kaufmannsbank galt, deren Wurzeln im Handels- und Korrespondenzbankgeschäft mehr als ein Jahrhundert zurückreichen, passte das kapitalintensive Kreditgeschäft immer weniger in das strategische Raster des Pariser Bankiers. Hohe regulatorische Eigenkapitalanforderungen für Ausleihungen, dünne Margen im Zinsgeschäft und ein intensiver Wettbewerb mit den Großbanken banden erhebliche Ressourcen in der Bilanz.

Mit dem Verkauf der Sparte – inklusive Export- und Handelsfinanzierung sowie einem Netzwerk von über 460 Korrespondenzbanken in mehr als 100 Ländern – entlastet Oddo die Risikopositionen der Gruppe spürbar. Die freiwerdende Liquidität und regulatorische Schlagkraft sollen gezielt in die ertragsstarken Gebührenbringer fließen: Private Wealth Management, Asset Management und das auf mittelständische M&A-Deals und Kapitalmarkttransaktionen spezialisierte Investment Banking.

Dass sich dieser Fokus bezahlt macht, spiegeln die jüngsten Geschäftszahlen wider. Mit verwalteten Kundenvermögen von rund 159 Milliarden Euro und einem Nettobankergebnis von 905 Millionen Euro im Jahr 2025 agiert ODDO BHF längst aus einer Position der bilanziellen Stärke heraus. Philippe Oddo sieht in dem Deal folglich eine logische Zuspitzung des eigenen Profils:

"Die Bred Group ist eine angesehene Bankengruppe mit ausgeprägter internationaler Kompetenz. Wir sind überzeugt, dass die Zusammenarbeit Wachstumsmöglichkeiten eröffnet – für Kunden und Geschäftspartner ebenso wie für das weltweite Korrespondenzbanknetzwerk."

Französischer Genossenschaftsriese baut Brückenkopf in Frankfurt

Während ODDO BHF das Kapitel Unternehmensfinanzierung in Deutschland damit vermutlich schließt, nutzt die Käuferin die Gunst der Stunde für einen strategischen Expansionsschritt. Die Bred Banque Populaire ist das größte Institut innerhalb der Groupe BPCE, Frankreichs zweitgrößter Bankengruppe. Trotz ihrer beträchtlichen Ertragskraft von 1,73 Milliarden Euro und einem Jahresüberschuss von 423,4 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025 fehlte den Genossenschaftsbankern bislang ein schlagkräftiger operativer Zugang zum deutschen Markt.

Mit der Übernahme der BHF-Aktivitäten sichert sich die Bred Group auf einen Schlag eine voll funktionstüchtige Plattform in der Finanzmetropole Frankfurt sowie den direkten Zugriff auf etablierte Kundenbeziehungen im deutschen Außenhandel. Für Jean-Paul Julia, CEO der Bred Group, markiert der Vorstoß daher einen Meilenstein in der internationalen Wachstumsstrategie. Man sehe im deutschen Markt sowie im etablierten Korrespondenzbanknetzwerk erhebliches Ertragspotenzial, um das eigene Firmenkundengeschäft über Frankreich hinaus zu skalieren.

Vollzug im ersten Halbjahr 2027

Für die betroffenen Firmenkunden und Korrespondenzbanken bedeutet der Eigentümerwechsel vor allem den Übergang unter ein genossenschaftliches Dach mit hoher Solvenz: Die Bred Group bringt ein konsolidiertes Eigenkapital von 7,7 Milliarden Euro mit und stützt sich auf rund 7.300 Beschäftigte weltweit.

Bis die Transaktion rechtskräftig vollzogen werden kann, steht jedoch die regulatorische Prüfung an. Da der Verkauf grenzüberschreitend organisiert ist, müssen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die französische ACPR grünes Licht geben. Beide Institute gehen davon aus, dass die behördlichen Freigaben im ersten Halbjahr 2027 vorliegen werden. Für Philippe Oddo markiert dieses Datum den endgültigen Abschluss der Integration – und die Transformation der einstigen BHF-Bank zur modernen europäischen Private-Banking-Boutique.

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