Frank Niehage verzichtet auf den Chefposten bei Solaris. Für das Berliner BaaS-Fintech verschärft sich damit die Führungskrise – Strategiewechsel und Eigentümervertrauen stehen auf dem Prüfstand.

Bildnachweis:
Solarisbank
Die Berliner Solaris Bank-as-a-Service-Plattform kommt beim Führungswechsel nicht voran. Nach monatelangen Gesprächen hat Frank Niehage das Angebot, den Vorstandsvorsitz zu übernehmen, abgelehnt. Das berichtete zuerst das Handelsblatt.
Der frühere Flatexdegiro-Chef bestätigte seine Absage, weitere Details nannte er nicht. Solaris verweist auf Prinzipien der Zurückhaltung: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Gerüchten oder Spekulationen.“ Der amtierende Vorstand ist bis Ende 2026 bestellt – eine Verstärkung des Gremiums war angekündigt, eine Nachfolge jedoch nicht.
Für Solaris ist die Personalie mehr als ein Rückschlag im Recruiting. In Finanzkreisen gilt das Vertrauen des Mehrheitsgesellschafters SBI in die derzeitige Führung als beschädigt. Dem Vernehmen nach traut der Investor dem Team um CEO Carsten Höltkemeyer keinen echten Neustart zu. Dabei gilt ein solcher als überfällig: Der erklärte Fokuswechsel – weg von kleineren Fintech-Partnern, hin zu etablierten Unternehmen – hat bislang keine tragfähige Profitabilität hervorgebracht.
Solaris’ Geschäftsmodell, anderen Anbietern die Nutzung der Banklizenz sowie Kreditkarten- und Zahlungsservices bereitzustellen, bleibt zwar intakt. Doch ohne belastbares Wachstumsprofil im margenstärkeren Corporate-Segment droht die Erzählung vom skalierten Plattformgeschäft zu erodieren – gerade in einem Umfeld strengerer Aufsicht und höherer Anforderungen an Compliance und Risiken.
Wie sehr die Lage an den Nerven zehrt, hatte Höltkemeyer im April ungewöhnlich offen geschildert: „Wir hatten zwei oder drei sehr ernste Situationen in unserem Unternehmen, in denen ich tatsächlich an meiner Grenze war“, berichtete er auf dem Fintech-Event Fibe. Es habe „sehr schlaflosen Nächten“ gegeben, und er habe „mehrmals“ bereut, den Job übernommen zu haben. Diese Aussagen setzen die Governance-Debatte zusätzlich unter Spannung – und erschweren die Suche nach einem externen Stabilitätsanker an der Spitze.
Ob Solaris bis zum Vertragsende Höltkemeyers weitermacht oder vorzeitig einen neuen Vorstandschef präsentiert, ist offen. Weder Solaris noch SBI gaben dazu Auskunft. Klar ist nur: Die Finanzierungsrunde zu Jahresbeginn über 140 Mio. Euro erfolgte zu deutlich niedrigeren Konditionen – die Bewertung fiel von vormals 1,6 Mrd. Euro auf unter 100 Mio. Euro. Das verschärft den Druck, dem Markt rasch zu zeigen, dass das BaaS-Modell auch mit größeren Unternehmenskunden belastbar und profitabel skaliert.

Führungswechsel bei der Frankfurter Sparkasse: Dr. Arne Weick übernimmt zum 1. April 2026 den Vorstandsvorsitz. Er folgt auf Dr. Ingo Wiedemeier, der als Finanzvorstand zur Muttergesellschaft Helaba wechselt.

Nächster Schlag der Aufseher: Die EZB verdonnert JP Morgan zu einer Strafe von 12,2 Millionen Euro. Die US-Großbank meldete über Jahre hinweg zu niedrige Risiken und wies dadurch geschönte Kapitalquoten aus. Nach einer jüngsten BaFin-Rekordstrafe rücken die internen Kontrollsysteme der Bank massiv in den Fokus.

Rekordzahlen und Dividenden-Hammer: Der Online-Broker flatexDEGIRO übertrifft seine eigenen Ziele für 2025 und plant eine Versiebenfachung der Dividende auf 0,30 Euro je Aktie. Für 2026 peilt das Unternehmen weiteres profitables Wachstum durch neue Produkte wie Krypto-Handel und Altersvorsorge-Depots an.